WasserversorgungKarlsfeld dreht kräftig an der Gebührenschraube

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Im Bereich Abwasser, hier die Karlsfelder Kläranlage, haben die Gemeindewerke zwar Rücklagen, doch es stehen bald teure Investitionen an.
Im Bereich Abwasser, hier die Karlsfelder Kläranlage, haben die Gemeindewerke zwar Rücklagen, doch es stehen bald teure Investitionen an. Niels P. Jørgensen

Der Werkausschuss empfiehlt, die Wassergebühren anzuheben. Der Preis für Abwasser würde damit um 81 Prozent steigen, der für Frischwasser um fast die Hälfte. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat.

Von Walter Gierlich, Karlsfeld

Die Karlsfelder müssen ab November deutlich mehr für Frischwasser und Abwasser bezahlen – vorausgesetzt, der Gemeinderat folgt im September den Empfehlungen, die der Bau- und Werkausschuss jüngst verabschiedet hat: Pro Kubikmeter, also für 1000 Liter Wasser, müssten Bürger dann 47 Prozent mehr, also 2,76 Euro statt bisher 1,88 Euro bezahlen – netto. Mit den fälligen sieben Prozent Mehrwertsteuer würde der Betrag von 2,01 Euro auf 2,95 Euro steigen. Obwohl Abwasser steuerfrei ist, soll der Kubikmeterpreis sogar um 81 Prozent von 1,66 Euro auf drei Euro ansteigen.

Zunächst erklärte Martin Eberle, Chef der Gemeindewerke, dass nach dem Kommunalabgabengesetz regelmäßig eine Kalkulation der Beiträge und Gebührensätze stattfinde, um einerseits die Kostendeckung zu gewährleisten, andererseits das „Kostenüberdeckungsverbot“ einzuhalten. In Karlsfeld werden Ausgaben und Einnahmen für Wasser und Abwasser alle vier Jahre neu berechnet. Eberle deutete an, dass er in der Lokalpresse wegen der künftigen Preissteigerungen wenig erfreuliche Überschriften erwarte. „Ich würde mir lieber andere Schlagzeilen wünschen“, sagte er. Jedoch seien die Gemeindewerke verpflichtet, die Vorgaben einzuhalten. Es sei alles teurer geworden, „aber wir können die Kosten auf alle Verbraucher verteilen“.

Gemeindewerke müssten sonst teure Darlehen aufnehmen, sagt Eberle

Im vergangenen Herbst hat der Gemeinderat die Kalkulation an den Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband (BKPV) vergeben. Nun präsentierte BKPV-Mitarbeiterin Michaela Egger den Ausschussmitgliedern ihre Kalkulationen, sowohl für die einmalig anfallenden Herstellungsbeiträge bei Neubauten als auch für die laufenden Gebühren. Ihren Berechnungen nach sind bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung nicht nur die Personalkosten gestiegen, sondern auch die Ausgaben für technische Investitionen, Strom und Tiefbaufirmen. Zwar habe es von 2020 bis 2023 eine Überdeckung gegeben, die aber bis kommenden Oktober aufgebraucht sei. Folglich sei eine Gebührenanhebung von November an unumgänglich.

Bei der Wasserversorgung werde die vorgeschriebene Kostendeckung erreicht, wenn der Preis pro Kubikmeter um 94 Cent von 2,01 auf 2,95 Euro erhöht würde, so Egger. Hier gebe es keine Alternative. Anders beim Abwasser. Zwar verfügten die Gemeindewerke bei der Abwasserentsorgung über eine Rücklage von zwei Millionen Euro. Doch Egger empfahl, diese nicht zugunsten niedrigerer Gebührensteigerungen aufzubrauchen. Würde sich das Gremium dafür entscheiden, stiegen die Abwassergebühren statt auf drei Euro lediglich auf 2,34 Euro pro Kubikmeter. Doch im Abwasserbereich stünden bis 2027 enorme Investitionen in Höhe von mehr als 28 Millionen Euro an, eine Reserve werde also dringend gebraucht, so Egger. Auch Martin Eberle sprach sich für die Rücklage aus, da die Gemeindewerke sonst teure Darlehen aufnehmen müssten.

„Diese Erhöhung um 47 Prozent wird keinen freuen.“

BKPV-Expertin Michaela Egger erklärte, ein Vierpersonenhaushalt müsse nach der Gebührenänderung ab November 2024 bis 31. Dezember 2027 durchschnittlich 600 Euro im Jahr für Frischwasser zahlen. „Diese Erhöhung um 47 Prozent wird keinen freuen“, sagte sie. Zumal noch etwa 540 Euro für Abwasser pro Jahr obendrauf kommen.

Marco Brandstetter (Bündnis für Karlsfeld) sprach sich dafür aus, die Rücklage von zwei Millionen Euro aus Gründen der Gerechtigkeit an die Bürger zurückzugeben, die ja bisher zu viel gezahlt hätten. Mit dieser Meinung stand er jedoch weitgehend allein da. Thomas Kirmse (SPD) etwa fürchtete, dass nach 2027 ein noch drastischerer Preisanstieg zu erwarten sei. Christian Bieberle (CSU) nannte die neuen Gebühren einen „realistischen Preis“ und verwies darauf, dass andere Kommunen die gleichen Probleme hätten.

Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) stellte zur Diskussion, gleich Empfehlungen für die künftigen Gebühren an den Gemeinderat abzugeben oder noch einmal in den Fraktionen darüber zu beraten. So wurde einstimmig empfohlen, dass Wasser in Zukunft 2,95 Euro brutto pro Kubikmeter kosten soll. Beim Beschluss, den Preis für Abwasser ab November auf drei Euro zu erhöhen, stimmten Brandstetter und sein Fraktionskollege Peter Neumann dagegen. 

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