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Karlsfeld:Neues Großprojekt in Karlsfeld

Das "nido"-Wohngebiet ist fast komplett bebaut. Jetzt entstehen Wohnungen auch auf dem Gewerbegebiet daneben.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Auf einem 10000 Quadratmeter großen Gewerbeareal sollen 252 Senioren-Wohnungen entstehen. Das Bündnis spricht von "Käfighaltung" und befürchtet den Verlust des gesamten Standorts für Betriebsansiedlungen.

Das 15 Hektar große Wohngebiet "nido" westlich der Bahn ist schon fast komplett bebaut, auf dem benachbarten Gewerbeareal zwischen "nido" und Bahnhof, hat sich in den vergangenen Jahren allerdings wenig getan. Das soll sich nun ändern: Noch in diesem Jahr will die Firma Erl-Bau mit der Bebauung des ersten Abschnitts beginnen. Auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal sind 252 Wohnungen für Betreutes Wohnen geplant. "Für die Gemeinde ist es sehr erfreulich, dass in dieses Gebiet endlich Bewegung kommt", sagt Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). Aus dem Bündnis für Karlsfeld kommt jedoch Kritik. Die Fraktion befürchtet, dass der Investor noch weitere Gewerbeflächen auf dem Areal für Wohnungen verbauen könnte.

Die Wohnungen sollen in einem mehrstöckigen Gebäuderiegel von mehr als 170 Metern Länge untergebracht werden, die Wandhöhe beträgt 23,50 Meter. Damit wäre der Bau fast doppelt so hoch wie das große Einkaufszentrum "Karlsfelder Meile" und eineinhalb Mal so lang. Erst im Mai hatte die Gemeinde auf Wunsch des Investors einige Befreiungen vom Bebauungsplan genehmigt. "Diese Befreiungen waren maßgeblich für uns", sagt Projektleiter Michael Erl.

Das Betreute Wohnen will die Erl-Bau mit der ebenfalls in Deggendorf beheimateten Unternehmensgruppe Streicher nämlich als erstes realisieren. Einen entsprechenden Bedarf sieht Michael Erl in Karlsfeld durchaus. Die demografische Entwicklung mache auch vor Karlsfeld nicht halt. Einen festen Zeitrahmen für die Entwicklung des Areals kann Erl noch nicht nennen. Gehe alles nach Plan, könnte die Einrichtung bereits im Jahr 2017 bezogen werden. Bis auch die anderen fünf Baufelder fertiggestellt sind, dürfte es aber noch eine Weile dauern. "Das geht nicht von heute auf morgen." Das Unternehmen stehe aber bereits in Verhandlungen mit zahlreichen Interessenten für Büro- und Gewerbeflächen. Auch gebe es bereits engen Kontakt zum Konzern einer Einzelhandelskette. "Wir sind auf einem guten Weg."

Für Bürgermeister Stefan Kolbe war dies ein wichtiger Grund, dem Wunsch des Investors nachzukommen und Baurecht, das zuvor auf den anderen gewerblichen Flächen gelegen hatte, auf die Fläche für Betreutes Wohnen zu verschieben. "Wir legen Wert darauf, dass wir endlich Einzelhandel bekommen", sagt Kolbe. "Die Menschen westlich der Bahn warten darauf schon seit Jahren. Es kann sich ja nicht ewig im Kreis weiterdrehen."

Die Bündnis-Fraktion befürchtet, dass das Zugeständnis ein Geschenk ohne Gegenleistung werden könnte. Es gebe keine Garantie, dass der Investor die anderen Flächen nach Fertigstellung des Betreuten Wohnens tatsächlich entwickle und nicht weiterverscherble, sagt Gemeinderat Bernd Rath. Dann hätte die Gemeinde rund 24 000 Quadratmeter Geschossfläche für Wohnnutzung geopfert, die sie dringend für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben benötige. Gleichzeitig plant die Gemeinde ein neues Gewerbegebiet im Grünzug am der Schleißheimer Straße: für Rath ein krasser Widerspruch. "Das wird kein Bürger verstehen."

Im Gegensatz zu Landratsamt und Gemeinde hält das Bündnis für Karlsfeld Betreutes Wohnen in einem Sondergebiet für nicht zulässig - ein solches ist es aber planungsrechtlich. Sie dringt auf eine Umwidmung in ein Wohngebiet, was aber auf das Planvorhaben weitreichende Auswirkungen hätte: Dann nämlich würden ganz andere, erheblich strengere Anforderungen für Immissionsschutz und Abstandsflächen gelten. Die Folge wäre, dass der Gebäuderiegel deutlich weniger massiv gebaut werden dürfte als derzeit geplant. Rath hält dies allein schon zum Schutze der künftigen Bewohner für notwendig. Die Bebauung sie viel zu dicht: "Für mich ist das Käfighaltung."

Kolbe spricht verärgert von "Störfeuer". Das Projekt sei öffentlich noch nicht einmal vorgestellt worden und schon werde schlechte Stimmung erzeugt. Zur Argumentation des Bündnisses wolle er sich nicht äußern, ehe er sich nicht mit dem Anwalt der Gemeinde beraten habe, sagte Kolbe. Auf Bernd Rath ist er ohnehin gerade nicht sehr gut zu sprechen. Als Anwohner und Kläger gegen das bereits im Bau befindliche Ortszentrum Neue Mitte macht Rath dem Rathauschef das Leben zurzeit nicht gerade leicht.