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Karlsfeld:Saitenspiele

Die musikalische Bandbreite des Karlsfelder Vivaldi Orchesters reicht von Barock bis Popmusik. Die Dirigentin Monika Fuchs-Warmhold und ihre Musiker sind mit Begeisterung dabei.

Von Johannes Vogel

Vierzig Hände huschen über die Saiten und füllen den Saal des Bürgerhauses mit einem reinen, kräftigen Klang, wie man ihn sonst kaum zu hören bekommt. Im Konzert des Vivaldi Orchesters Karlsfeld lernt das Publikum die Musik der in der öffentlichen Wahrnehmung sonst kaum präsenten Zupforchester kennen. Es überrascht, mit welcher Präzision drei Dutzend Zupfinstrumente zusammen gespielt werden können. Die leichten, klaren Renaissance-Klänge erinnern an das Cembalo, das seine Saiten schließlich auch anzupft, und haben dennoch einen eigenen Charakter.

Das Orchester wurde von der Musikpädagogin Monika Fuchs-Warmhold 1970 gegründet und besteht aus Mandolinen, den größeren Mandolas, Gitarren und Kontrabässen. Später kamen die Vivaldi-Tiger und eine Kindergruppe, die Vivaldi-Mäuse, hinzu. Lange Zeit wurden Zupfinstrumente hauptsächlich für Solostimmen eingesetzt. Erst im frühen 20. Jahrhundert kam die Idee auf, daraus ganze Orchester zu konstituieren. Fuchs-Warmhold ist es dennoch wichtig, "die ganze Bandbreite" klassischer Musik und auch Poplieder zu erarbeiten. Dass sie dafür bei älteren Stücken auf Bearbeitungen zurückgreifen muss, stört nicht - im Gegenteil zeigen die Arrangements neue Aspekte der Stücke.

Die Einführung bestreitet das Jugendorchester, die Vivaldi-Tiger. Danach spielt das Erwachsenenorchester Renaissance- und Barockmusik. Die punktuelle Betonung von Akkorden gehört zu den Eigenheiten der speziellen Besetzung. Mit einem russischen Zigeunerlied zeigen die Musiker, dass auch orientalische Harmonien auf Mandolinen gut klingen.

Der zweite Teil des Konzerts widmet sich zeitgenössischer Musik. Den Anfang macht ein Werk aus den eigenen Reihen des Orchesters. "Toskanana" soll die Stimmung eines Aufenthalts in Oberitalien thematisieren. Tatsächlich erinnert das Stück mit seiner schwebenden Melodie eher an eine Meditation. Der Komponist Jürgen Schieber spielt eine Marimba, der in der Mitte des Stücks Raum für eine ausführliche Improvisation vorenthalten ist. Die langen Phrasen mit leeren Quinten ähneln den Harmonien einer Klangschale. In anderen Teilen bietet das Stück überraschende melodische Wendungen. Es folgt die "Danza delle streghe", "Der Hexentanz" von Francesco Civitareale. In zitternden Tönen setzen die Mandolinen das nächtliche Treiben der Waldhexen in Szene.

Dann ist Zeit für Popsongs. Das traurige Lied "Hurt" singt Julia Warmhold mit einer warmen, vollen Stimme. Bei "It's Raining Men" bekommt das Publikum Gänsehaut. Die dramatische Steigerung der Musik gelingt dem Orchester so hervorragend, wie man es einer reinen Zupfbesetzung kaum zutraut. Den Abschluss bildet "The Pirates of Zimmer", Titelstück der Filmreihe "Fluch der Karibik".

Der Dirigentin und ihren Musikern ist die Begeisterung anzumerken, bekannter Musik mit den Zupfinstrumenten neues Leben einzuhauchen. So verwundert es nicht, dass dieses Jahr die Mäuse und Tiger am renommierten Euro-Festival in Bruchsal teilnehmen dürfen. Das Erwachsenen-Orchester macht lieber eine Tour nach Italien. Als Zugabe gibt es zwei italienische Lieder und man kann sich bildhaft vorstellen, wie die Mandolinen- und Gitarrenspieler zwischen den toskanischen Weinbergen stehen und aus Freude am Leben musizieren.

© SZ vom 20.05.2014
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