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Risikogebiet:Hochwassergefahr in Karlsfeld? So reagiert der Gemeinderat

An der Würm

Ein Radfahrer radelt am Würmufer an der Bayernwerkstraße in Karlsfeld entlang.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Wasserwirtschaftsamt kartiert Karlsfeld als großes Überschwemmungsgebiet. Gemeinderäte zweifeln Darstellung an.

"Mir fehlt ein bisschen die Fantasie, mir vorzustellen, dass unser Ortszentrum unter Wasser steht", sagte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) am Dienstagabend im Gemeinderat. Er war damit nicht allein. Es ging bei der Sitzung im Rathaus um die "vorläufige Sicherung des Überschwemmungsgebiets der Würm", die Stefan Fach, der beim Wasserwirtschaftsamt München für den Landkreis Dachau zuständige Abteilungsleiter, den Kommunalpolitikern vorgestellt hatte.

Obwohl ihn die Gemeinderäte nach seinem Vortrag gut eine Stunde lang mit Fragen bombardierten, herrschte am Ende immer noch weitgehend Ratlosigkeit, wie es mit dem Thema der Überschwemmungsgebiete weitergehen könnte.

Auch vom Würmkanal aus stellen sich in Karlsfeld große Flächen als Überschwemmungsgebiete dar

Das Wasserwirtschaftsamt sei verpflichtet, Überschwemmungsgebiete zu ermitteln, um Schäden zu verhindern und in der Öffentlichkeit das Risikobewusstsein zu schärfen, erklärte Fach. Grundlage dafür sind vor allem das bundesweite Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und das Bayerische Wassergesetz. Nach Paragraf 78 des WHG müssen noch unbebaute Flächen im Überschwemmungsgebiet freigehalten werden. Dort dürfen weder neue Baugebiete ausgewiesen noch Bauten errichtet oder erweitert werden. Paragraf 78a enthält eine Reihe weiterer Schutzvorschriften, unter anderem das Verbot, wassergefährdende Stoffe, etwa Öl, zu lagern. Der Bericht über die vorläufige Sicherung potenzieller Hochwasserräume geht ans Landratsamt. Innerhalb von fünf Jahren müsse dann das Überschwemmungsgebiet nach Anhörung von Bürgern und Gemeinde von der Kreisbehörde "festgesetzt" werden - so der amtliche Ausdruck . Das betreffe allein Überflutungen, nicht zu hohe Grundwasserstände, betonte Fach.

Die Gemeinderäte staunten nicht schlecht, als ihnen Fach auf Karten zeigte, wie groß die Überschwemmungsgebiete des kleinen Flüsschens Würm, das von Karlsfeld nach Dachau fließt, und des abzweigenden Würmkanals nach Schleißheim sind. Westlich der Bahn gelten danach große Flächen als hochwassergefährdet, unter anderem das Grundstück, auf dem das vierte Gymnasium des Landkreises entstehen soll. Auch vom Würmkanal aus stellen sich große Flächen als Überschwemmungsgebiete dar: Sie reichen bis an die Allacher Straße und zum Bürgerhaus, östlich der Münchner Straße über die "Neue Mitte" hinaus und verteilen sich schließlich über große Areale im Gewerbegebiet.

Was bedeutet die Einstufung für Hausbesitzer in Karlsfeld?

SPD-Fraktionschef Franz Trinkl wollte wissen, was die Einstufung als Überschwemmungsgebiet für Hausbesitzer bedeute. Direkte Folgen habe sie nicht, sagte Fach. Nur wenn neu gebaut werden solle, seien dort etwa keine Ölheizungen erlaubt. Der Bürgermeister hatte mit der Hochwassergefährdung ein noch deutlich größeres Problem: Der zentrale Bereich der Gemeinde sei auf der Karte als Überschwemmungsgebiet eingezeichnet. "Kann ich da gar nichts mehr entwickeln?", fragte er mit Blick auf den noch unbebauten Teil der sogenannten Wögerwiese südlich der "Neuen Mitte".

Fach kündigte an, dass seine Behörde dort ebenso messen werde wie auf dem Gelände für das geplante Gymnasium. Schließlich seien es nur zehn bis fünfzehn Zentimeter, die ein Hochwasser dort erreichen könne. Im Übrigen verwies er darauf, dass Paragraf 78 WHG durchaus eine Reihe von Ausnahmen zulasse, wenn beispielsweise kein anderes Grundstück zur Verfügung stehe oder die Gefährdung von Leben, Gesundheit oder Sachschäden nicht zu erwarten sei.

Grundsätzliche Kritik an dem ganzen Verfahren brachte Christian Bieberle (CSU) vor, der laut eigener Aussage auch einmal in diesem Bereich gearbeitet hatte. Er nannte die vom Wasserwirtschaftsamt dargestellte Oberflächenbetrachtung "völlig irreführend", schließlich liege Karlsfeld auf der Münchner Schotterebene, wo Wasser rasch versickere. Er sprach von einem reinen Rechenmodell, "das in Wirklichkeit nicht eintreten kann". Daher zweifle er die Darstellung an, "weil sie uns als Gemeinde in der Entwicklung behindert und viel Geld kostet". Fach erwiderte, dass der Freistaat mit der Sicherung von Überschwemmungsgebieten auch das Ziel habe, "die Bürger dafür zu sensibilisieren, was eintreten kann".