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Karlsfeld:Investor plant Boardinghaus

Das Vorhaben eines Immobilienunternehmens stößt bei Karlsfelder Gemeinderäten auf wenig Gegenliebe

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

An Boardinghäuser oder Hotels denken viele Investoren, die in Karlsfeld bauen wollen. Nicht dass der Ort ein besonders attraktives Ferienziel für Touristen wäre, aber die Nähe von MAN und MTU, wo viele Geschäftsreisende hinkommen, lässt doch manch einen an eine lukrative Einkommensquelle denken. Der Erlbau GmbH schwebt schon länger ein größeres Hotel am Karlsfelder Bahnhof vor. Die Baugenehmigung für solch ein Gebäude, das unten einen Supermarkt hätte - der von vielen im westlichen Teil der Gemeinde heiß ersehnt ist - gibt es bereits. Doch die Realisierung lässt seit langem auf sich warten.

Auch auf dem großen Ludl-Areal an der Münchner Straße ist ein großes Hotel geplant. Ein Investor aus Nürnberg forcierte bereits 2018 seine Idee, ein Boardinghaus an der Münchner Straße bei der Steinernen Brücke zu errichten. 82 Zimmer mit Kochgelegenheit und 85 Parkplätzen darf er auf der freien Fläche errichten. Das Projekt ist im Internet ausgeschrieben. Wer will, kann Apartments kaufen, doch passiert ist seither nichts. Jetzt hat der Bauausschuss erneut eine Anfrage auf Vorbescheid erhalten. Ein weiterer Investor spielt mit dem Gedanken, ein Boardinghaus an der Münchner Straße zu bauen: auf dem Rondell vor dem hufeisenförmigen Geschäftshaus an der Karl-Theodor-Straße - nur zwei Grundstücke weiter.

"Ob das sinnvoll ist, muss der Investor entscheiden", bemerkte Vizebürgermeister Stefan Handl (CSU). Das geplante Gebäude soll rund werden. Das Erdgeschoss ist im Durchmesser kleiner als die zwei Stockwerke darüber, für oben hat der Architekt ein Flachdach vorgesehen. Insgesamt soll das Gebäude 11,50 Meter hoch werden. Bauamtsleiter Günter Endres wies darauf hin, dass es im Falle eines Boardinghauses mit dem Stellplatznachweis eng werden könnte, da in der nahen Tiefgarage vermutlich nicht genügend Platz sei. "Ein Teil der Stellplätze müssten dann eben im Erdgeschoss eingerichtet werden", bemerkt er. "Das Maß der Bebauung ist aber zulässig."

"Ich habe gar nicht gewusst, dass dort noch Baurecht ist", wunderte sich Adrian Heim (Bündnis) über die Anfrage. "Das wird eine große Überraschung - viele Karlsfelder werden groß aus den Augen schauen. Noch sieht es großzügig aus an der Stelle, in Zukunft dann nicht mehr. Das riecht nach unsinniger Nachverdichtung." Baurechtlich könne man wohl nicht viel dagegen machen, bemerkte Bernd Wanka (CSU). Als Anwohner und Verkehrsreferent wandte er jedoch ein: "Mit einem Boardinghaus bekommen wir verkehrsrechtlich ein dickes Problem." Wenn man sich überlege, wer als Langzeitmieter für ein bis drei Monate wohl in Frage komme, fielen ihm zuerst Handwerksbetriebe ein. Diese kämen mit Lieferwagen und womöglich noch einem Anhänger. "Das passt nicht ins Parkhaus und auch nicht auf einen Stellplatz." Die Leute würden also im Wohngebiet dahinter nach einem Platz für ihre Fahrzeuge suchen. Das belaste das Wohngebiet. "Und zusammen mit dem anderen noch größeren Boardinghaus gibt das ein gravierendes Verkehrsproblem", sagte Wanka. Heim und Handl stimmten ihm zu. "Dem müssen wir dann mit verkehrsrechtlichen Maßnahmen begegnen", bemerkte Handl. Endres gab zu bedenken, dass es noch keineswegs sicher sei, dass dort ein Boardinghaus hinkommt. Der Investor habe noch eine andere Option abgefragt, nämlich ein Bürohaus. Sollte es jedoch ein Boardinghaus werden, so stellt sich der Bauherr etwa 15 Zimmer vor.

Mit dem Bau des Boardinghauses an der Münchner Straße 227 soll laut Stefan Reihl vom Investor Project-Immobilien Mitte nächsten Jahres begonnen werden. Seit kurzem verkauft die Firma ihre 82 Apartments. Die Käufer dürfen jedoch nicht darin wohnen, sie dürfen sie lediglich auf Zeit vermieten. In Frankfurt und Berlin entstehen ebenfalls solche Objekte. Nach Vorstellung des Investors soll das Boardinghaus mit dem Namen "Studio Living M.1" Mitte 2023 fertig werden.

© SZ vom 19.09.2020

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