Wo haben die Kinder denn früher ihr Tablet geladen? Und warum funktioniert dieses Telefon mit der komischen runden Scheibe nicht, wenn man auf den weißen Knopf drückt? Warum hat die Kaffeekanne einen Mantel an? Solche und ähnliche Fragen muss Ilse Oberbauer immer wieder beantworten, wenn sie Kinder durch das Karlsfelder Heimatmuseum führt. Da war es naheliegend, aus dem riesigen Fundus eine Ausstellung zusammenzustellen, die veranschaulicht, welche Apparaturen und Gerätschaften früher das Nonplusultra der Technik waren. Entstanden ist „Als gestern noch heute war“, eine hochinteressante und spannende Schau mit rund 200 Exponaten. Sie weckt bei den Älteren Erinnerungen an schweres Küchengerät oder damals heiß begehrte und unbezahlbare Tonbandgeräte oder Fotoapparate und lässt die Jüngeren nicht Bauklötze, aber Grammophone, Walkmans und Co. staunen.
Kuratorin Oberbauer betont bei einem Rundgang: „Alle Ausstellungstücke stammen von Karlsfeldern. Barbara und Cyriakus Wimmer, ehrenamtlich Mitarbeitende, erzählen von den aufwendigen Vorbereitungen: Für jedes einzelne Stück haben sie sich auf die Suche nach der Spenderin oder dem Spender gemacht – sie gefunden und namentlich aufgeführt. Und sie haben in mühsamer Detailarbeit die Firmengeschichte der allermeisten Teile recherchiert. „Das ging nur übers Internet“, sagt Cyriakus Wimmer, der sich sichtlich über die Ergebnisse dieser virtuellen Forschungsreise in Sachen Industriegeschichte freut.
Nun sind in den sechs auf großen Regalen sorgsam aufgebauten Abteilungen von der Kuchengabel bis zum PC-Vorläufer alle Objekte sorgsam beschriftet und mit vielen Erklärungen versehen. Da sticht beispielsweise in der Abteilung Foto und Film eine Plattenkamera hervor. Sie ist der Vorläufer von Rollfilm- und Digitalkameras, die mittlerweile bekanntlich vom Smartphone verdrängt werden. Ein Blick auf die Unterhaltungsmedien lässt die Augen groß werden. Da steht ein Symphonium aus dem Jahr 1889, einst ein Wunderwerk der Mechanik.
Ein Tonbandgerät aus dem Jahr 1972 weckt Erinnerungen an alte Zeiten
Ein Grammophon aus den 1920er-Jahren ist der ganze Stolz von Cyriakus Wimmer. Es stammt von seinen Großeltern, war aber nicht mehr funktionstüchtig. Einer der vielen Ehrenamtlichen, die das Karlsfelder Heimatmuseum betreuen, hat eine neue Kurbel gebaut, im Internet gab es die passenden Grammophonnadeln inklusive detaillierter Verwendungshinweise. Ein paar Schellackplatten sind auch noch vorhanden – und schon verwandelt sich der Ausstellungsraum in einen Tanzsaal. Ein Tonbandgerät aus dem Jahr 1972 weckt Erinnerungen an Zeiten, in denen man die kiloschweren Dinger mühsam von Party zu Party schleppte. Welche buchstäbliche Erleichterung waren später die Kassettenspieler – und welcher unglaubliche Fortschritt Walkman und MP3-Player.




Der Blick zurück ist angesichts mancher Küchengerätschaften in der Abteilung Haushalt weniger nostalgisch als vielmehr von schmerzhaften Erinnerungen geprägt. Wenn die seinerzeit noch rollenfixierte Hausfrau das kilo-schwere Waffeleisen auf den und vom Kohleherd wuchten musste oder gefühlt stundenlang mit dem Handrührer Sahne und Soßen aufgeschlagen hatte, waren Rückenschmerzen vorprogrammiert und das Training im Fitnessstudio obsolet – sofern es jenseits der Großstädte überhaupt schon eine solche Einrichtung gab.
Ilse Oberbauer lacht herzhaft, als sie erzählt, dass bei Kinderführungen immer wieder die Frage aufkommt, warum die Porzellan-Kaffeekanne einen Mantel anhat. Der Mantel ist die noch vor einigen Jahrzehnten so beliebte gehäkelte, gestrickte und fantasievoll verzierte Wärmehaube. Sie spart immerhin Strom, heute kein unwichtiges Argument, um sie möglicherweise mal wieder aus der Schublade zu holen.
Kaum vorstellbar, dass der erste Computer einst Wohnzimmergröße hatte
Auch Büromenschen hatten ihr Päckchen, sprich ihre mechanische, elektrische und irgendwann halbautomatische Schreibmaschine zu tragen, wie sich bei den Ausstellungstücken zu „Büro und Kommunikation“ leicht nachvollziehen lässt. Kaum mehr vorstellbar, dass die ersten Computer teilweise Wohnzimmergröße hatten und ihre Bedienung in manchen Behörden wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde. Einiges Geschick verlangte auch der Umgang mit dem Wählscheibentelefon. Staunend steht man vor einer mechanischen Rechenmaschine, die von Ende der 1940er-Jahre bis in die 1970er-Jahre produziert wurde.
Die frühere Lehrerin Ilse Oberbauer ist ganz in ihrem Element, als sie erzählt, dass Kinder heute mit dem Begriff „Griffel“ nichts mehr anfangen können, weil es bekanntlich keine Schreibtafeln mehr gibt. Sie hat sie deshalb in „Tafelstift“ umgetauft und erklärt alle Utensilien, die auf einer echt alten Schulbank zu bestaunen sind. Nach Begutachtung eines brutal aussehenden Brenneisens für die Lockenfrisur, einer Ufo-mäßigen Trockenhaube und einem selbstgebauten Föhn kann man noch einen Rundgang durch die Dauerausstellung machen, was zu neuen Erkenntnissen über die nicht für jeden gute alte Zeit führt. Das Heimatmuseum ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet – und selbstverständlich auch am Internationalen Museumstag.

