Karlsfeld Karlsfeld fürchtet Verkehrsinfarkt

Für den neuralgischen Punkt, die Münchner Straße, gibt es keinen Bypass. Der Gemeinderat erwartet sogar neue Belastungen durch die Dachauer Nordost-Umfahrung und ruft nach einem Ausbau des ÖPNV.

Von Gregor Schiegl

In der Gemeinde Karlsfeld wächst der Widerstand gegen die geplante Dachauer Nordost-Umfahrung - und zwar fraktionsübergreifend. "Jeder Ausbau der Straßen ist für Karlsfeld schädlich", warnte der Sprecher der SPD-Fraktion, Reinhard Pobel, am Donnerstag in der Sitzung des Gemeinderats. Ein Verkehrskollaps sei "nur durch einen attraktiven ÖPNV" zu verhindern. Umweltreferentin Mechthild Hofner, Sprecherin der Bündnis-Fraktion, nannte einen Ausbau der Straßen "Geldverschwendung der Bürger", weil mehr Straßen nur noch mehr Autoverkehr anzögen.

Kritische Stimmen kamen auch aus der CSU: "Die Nordost-Umfahrung darf Karlsfeld keine neuen Belastungen bringen", forderte Verkehrsreferent Bernd Wanka. Er brachte stattdessen eine Westumfahrung ins Gespräch. Zuvor hatte Georg Renoth, Verfasser der Vorstudie zur Verkehrsentwicklung im Landkreis erklärt, die Nordost-Umfahrung sei "ohne Alternative". Auch wenn sie für Karlsfeld "nicht ideal" sei, könne sie die Gemeinde entlasten - wenn auch nur teilweise. Denn um die Umfahrung an den Autobahnring A 99 anzubinden, soll sie am Ende wieder auf die Bajuwarenstraße geführt werden. Die Bajuwarenstraße ist aber heute schon die nach der Münchner Straße am stärksten belastetete Durchgangsstraße in Karlsfeld.

CSU-Gemeinderat Georg Froschmayer identifizierte den Abschnitt der Münchner Straße nach der Einmündung der Bajuwarenstraße am Möbelhof als "den Korken im Flaschenhals". Das heißt: Für den neuralgischsten Punkt, der einen Bypass am dringendsten bräuchte, gibt es keinen. Verkehrsreferent Wanka stellte einen umfangreichen Forderungskatalog vor. Darin sind neben der Wiedereinführung von Werkbussen der Großbetriebe MAN und MTU auch Maßnahmen enthalten, die eher visionär anmuten wie eine "großräumige Umfahrung Karlsfelds" oder eine Verlängerung der U-Bahnlinie U2 oberirdisch nach Karlsfeld. Wanka: "Es darf keine Tabus und Denkverbote mehr geben." Verkehrsexperte Georg Renoth selbst sieht die Lösung eher in vielen Einzelmaßnahmen, zu denen der Ausbau der Park&Ride-Plätze gehört. Die Querverbindungen im Dachauer Hinterland zu den Autobahnen A8 und A9 müssten gestärkt werden. "Unabdingbar" sei auch, dass die Linie A, die zur S-Bahn S 22 ausgebaut wird, einen Haltepunkt in Karlsfeld erhält. Wolfgang Offenbeck (CSU) forderte einen Zehn-Minuten-Takt der S 2. "Der Ausbau des ÖPNV ist die wichtigste Maßnahme - auch wenn er allein uns nicht retten wird."

Mit dem vorläufigen Scheitern der zweiten Stammstrecke haben solche Pläne einen herben Rückschlag erlitten, den die Karlsfelder nicht hinnehmen wollen. "Die zweite Stammstrecke kann nicht beerdigt werden ohne eine leistungsfähige Alternative", sagt Wanka. Und appelliert, Karlsfeld möge sich dem Dringlichkeitsantrag des Kreistags zur Stammstrecke doch anschließen. Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU): "Wir werden alles unterstützen, was weniger Verkehr nach Karlsfeld zieht." Die neu entflammte Verkehrsdiskussion will die Gemeinde ausdrücklich nicht nur lokal führen, sondern auch den Landkreis und die Landeshauptstadt München einbeziehen.