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Achtung Radfahrer!:Parken nur für Autos

Fahrrradwege

Hunderte von Kunden - aber nur zehn Abstellplätze für Fahrräder. Das M3-Fachmarktzentrum ist kein Einzelfall in Karlsfeld.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wer in Karlsfeld freie Radständer sucht, braucht Glück. Am M3-Fachmarktzentrum gibt es zu wenige, am Ärztehaus sind sie zu abgelegen und an der Einkaufsmeile zu klein.

Der Parkplatz vor dem M3-Fachmarktzentrum am Ortseingang von Karlsfeld ist sehr groß, einen Stellplatz findet man eigentlich immer, sogar samstags. Fahrradfahrer können ihr Gefährt natürlich auch irgendwo abstellen. Aber wer einen freien Radständer sucht, braucht Glück. Vor dem Rewe-Markt gibt es gerade mal zehn Radständer. "Das sind viel zu wenige", sagt Eleonore Haberstumpf, die gerade mit ihrem Enkelkind des Weges kommt. Die Grünen-Kreisrätin wohnt gleich um die Ecke. Sich extra aufs Rad zu schwingen, lohnt sich da gar nicht. Aber in den Märkten kaufen ja nicht nur die Karlsfelder aus dem Nordosten des Gemeindegebiets ein, sondern auch Hunderte von Kunden, die westlich der Bahnlinie wohnen, wo es kein einziges Lebensmittelgeschäft gibt. Sie müssen sich zum Einkaufen entweder ins Auto setzen. Oder aufs Rad steigen, was doch wünschenswert wäre.

Das M3-Fachmarktzentrum ist kein Einzelfall. Wohin man schaut: Die Discounter achten darauf, dass die Kunden bequem mit dem Auto vorfahren können. Radständer sind in jeder Hinsicht Randerscheinung, und die großen Märkte liefern vielleicht noch nicht mal die schlimmsten Beispiele. Verkehrspolizist Richard Wacht fällt auf, dass gerade bei den kleineren Geschäften, die neu aufmachen, fast nie Radständer zu sehen seien. Gibt es in diesem Land, in dem alles bis zur Farbe der Parkscheibe vorgeschrieben ist, nicht auch hier verbindliche Vorgaben? Sinnvolle Vorgaben, zum Beispiel aus dem Rathaus?

"Wir von der Gemeinde können da nichts machen", sagt Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU). "Es fehlt eine qualifizierte Fahrradstellplatzsatzung in Karlsfeld." Aber warum beschließt man die nicht einfach? Peter Reiz vom ADFC wäre sehr dafür, auch als politisches Signal. Die anderen Fraktionen im Gemeinderat - SPD und Bündnis für Karlsfeld - hätten nichts gegen eine umfassende Regelungen gehabt, aber mit der CSU war nur die kleine Lösung zu machen: Vorgaben für Radständer beim Bau von Mehrfamilienhäusern, okay, aber nicht beim Reihenhaus.

Nicht jeder Radständer erfüllt seinen Zweck

Und beim Supermarkt? "Wir können das viel besser über den Bebauungsplan regeln", argumentiert Wanka. Und das werde ja auch schon gemacht, zum Beispiel in der Neuen Mitte, wo 60 hochmoderne Fahrradständer entstehen sollen. Und wir war das bei den letzten großen Bauvorhaben an der Münchner Straße? Vor dem Ärztehaus stehen sieben Radständer. Die meisten befinden sich gut versteckt hinter dem Haus. Gut, wenn der Patient das weiß.

Vor dem Einkaufszentrum Karlsfelder Meile gibt es tatsächlich eine ganze Reihe an Radständern - wenn man den niedrigen Metallbögen diese Bezeichnung zubilligen will. Sie sind gerade mal gerade groß genug, dass man Kinderfahrräder daran befestigen kann. Als gäbe es keine Fahrradfahrer in Karlsfeld, die größer sind 1,20 Meter. Bei der Besichtigungstour - es ist ein windiger Tag - liegen reihenweise Räder auf dem Boden. Für den Gebrauch sind diese Ständer völlig ungeeignet.

Das positive Beispiel findet sich vor dem Hallenbad Karlsfeld. Die Gemeinde hat hier Radständer aufgestellt, wie sie nach den Empfehlungen des Radclubs ADFC idealerweise aussehen sollten: Es gibt eine Halterung für das Vorderrad, das auch für Mountainbikes nicht zu schmal ist, und zusätzlich einen großen Metallbügel, an dem man das Rad festketten kann. Ausreichend große Abstände stellen sicher, dass man sein Fahrrad auch problemlos wieder herausholen kann - ohne an Lenker und Pedalen des benachbart abgestellten Drahtesels hängen zu bleiben. Ob man diese funktionstüchtige, aber teurere Variante wählt oder die untaugliche, aber billige, kann die Gemeinde nicht vorschreiben.

Billig und kundenfreundlich

Günter Rustler von der Karlsfelder Verkehrsbehörde versteht nicht, warum die Pächter der Ladenflächen im Einkaufszentrum "Karlsfelder Meile" nicht bei ihrem Vermieter Druck machen, dass richtige Radständer aufgestellt werden. "Das ist doch eine billige Maßnahme, die den eigenen Kunden zugutekommt." Den Platz, den man sonst für einen einzigen Kunden mit Auto aufwende, könne man ebenso gut für fünf bis sechs Kunden verwenden, die per Rad kommen. "Die Pächter müssen da auch selbst ein bisschen hinterher sein."

Peter Reiz vom ADFC würde sich auch mehr Radständer am Karlsfelder See wünschen, vielleicht alle 100 Meter einen, damit die Badegäste ihr Rad nicht mehr im Uferbereich an die Bäume ketten. Das findet Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) etwas übertrieben, aber auch er hat im Zuge der laufenden Sanierung schon die Anregung an den Erholungsflächenverein des Landkreises weitergegeben. mehr Radständer aufzustellen. Dass in Zukunft keiner mehr sein Rad an einen Baum kettet, wie sich Naturschützer Peter Reiz das wünscht, wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. "Die Leute wollen ihr Rad im Auge behalten", sagt Günter Rustler. Richard Wacht von der Polizeiinspektion Dachau findet das auch vernünftig: "Wenn ich 1500 Euro rumliegen hab, behalte ich das auch im Auge."

Was dürfen Radler? Was dürfen sie nicht? Worauf müssen sie achten? Und was muss getan werden, damit Radler sicherer und komfortabler ans Ziel kommen? Die Dachauer SZ hat mit einer Expertenrunde eine Radtour durch Karlsfeld unternommen. Mit dabei waren Peter Reiz, Mitglied des Landesvorstands im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), Richard Wacht, Verkehrsexperte der Dachauer Polizei, Günter Rustler, Leiter der Verkehrsbehörde in Karlsfeld und CSU-Fraktionschef Bernd Wanka in seiner Eigenschaft als Verkehrsreferent im Gemeinderat.