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Karlsfeld:Lockere Eleganz

Das Sinfonieorchester Karlsfeld begleitete die junge Pianistin Nino Margvelashvili ausgesprochen aufmerksam.

(Foto: Toni Heigl)

Sinfonieorchester Karlsfeld brilliert im Bürgerhaus

Das Karlsfelder Sinfonieorchester unter der Leitung von Bernhard Koch wird immer besser, doch das Publikum bleibt zahlenmäßig immer gleich. Rund 150 Besucher hat jedes Konzert . Positiver Aspekt: Die vielen Nachwuchstalente im Orchester und jungen Solisten bringen junges Publikum mit. Diesmal hatte sich Bernhard Koch für eine junge Pianistin aus Tiflis entschieden, die von ihrem Fan-Club ausgiebig gefeiert wurde - und das mit Recht.

Nino Margvelashvili spielte zusammen mit dem Sinfonieorchester Karlsfeld das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 in B-Dur von Beethoven. Schon ihr erster Einsatz nach Beethovens langer Orchestereinleitung ließ aufhorchen: piano, aber mit leuchtendem Anschlag. Da bahnte sich ein wunderbares Musizieren an, kein heldenhaft kraftmeierisches Auftreten, zu dem die großen Konzerte von Beethoven bis Brahms und darüber hinaus oft verleiten. Nino Margvelashvili war sich offenbar bewusst, dass sie bei der Wiedergabe dieses pianistisch effektvollen Konzerts auch die Tugenden einbringen muss, die man von den Pianisten bei Mozart erwartet, und nicht nur das pianistisch Effektvolle in den Vordergrund stellen darf.

"Fröhlichkeit und lockere Eleganz" hat man vor allem dem ersten Satz dieses Klavierkonzerts zugesprochen, und genau das machte das Musizieren der Pianistin mit dem Orchester so beglückend. Als sie den letzten Satz mit dem spritzigen Kuckucksthema einsetzte, mit dem Beethoven (auf den Spuren Haydns) den ganzen Satz prägte, gaben sich Freude und jugendliche Beschwingtheit die Hand. Bei manchen Pianisten klingt dieses selten gespielte Werk sehr schwer, bei Nino Margvelashvili aber relativ leicht. Das aber ist die kunstvollere Art des Musizierens. Bernhard Koch begleitete Margvelashvili mit seinem Sinfonieorchester ausgesprochen aufmerksam und ging dabei flexibel auf das Musizieren der Solistin ein.

Dass das Sinfonieorchester Karlsfeld immer besser wird, zeigte sich bereits bei der schon vor Jahren vom Karlsfelder Sinfonieorchester gespielten Ouvertüre zur Oper "Die Italienerin in Algier" von Rossini, deren raffinierte Feinheiten jetzt vollkommen und, wie es schien, mühelos ausmusiziert wurden, und noch mehr bei der Wiedergabe der Sinfonie "Aus der Neuen Welt" von Antonin Dvorak. Noch vor wenigen Jahren wäre man einer Aufführung dieser großen, musikalisch und vor allem spieltechnisch anspruchsvollen Sinfonie mit Skepsis begegnet. Jetzt aber stellte sich beim Zuhören von Anfang an Gelassenheit und Wohlbehagen ein, dann in zunehmendem Maße Bewunderung für die enorme Leistung, die das Laienorchester bei der Bewältigung dieser großen Sinfonie erbrachte. Allein die Konzentration, die diese Sinfonie bei mehr als 40 Minuten Aufführungsdauer von den Orchestermusikern verlangt, ist kolossal.

Bernhard Koch erfüllte alle Anforderungen an dynamischer Differenzierung und großen Steigerungen, an die Farbigkeit des Orchesterklangs und die Prägnanz in der Ausführung der Themen und ihrer Verarbeitung. Vor allem gelang es Koch, die Stimmung der einzelnen Sätze eindrucksvoll zu vermitteln. Besonders hervorgehoben sei die Ruhe, in die er den zweiten Satz (Lento) mit dem wunderbaren Englisch-Horn-Solo tauchte, und das Feuer des vierten Satzes "Allegro con fuoco". Ob das wohl reicht, die Karlsfelder schon zu Hause vom Stuhl zu reißen und in ihr Bürgerhaus zu bringen?

© SZ vom 25.03.2015
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