Karlsfeld:Kinderärztin vergrößert Praxis

Andrea Nestler kann den Patienten jetzt mehr bieten als bisher

Von Julia Putzger, Karlsfeld

Das Provisorium in der Karlsfelder Kinderarztpraxis hat ein Ende: Nach zehn Monaten in vorläufig eingerichteten Räumlichkeiten im Ärztehaus Vital Center zieht Andrea Nestler ins neue dritte Obergeschoss. In den vergangenen Monaten ist dort eigens für die Kinder- und Jugendärztin eine geräumige Praxis mit fünf Behandlungsräumen entstanden. "Wir können so zügiger und effizienter arbeiten", freut sich Nestler über die vier zusätzlichen Zimmer für ihre Patienten. Sie schätzt, dass sich die Kapazitäten ihrer Karlsfelder Praxis damit verdoppeln oder gar verdreifachen. Doch die neuen Räumlichkeiten bieten nicht nur mehr Platz, sondern sogar einen getrennten Infektionsraum mit eigenem Eingang, damit zum Beispiel Vorsorgepatienten bei ihrem Besuch kein Ansteckungsrisiko eingehen müssen. "Geprägt durch Corona haben wir über solche Dinge natürlich umso mehr nachgedacht", erklärt die Fachärztin. Außerdem gibt es in ihrer Praxis nun einmal wöchentlich eine Sprechstunde mit Kinderkardiologin Beatrice Heineking.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hatte zu Beginn des vergangenen Jahres den Berechnungsschlüssel verändert, anhand dessen beurteilt wird, ob es in einer Region ausreichend Ärzte einer Fachrichtung gibt. Da ein Kinderarzt seitdem rechnerisch nur noch für 2900 Patienten - statt zuvor 3900 - zuständig ist, sank der Versorgungsgrad im zuvor als "überversorgt" geltenden Landkreis auf nur noch knapp 80 Prozent. Zu den bestehenden sechs Praxen in der Stadt Dachau und den zwei in Karlsfeld konnten so drei neue Arztsitze hinzukommen. Die Entscheidung der KVB fiel dabei auf Cordula Ambros-Plabst, die ihre Praxis vor einem Jahr in den ehemaligen Sitzungsräumen des Odelzhausener Gemeinderats eröffnete, sowie Andrea Nestler, die sich mit zwei Praxen in Markt Indersdorf und Karlsfeld niederließ. Zwar bezeichnete Annette Eichhorn-Wiegand, geschäftsführende Vorständin der Dachauer Gesundheitsregion Plus, es als "Wermutstropfen", dass statt einer Gemeinde im Hinterland Karlsfeld einen weiteren Kinderarztsitz bekam. Doch Andrea Nestler sagt: "Karlsfeld wächst sehr stark und der Bedarf ist riesig." Seit der Eröffnung vor rund einem Jahr wachse der Patientenstamm stetig, neue Patienten werden aber nach wie vor herzlich aufgenommen.

Gänzlich vom Tisch scheint mittlerweile der kinderärztliche Notdienst im Landkreis zu sein. Dieser war vor knapp zwei Jahren in Dachau eingestellt worden, da die wenigen Ärzte unter der hohen Arbeitsbelastung litten. Stattdessen fand eine Zusammenlegung mit dem Angebot des Kinderklinikums Dritter Orden in München-Nymphenburg statt. Sollte es jedoch wieder mehr Kinderärzte geben, hieß es damals, könne man das lokale Angebot wiederbeleben. Auf Nachfrage antwortet Nestler nun jedoch: "Im Moment ist es für uns organisatorisch viel einfacher, die Räumlichkeiten in München zu nutzen, als ein Angebot in der eigenen Praxis zu machen." Von ihren Fachkollegen im Landkreis habe sie in letzter Zeit zur Reaktivierung des Notdienstes vor Ort nichts gehört: "Das war kein Thema."

© SZ vom 15.09.2021
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