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Karlsfeld-West:Provisorischer Supermarkt

Gemeinde und Investor ringen um eine vorübergehende Lösung

Die Bewohner des Betreuten Wohnens in Karlsfeld schöpfen neue Hoffnung. Seit Jahren wünschen sie sich einen Laden in der Nähe, in dem sie das Wichtigste für den alltäglichen Gebrauch kaufen können. Investor Erlbau & Streicher hatte ihnen schon vor dem Erwerb der Wohnungen zugesichert, dass ein derartiger Einzelhändler auf dem Areal angesiedelt werden soll. Doch es passierte nichts. Nach dem Bau des Betreuten Wohnens stellte der Investor die Bautätigkeit ein. Zurück blieb eine wenig einladende Brache - sehr zum Ärger der Anwohner, aber auch der Gemeinde. Unterschiedliche Vorstellungen, was auf dem großen Gelände am Karlsfelder Bahnhof gebaut werden soll, führte zu verhärteten Fronten zwischen Erlbau & Streicher einerseits und der Gemeinde andererseits. Die Folge: absoluter Stillstand.

Doch jetzt scheint wieder Bewegung in die Verhandlungen gekommen zu sein: "Wir hatten ein Gespräch mit dem Eigentümer", berichtete Bürgermeister Stefan Kolbe in der jüngsten Gemeinderatssitzung. "Diskutiert wird eine provisorische Lösung." Angestoßen hatten die Debatte offenbar Vertreter der Senioren, allen voran Rechtsanwalt Johann Böhmer und seine Lebensgefährtin Monika Baumgartner, deren Mutter in dem Betreuten Wohnen lebt. Immer wieder hatten sie auf die schwierige Situation aufmerksam gemacht. Die meisten Anwohner westlich der Bahn können sich in ihr Auto setzen und zum Einkaufen fahren, die Senioren aber nicht. Die meisten haben kein Auto mehr und sind noch dazu schlecht zu Fuß. Die Busanbindung sei miserabel und den Leuten fehle auch ein Treffpunkt, so die Argumentation. Erlbau & Streicher indes beharrte im vergangenen Jahr darauf, dass sich nur dann ein Supermarkt in dem Areal ansiedeln würde, wenn mehr Wohnungen gebaut würden. Für den Investor ein lukratives Konzept, aber die Gemeinde hält an ihren Vorstellungen fest: Dort soll sich Gewerbe ansiedeln.

Nun denkt man laut Böhmer an einen provisorischen Supermarkt im Zelt oder Container mit Kühlmöglichkeit nach. Die Gemeinde habe signalisiert, dass sie bereit sei, dies zu genehmigen. Erlbau muss nun ein Konzept ausarbeiten. Außerdem muss ein Betreiber gefunden werden. Man suche händeringend nach Lösungen, so Bürgermeister Kolbe. Doch er stellt klar: "Es kann kein Dauerprovisorium sein."

© SZ vom 27.04.2020 / cb

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