Erholungsgebiet:See-Security auf Sparflamme

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Angestellte des Sicherheitsdienstes patrouillieren am Karlsfelder See, hier im September 2023. (Foto: Toni Heigl)

Der Kreistag hat die Gelder für den Sicherheitsdienst am Karlsfelder See halbiert wegen der angespannten Haushaltslage. Nun wächst die Sorge, dass Müll- und Vandalismusprobleme sich wieder verschärfen könnten.

Von Anna Schwarz, Karlsfeld

Gesa Jörg springt schon mal um 5.30 Uhr im Neoprenanzug in den Karlsfelder See. "Aber wenn man so früh da ist, schaut es dort oft aus wie auf einer Müllhalde", vor allem an der Halbinsel und nach lauen Sommernächten, sagt die Hebertshausenerin verärgert. Das Problem der Badenden hat auch der Kreistag erkannt und vor sechs Jahren entschieden, Sicherheitskräfte einzusetzen, die entlang des Sees patrouillieren und für Ordnung sorgen.

Im vergangenen Jahr hat der Landkreis dafür rund 85 000 Euro ausgegeben. Doch wegen der angespannten Haushaltslage haben die Kreisräte zuletzt beschlossen, die Mittel deutlich zu gekürzt - um mehr als die Hälfte: Für 2024 sind nur noch 35 000 Euro vorgesehen. Deshalb muss die Zahl der Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes D&T und deren Einsätze in diesem Jahr deutlich reduziert werden, teilt das Landratsamt mit. Bei Badegästen, Gastronomen und der Wasserwacht wächst nun die Sorge, dass vor allem das Müllproblem wieder zunehmen könnte.

Auf eine Sitzgruppe am Grillplatz wurde immer wieder eingeschlagen

Bislang waren die Securitys während der Badesaison am Freitag sowie den Wochenend- und Feiertagen von 11 bis 23 Uhr am See unterwegs. Dabei sollten sie die Badegäste darauf aufmerksam machen, ihren Müll wieder mitzunehmen oder in die Müllbehälter zu werfen. Außerdem schalten sich die Sicherheitskräfte ein, wenn Badegäste außerhalb der ausgewiesenen Bereiche grillen oder das Naherholungsgebiet mit ihren Fahrzeugen befahren. Das Landratsamt zog im vergangenen Herbst eine positive Bilanz zur See-Security: In den vergangenen Monaten sei die Müllverschmutzung an dem Gewässer "offensichtlich deutlich zurückgegangen", deutlich weniger Glasscherben würden herumliegen. "Wir führen das schon auf die hohe Präsenz des Sicherheitsdienstes zurück", schrieb das Landratsamt damals. Vandalismusprobleme gab es aber weiterhin. Erst im März teilte das Landratsamt mit, dass die Sitzgruppen am Grillplatz abgebaut werden müssten, weil wiederholt darauf eingeschlagen worden sei.

Auch Stefan Handl (CSU), Karlsfelds zweiter Bürgermeister, ist überzeugt: "Natürlich bringen Kontrollen etwas", schreibt er zum Einsatz des Sicherheitsdienstes. "Jetzt wird es darauf ankommen, die verbleibenden Mittel richtig einzusetzen und zu den Zeiten zu kontrollieren, in denen der Bedarf erfahrungsgemäß am Größten ist." Gleichzeitig appelliert er an die Badegäste, aufeinander Rücksicht zu nehmen: "Ich freue mich über jede nicht achtlos weggeworfene, sondern sauber entsorgte Zigarettenkippe!"

Nach Abschlusspartys kehrt das Wasserwacht-Team Glasscherben zusammen

Ähnlich wie Handl hat auch Oliver Welter, Leiter der Kreis-Wasserwacht, das Gefühl, dass sich die Müllsituation am See verbessert hat, nachdem dort seit drei Jahren ein Glasverbot von 18 bis 6 Uhr gilt und die Sicherheitsleute patrouillieren. Doch ganz verschwunden sei das Müll- und Vandalismusproblem nicht: Vor allem, wenn Abschlusspartys am Ufer gefeiert würden, ist sein Wasserwacht-Team am Sonntagmorgen gefordert. Dann sperren die Wasserwachtler schon mal die Liegewiese mit Flatterband ab und kehren Glasscherben zusammen: "Auch wenn das nicht unsere eigentliche Aufgabe ist." Doch das Verletzungspotenzial bei Glasscherben sei hoch und um die Schnittwunden müssten sich seine Freiwilligen dann ja ohnehin wieder kümmern.

Im März teilte das Landratsamt mit, dass die Sitzgruppen am Grillplatz abgebaut werden, weil wieder einmal darauf eingeschlagen wurde. (Foto: Niels P. Jørgensen)
In der Badesaison quellen die Mülleimer am Karlsfelder See regelmäßig über. (Foto: Niels P. Jørgensen)
Seit etwa drei Jahren gilt das Glasverbot in den Abendstunden. (Foto: Niels P. Jørgensen)
Derzeit ist die Lage am Karlsfelder See noch ruhig, doch bei schönem Wetter sind Plätze auf den Liegewiesen höchst begehrt. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Allerdings, findet Welter, sei es kein Spezifikum des Karlsfelder Sees, dass Menschen ihren Müll an Ort und Stelle liegen lassen: "Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass es Leute gibt, die denken: ,Mir ist das egal, irgendjemand wird das schon aufräumen.'"

"Ich würde das Geld eher in einen Reinigungsdienst investieren"

Christian Kronseder, Wirt des Burgerrestaurants "Fifty Seven" am See, sieht den Einsatz der Securitys indes kritischer: "Ich würde das Geld eher in einen Reinigungsdienst investieren als in einen Sicherheitsdienst." Er bezweifelt, dass die Sicherheitskräfte die Kapazitäten haben, jeden Müllsünder im Erholungsgebiet anzusprechen. Auf Nachfrage teilt das Landratsamts jedoch mit, dass bereits Reinigungsteams am See unterwegs sind: während der Badesaison ein Mal und an den Wochenenden und Feiertagen sogar zwei Mal täglich. Bleibt die Frage: Reicht das?

Kronseder sagt, dass vor allem nahe dem Grillplatz die Mülleimer oft überquellen und Einweggrills oder Verpackungen liegen bleiben. Deshalb fordert er, dass dort mehr Abfallbehälter aufgestellt werden müssen: "Wenn ein fauler Mensch nur zwei statt fünf Meter zum Mülleimer hat, dann bringt er seinen Abfall eher dorthin." Doch auch damit werden wohl nicht alle Umweltverschmutzer gestoppt. Denn manches, was am Seeufer abgeladen wird, passt gar nicht in einen Mülleimer: In der Facebookgruppe "Infokreis Karlsfeld" hat Kronseder Anfang Mai ein Foto von einer Abfalltonne am Karlsfelder See entdeckt, neben der jemand zwei Autoreifen deponiert hatte.

"Man will sich doch am nächsten Tag wieder hinlegen und nicht zwischen Müll sitzen"

Für solche Umweltfrevel schlägt Schwimmerin Gesa Jörg eine radikale Lösung vor. Sie fordert eine "empfindlich hohe Strafe" für Seegäste, die ihren Müll am Ufer nicht aufräumen: "Ich verstehe das einfach nicht, dass man seine Umgebung so verdrecken lässt", sagt Jörg. "Man will sich doch am nächsten Tag wieder hinlegen und nicht zwischen Müll sitzen."

Bislang gilt: Bei jedem ersten Vergehen, wie dem Verstoß gegen das Glasverbot oder Vermüllung am Karlsfelder See, verhängen die Securitys im Auftrag des Landratsamts ein Verwarngeld von 35 Euro. Bei einem weiteren Verstoß werden Wiederholungstäter mit Bußgeldern bestraft. Jeweils 100 Euro Geldstrafe gibt es für Tiere füttern, Vermüllung oder illegales Grillen. Gesa Jörg, die schon ein Handy und immer wieder Kreditkarten aus dem See gefischt hat, hat noch eine weitere Idee, um das Erholungsgebiet Karlsfelder See sauberer zu halten: Wer dort Müll sammelt, sollte für jeden gesammelten Beutel finanziell belohnt werden. Die Höhe der Entschädigung müsste der Kreistag festlegen, schlägt sie vor.

Der diskutiert an diesem Freitag jedoch erst einmal in einer anderen Sache über den Karlsfelder See: Es geht darum, ob dort ein generelles Verbot von Cannabiskonsum verhängt werden soll.

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