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Karlsfelder Busverkehr:Man kann es nicht allen recht machen

Lange diskutieren Karlsfelds Gemeinderäte, wie sich der örtliche Busverkehr optimieren lässt. Doch das ist nicht so einfach: Ein Bus, der schnell sein soll, kann nicht überall halten

Es ist ja nicht so, dass die Karlsfelder Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung nicht ausgiebig über Verbesserungen oder, wie manche meinten, Veränderungen zum Schlechten, debattiert hätten. Zwei Stunden lang diskutierte man hin und her - vor allem über die Linien 710 und 160. Und die Kommunalpolitiker hätten sich sicher noch zwei weitere Stunden die Köpfe zerbrechen können: Am Ende hätte es doch nicht gereicht, alle zufrieden zu stellen - weder unter den Gemeinderäten selbst noch unter den Karlsfelder Bürgern. Das zeigten zwei Wortmeldungen aus den Zuschauerreihen am Ende der Sitzung, bei denen weitere Vorbehalte zur neuen Linienführung des 710ers ohne Schleife durch Garten- und Krenmoosstraße vorgebracht wurden beziehungsweise vorgeschlagen wurde, den 160er durch die Hochstraße zur Handwerkersiedlung zu lotsen.

Offensichtlich ist auf jeden Fall, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verstärkt werden muss, wenn eine Verkehrswende gelingen soll. Klar ist auch, dass das nur funktionieren kann, wenn die Taktzeiten verkürzt werden und die Busse nicht allzu große Abweichungen von der kürzesten und schnellsten Route nehmen müssen. Wie gut das funktionieren kann, zeigt die Akzeptanz der Linie 172, die von Dachau auf dem schnellsten Weg durch Karlsfeld über Feldmoching bis zum Forschungs- und Entwicklungszentrum von BMW führt. Hatten viele die Einrichtung dieser Linie zu Beginn im Jahr 2013 noch für eine Spinnerei gehalten und ihr ein schnelles Ende nach der Probephase vorhergesagt, so hat sich der 172er längst zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte entwickelt, die zu den Stoßzeiten sogar einen Zehn-Minuten-Takt erforderlich macht.

Vielleicht lassen sich ja künftig, wenn der 710er nach Moosach auf der Münchner Straße bleibt und dazu noch die neue Linie 175 dazu kommt, mehr Karlsfelder Pendler dazu verleiten, auf einen Bus nach München umzusteigen, statt sich allmorgendlich mit den eigenen Autos in langen Schlangen von Garten- oder Krenmoosstraße in den Stau auf der B304 einzureihen. Und doch wird es letztlich immer darauf hinauslaufen, was Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) gesagt hat: "Es gibt Vorteile, aber für einen Teil der Bevölkerung auch Belastungen. Die Eier legende Wollmilchsau wird es nicht geben."

© SZ vom 03.02.2020
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