Jugendkriminalität:Dachauer Polizeichef: Karlsfeld ist sicher

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Polizeichef Rauscher

Der Dachauer Polizeichef Thomas Rauscher.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Thomas Rauscher relativiert die Aussagen seines Jugendbeamten über eine mutmaßlich kriminelle Jugendbande in Karlsfeld.

Der Dachauer Polizeichef Thomas Rauscher hat die Äußerungen eines Polizisten über die Sicherheitslage in Karlsfeld relativiert. Der Jugendbeamte der Dachauer Polizeiinspektion hatte in einem Artikel der Dachauer Nachrichten dramatisch geschildert, wie eine kriminelle Jugendbande die Gemeinde Karlsfeld mit Gewalttaten terrorisieren würde. Die Zustände in der Gemeinde würden ihn an "Klein-Chicago" erinnern. Der Artikel hatte für viel Aufsehen gesorgt. Am Dienstagabend verschickte die Dachauer Polizei eine Pressemitteilung mit einem langen Statement von Polizeidirektor Thomas Rauscher. Darin widerspricht er seinem Kollegen: "Aktuell stellt sich der Sicherheitszustand in der Gemeinde Karlsfeld als sehr zufriedenstellend dar", so Rauscher. Er schätze die Arbeit des "hochengagierten Jugendbeamten" sehr. Auch ihm sei zu verdanken, dass sich die Situation wieder entspannt habe. "Als Polizeichef betrachte ich dennoch den aktuellen Sicherheitszustand in Karlsfeld unproblematischer als mein Jugendbeamter."

Rauscher verhehlt nicht, dass bis vor einigen Wochen in Karlsfeld eine "sehr auffällige Jugendgruppe" aktiv gewesen sei. Diese hätte der Dachauer Polizei und auch ihm persönlich Sorgen bereitet. Einige Jugendliche hätten verschiedene Delikte und Sicherheitsstörungen begangen. "Trauriger Höhepunkt" war laut Rauscher die schwere Verletzung eines 16-Jährigen aus Karlsfeld, der in Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck) mit einem Messer angegriffen wurde. Doch durch eine starke Präsenz uniformierter und ziviler Beamten in Karlsfeld konnte Polizei die Gruppenmitglieder identifizieren. "Die verstärke Polizeipräsenz dürfte dazu geführt haben, dass wir seit einigen Wochen keine relevanten Anzeigen beziehungsweise eigene Feststellungen mehr haben", betont Rauscher. "Unser polizeiliches Einsatzkonzept scheint aufzugehen."

"Zivilcourage ist ein wichtiger Pfeiler in unserer Gesellschaft"

Die zwei mutmaßlichen Anführer der Jugendbande sitzen inzwischen auf Anordnung des Amtsgerichts in Untersuchungshaft. Sie stehen im Verdacht, in Karlsfeld, aber auch außerhalb des Landkreises Dachau, Delikte begangen zu haben. "Die Haft war das Mittel der Stunde. Mildere Maßnahmen waren aus meiner Sicht bei den beiden jungen Männern nicht erfolgreich", so Rauscher. Die Streifenbesatzungen und auch Polizeibeamte in Zivil werden laut dem Dachauer Polizeichef weiterhin in Karlsfeld unterwegs sein. Auch Unterstützungskräfte aus Fürstenfeldbruck und von der Bayerischen Bereitschaftspolizei würden eingesetzt. Rauscher appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger: "Erstatten Sie Anzeige, wenn Sie Opfer einer Straftat werden! Stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung!"

Am vergangenen Wochenende fand in Karlsfeld ein Aktionstag für Zivilcourage statt, an dem sich die Gemeinde und die Polizei Dachau beteiligten. Das Motto: "Karlsfeld steht auf". Polizeichef Rauscher betont in dem Pressestatement: "Zivilcourage ist ein wichtiger Pfeiler in unserer Gesellschaft, damit wir gut miteinander leben können."

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