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Karlsfelder Brunnen allesamt leer:Steinwüste

Die Karlsfelder Brunnen sind zwar allesamt schön gestaltet, aber viele von ihnen führen seit mehr als zehn Jahren kein Wasser mehr. Der Grund: Die Gemeinde hat kein Geld, um diese plätschern zu lassen. Ein Rentner lässt das Argument nicht gelten und will nun die Initiative ergreifen

Trockene Brunnen

Nach wie vor ein Blickfang: Doch das von Klaus Herbrich erdachte Quadrat der Krenmoos-Fontäne ist schon lange nicht mehr zu erkennen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Wasser ist versiegt. Kein erfrischend munteres Plätschern mehr aus einem Brunnen. Keine Kinder mehr, die begeistert im kühlen Nass spielen. In Karlsfeld herrscht Trockenheit - und zwar nicht erst seit gestern. Egal ob der Franz-von-Assisi-Brunnen, Krenmoos-Fontäne, der Stein vor dem Bürgerhaus oder die sich in die Höhe reckenden stählernen Blüten an der Münchner Straße - die Karlsfelder Brunnen sind schön gestaltet, aber leider alle samt leer. Die meisten führen schon seit etwa zehn Jahren kein Wasser mehr, der am Bürgerhaus ist sogar seit fast 40 Jahren stillgelegt. Böse Zungen behaupten gar, er sei nur zur Eröffnung mal kurz gelaufen, aber von vorneherein eine Fehlkonstruktion gewesen. Peter Frank vom Tiefbauamt spricht von einer "Attrappe". Sehr betrübt darüber, dass sein Kunstwerk nicht mehr lebendig ist, ist der Künstler Klaus Herbrich, der 1997 die Krenmoos-Fontäne geschaffen hat. "Das Argument der Gemeinde ist, dass kein Geld da ist", sagt er. Doch auf Facebook hat jetzt ein 62-jähriger Karlsfelder angeboten, wenigstens den Franz-von-Assisi-Brunnen mal genau anzuschauen und wenn möglich kostenlos zu reparieren.

"So ein Angebot lassen wir nicht liegen", sagt der CSU-Gemeinderat Bernd Wanka, der sich um die Facebookgruppe "Infokreis Karlsfeld" kümmert. "Ich versuche Sachen am Leben zu erhalten", sagt der 62-Jährige. Seit Mitte der Neunziger, als das Wohngebiet entstand, sitzt der bronzene Franz von Assisi mit seinen Vögeln auf dem Platz. Früher planschten Kinder zu seinen Füßen, doch seit einigen Jahren sammelt sich dort nur noch Müll. Das gefällt dem hilfsbereiten Mann nicht, der in der Nähe wohnt und den Brunnen wieder plätschern lassen will. "Ich dachte, da muss man mal was tun", sagt der gelernte Elektrotechniker. "Ich repariere viel, was andere wegschmeißen würden." Das Material, was er brauche, um den Brunnen wieder zum Laufen zu bringen, müsste die Gemeinde zahlen. Aber 10 000 Euro werde das nicht kosten, da ist er sich sicher. Der Rentner hatte gehört, dass ein Fachmann so viel verlange. Doch diese Information ist längst überholt.

Trockene Brunnen

Die Kaskaden neben Franz von Assisi sind staubtrocken.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Beim Kaskadenbrunnen am Franz-von-Assisi-Platz müsste die Gemeinde laut Gutachter inzwischen etwa 50 000 Euro investieren, um Dichtungen und die Elektrik der Pumpanlage zu erneuern. Und das ist der Stand von vor drei Jahren. Die Instandsetzung der Krenmoos-Fontäne am Drosselanger, die Herbrich geschaffen hat, würde sogar 100 000 Euro kosten. Ein Rohrbruch hat laut Gemeinde den Schacht unter dem Brunnen geflutet und die Schaltanlage regelrecht absaufen lassen. Auch die Pumpen funktionieren inzwischen nicht mehr und die Rohrleitungen müssten erst einmal gespült werden. "Das ist ein Riesenaufwand", sagt Peter Frank vom Tiefbauamt. Und bevor man dies in Angriff nähme, müsse man erst mal eine umfangreiche Planung machen. Die Elektronik würde man diesmal oberirdisch legen. Auch wenn dies nicht so ästhetisch aussehe wie unterirdisch. Aber die Erfahrungen waren einfach zu schlecht. "Hätte man das am Anfang gleich repariert, wäre es kostengünstiger gewesen", moniert Künstler Herbrich. Es sei doch klar: "Je länger man die Brunnen vernachlässigt, um so größer ist der Schaden." Solange eine Firma sie gewartet habe, seien sie auch gelaufen. Doch als die Gemeinde auf die Idee kam, die Kosten zu sparen und selbst danach zu schauen, habe es noch ein Jahr gedauert und die Brunnen funktionierten nicht mehr, so Herbrich.

Trockene Brunnen

Der Stein vor dem Karlsfelder Bürgerhaus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Karlsfelder ärgert das sehr. Es vergingen keine zwei Woche und schob habe jemand bedauert, dass die Krenmoos-Fontäne nicht mehr funktioniere, sagt Herbrich. "Früher saßen die Erwachsenen am Rand, freuten sich am Glitzern des Wassers, strichen mit den Händen durchs Nass und schauten den Kindern zu, wie sie ihre Schifflein fahren ließen oder planschten", erinnert sich Herbrich. "Der Brunnen war lebendig." Jetzt sitzt niemand mehr dort. Seit langer Zeit schon nicht mehr.

"Dieses Jahr bauen wir erst einmal eine neue Schule und Kinderhäuser. Da fällt die Instandsetzung der Brunnen leider hinten runter", sagt Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). 28 Millionen Euro Schulden muss Karlsfeld dafür heuer aufnehmen.

Angesichts dieser Ausgangslage gibt es auf Facebook begeisterte Menschen, die das Angebot des 62-jährigen Karlsfelders loben. Kolbe lehnt es jedoch ab. "Da muss ein Ingenieurbüro dran", sagt er. Peter Frank vom Tiefbauamt ist aufgeschlossener: "Eine Patenschaft wäre denkbar", sagt er. "Jemand, der sich kümmert, sauber macht, Gras rupft und Bescheid sagt, wenn was nicht passt." Ein mögliches Haftungsproblem könne man ja so lösen, dass nach der Reparatur ein Fachmann drüber schaue, schlägt der 62-Jährige vor. Das sei sicher billiger.

Auch Klaus Herbrich hat sich schon Gedanken gemacht. Er ist enttäuscht, dass niemand mehr die Idee seines Werks erkennen kann. Es stehen nur noch die massiven viereinhalb Meter hohen Granitstehlen im Rondell. Die Fontänen - auf jeder Seite drei - sind weggefallen. Das Quadrat, das sich daraus ergibt, ist deshalb nicht mehr zu erkennen. Auch die vielen Farbnuancen nicht, die sich durch Sonneneinfall oder bei Regen ergeben. Um die Kosten einer Reparatur zu reduzieren, schlägt er vor, wenigstens das Becken mit Grundwasser zu füllen, damit die Stehlen nicht mehr im Trockenen stehen. Das Wasserwirtschaftsamt habe ihm auf Nachfrage signalisiert, dass dies möglich wäre. Die Gemeinde jedoch antwortete laut Herbrich auf diesen Kompromissvorschlag noch nicht einmal. "Ich muss mich wohl damit abfinden, ich kann mich nicht ewig ärgern", sagt er betrübt.

Unterdessen träumen einige von einem weiteren Brunnen auf dem Ludl-Gelände an der Münchner Straße, das derzeit überplant wird. Ähnlich wie der am Stachus könnte er aussehen - nur kleiner, lautet eine Idee. Das ist Aufenthaltsqualität. Eine Bereicherung für den Platz vor der gewünschten Gaststätte vielleicht. Im Rathaus ist man von dieser Idee allerdings weniger angetan. Brunnen sind eben ein schwieriges Thema in Karlsfeld, heißt es nur.