Karlsfeld Im Namen des Rock

Die Karlsfelder Band "Godwave" präsentiert ihr fulminantes Debütalbum - und lässt sich in keine Schublade einordnen. Als singender Frisör will sich Sänger Luka Juros jedenfalls nicht bezeichnen lassen.

Von Gregor Schiegl

Alle gehen zu Luka. Der Sänger der Karlsfelder Rocker-Truppe Godwave ist zugleich der Band-Friseur. In der Mitte seines Münchner Salons "Pirate Haircut" steht ein riesiger weißer Korbstuhl. Mit dem goldenem Kunstleder in Krokodilhaut-Look sieht er eher aus wie ein Thron in Weiß und Gold.

Die Karlsfelder Band Godwave mit Sänger Luka Juros präsentiert ihr Debütalbum.

(Foto: Toni Heigl)

Das sind auch die Farben des Covers der CD, die sie frisch herausgebracht haben. Zwei goldene geflügelte Wölfe stehen auf einem goldenen Wappen, das ein gruselig aussehender Rehschädel ziert.

Das Erstlingswerk von Godwave ist so wenig alltäglich wie die Piratenhöhle mit ihren monumental-kitschigen Spiegeln und dem Tischkicker für die Pause zwischen Legen und Fönen. Wer diese Formation, eine der vielleicht interessantesten Rockbands des Landkreises, live hören will, hat an diesem Freitag, 5. November, im Jugendhaus Karlsfeld Gelegenheit dazu. Vorab, von 20 Uhr an, spielen To Stevens und Gr8balls.

Luka Juros, der selbst ein bisschen aussieht wie ein Pirat, wenn auch ein freundlicher, warnt schon mal vorsorglich, dass er es nicht mag, wenn er wieder die dämliche Formulierung "singender Friseur" lesen muss.

Mit Klischees kommt man bei Godwave ohnehin nicht weiter -ohne sie aber auch nicht ganz. Man muss sich schon ein paar alter Hüte bedienen; nur so vermag man das große Terrain abzustecken, durch das sie rocken. Vergleiche mit anderen Bands stören sie dabei nicht. "Nur zu", ermuntert Bassist Klaus Jedelsky, - "solange es gute sind."

So lauscht man Godwave - der Name ist einem Marvel-Comic entlehnt - und staunt: Die im Abstand einer Terz über die Tonleiter hinaufwieselnden Gitarren - ist das nicht wie in ein klassisches Deep Purple-Riff?

Die unaufgelösten düsteren Grunge-Dissonanzen wie Alice in Chains sie zelebrieren - immer wieder möchte man innehalten und sagen: Hoppla, das kenne ich doch. Ist das nicht von...? Nein, ist es nicht. Es ist von Godwave. Abgestaubt, kopiert oder zitiert wird nicht, und doch wimmelt es von funkelnden Reminiszenzen an die Rock-Heroen von Jimi Hendrix bis zu den Nine Inch Nails. Das könnte alles museal oder doch etwas verkopft wirken, wäre der Sound nicht so modern, dynamisch und energetisch.

Als Stoner Rock labelt sich die Band selbst. Es ist eine harte Musikrichtung, die auch mal mit dem Spielbein die Grenzen zum Metal übertritt, das Standbein steht jedoch immer fest auf dem weiten Feld des Rock - in all seinen Spielarten, Facetten und technischen Finessen - bis hin zur röhrenden Talk Box, die dereinst Peter Frampton berühmt machte.

Die Scheibe startet mit "Rollin'", einer treibenden, am klassischen Hard Rock orientierten Nummer (Warum nur denkt man sofort an Henry Rollins?). "Rats" ist ein psychedelischer Ohrwurm mit einem geradezu hymnischen Refrain ("I can feel my Temperature rising").

In "Time" ist eine musikalische Konstruktion zu hören, die sich alsbald als eine Art Gregorianischer Chor erweist. Godwave lebt die großen Gesten. Und die großen Emotionen. In ihren Texten geht es oft um Tod und Vergänglichkeit. Das schließt Ironie nicht aus: In "Synthetic Rock'n' Roll Star" heißt es: "You are too old to die young". Das gilt auch für Godwave. Es ist eine, im besten Sinne, reife Band.

"Die Musik, die wir machen", sagt Sänger Luka, "ist eigentlich was für große Hallen." Der Sound ist mächtig, und die musikalischen Texturen, die die Gitarristen Roland Söns und Andy Eberle, flankiert von Bassist Klaus Jedelsky, auffahren, akzentuiert von einer dank technischer Finesse schlagkräftigen Vrön Hauger am Schlagzeug, reichlich komplex.

Dass einem vor lauter musikalischer Vielschichtigkeit nicht wie bei einer Zwiebel irgendwann die Augen tränen, hat nicht zuletzt mit den Melodien zu tun, die das komplexe Konstrukt eingängig machen und die ein stimmlich äußerst vielseitiger und ausdrucksreicher Luka Juros singt. 13 Tracks bietet das Album, Titel "Godwave". Ab sofort ist es im Handel erhältlich.