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Karlsfeld:Zündelei in Flüchtlingsunterkunft

Mit dem Feuerzeug versucht ein Unbekannter, die Traglufthalle anzuzünden. Der Landrat vermutet unzufriedene Bewohner als Verursacher.

Ein oder mehrere Unbekannte haben am Freitag versucht, die Traglufthalle in Karlsfeld von innen anzuzünden. Landrat Stefan Löwl (CSU) geht davon aus, dass einer der Bewohner aus "Unzufriedenheit über die Gesamtsituation" ein Feuerzeug gegen die Hülle gehalten hat, um eine Umquartierung in eine bessere Unterkunft zu erzwingen. In der Halle sind knapp 300 Flüchtlinge untergebracht. Verletzt wurde niemand, auch die schwer entflammbare Hülle wurde nur leicht beschädigt und konnte noch am Freitag repariert werden. In der fensterlosen Traglufthalle müssen sich sechs Bewohner ein winziges Zimmer mit Spind teilen.

Der Landrat, der am Freitagvormittag gemeinsam mit Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe (beide CSU) direkt von der Kreisausschusssitzung zur Asylbewerberunterkunft im Gewerbegebiet gefahren war, verurteilte in einem Gespräch mit der SZ die Zündelei scharf. "Hier geht es um Menschenleben", sagte er. "Wenn wir erfahren, wer das war, geht das sofort zur Staatsanwaltschaft." In diesem Fall gehe es um "schwere Brandstiftung".

Beengt auf dichtem Raum

Nach einem längeren Gespräch mit den Flüchtlingen äußerte Löwl auch Verständnis für die zum Teil angespannte Stimmung in der Halle. Die jungen Männer, die hauptsächlich aus Nigeria und dem Senegal stammen, leben auf beengtem Raum zusammen. Zuvor hatten sie bereits wochenlang in den Notunterkünften der Berufsschulturnhalle Dachau oder der Tennishalle Indersdorf ausharren müssen. Viele hätten sich erhofft, nun besser untergebracht zu werden, glaubt Löwl. Dass dies nicht möglich sei, habe "viel zur Frustration beigetragen".

Auch zwischen Bewohnern brachen Streitigkeiten aus, die Einsatzkräfte der Polizei aber schnell schlichten konnten. Große Unzufriedenheit herrscht bei vielen Bewohnern der Unterkunft offenbar auch über die Qualität des Essens. Einige Flüchtlinge verweigern angeblich das angebotene Mittagesessen. Aus dem gleichen Grund hatte es schon vor einem halben Jahr Tumulte in der Tennishalle Indersdorf gegeben. Dort liefert derselbe Caterer das Essen wie in Karlsfeld. Der Landrat hat den Flüchtlingen nun vorgeschlagen, einen Sprecherrat zu wählen, der ihre Wünsche sammeln und gebündelt artikulieren soll. Dazu bot er einen weiteren Gesprächstermin am Montag an. Allerdings werde dann klar zu unterscheiden sein zwischen "berechtigten und umsetzbaren Forderungen", "berechtigten und nicht umsetzbaren Forderungen" sowie "unberechtigten Forderungen". Diese Form der Interessenvertretung kann sich Löwl auch für die andern Asylbewerberunterkünfte vorstellen.

Die Verhältnisse in der Traglufthalle sind auch eine Nagelprobe für weitere Unterkünfte im Landkreis. In Dachau und auf dem Gada-Gelände Bergkirchen sollen in diesem Jahr ebenfalls Traglufthallen errichtet werden - mit ähnlichen Problemstellungen. Von kommender Woche an wird sich aber auch der ehrenamtliche Helferkreis Karlsfeld an Ort und Stelle um die neu eingezogenen Flüchtlinge kümmern. Das könnte die Situation entspannen.

© SZ vom 21.11.2015/gsl
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