Seit Oktober 2022 ist das Hallenbad in Karlsfeld geschlossen, in diesem Jahr soll es abgerissen werden. Der Karlsfelder Gemeinderat einigte sich im vergangenen Herbst darauf, dem Hallenbad die Betriebsgenehmigung zu entziehen. Doch jetzt hat sich eine Gruppe von Karlsfeldern rund um Julian Bassner zusammengefunden, um die Schwimmstätte doch zu erhalten.
„Für mich war der Gedanke schlichtweg unverständlich, dass ein baulich gut erhaltenes Gebäude abgerissen werden soll, nur weil es bisher nicht gelungen ist, den Betrieb kostendeckend zu organisieren“, sagt Julian Bassner. Der 36-jährige Karlsfelder ist Software-Entwickler und hat sich gemeinsam mit Heidi Vogl aus Allach zusammengetan für die Initiative. Er verschickte einen Aufruf für den „Erhalt des Hallenbades Karlsfeld“ an über 200 Adressen, darunter Schulen, Kindergärten, Arztpraxen, Geschäfte, Restaurants. In einer Whatsapp-Gruppe zum Bürgerbegehren tauschen sich derzeit 80 Mitglieder aus. „Dass hier wertvolle Substanz vernichtet werden soll, erscheint mir unlogisch“, sagt Bassner. Aktuell hat seine Initiative rund 300 Unterschriften gesammelt. Als Ziel visiert Bassner 1500 Unterschriften bis zur Kommunalwahl an, um sie dann dem neuen Bürgermeister zu übergeben.
Der scheidende Karlsfelder Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) begrüßt das bürgerschaftliche Engagement zwar prinzipiell, aber er fragt sich, wie die Gruppe die Sanierungskosten von inzwischen rund 13,5 Millionen Euro stemmen und den jährlichen Betrieb finanzieren will. Denn eines ist klar: Karlsfeld hat kein Geld mehr für das Schwimmbad. Die Gemeinde steht laut Kolbe vor einem Defizit von sieben Millionen Euro. Inzwischen sei dem Bad die Betriebsgenehmigung entzogen worden, die Wasserpumpen stünden seit Jahren still und die Abrisskosten von 1,5 Millionen Euro seien bereits fest im Haushalt eingeplant.
Bassner hofft dennoch aufdie Unterstützung der Gemeinde, um zunächst alle nötigen Informationen zu sammeln. Der Abriss sei zwar beschlossen, aber faktisch noch nicht terminiert, sagt der 36-Jährige. Dieses Zeitfenster wolle er nutzen. Er plant nun die Gründung eines eingetragenen Vereins. Dieser solle dann später als Träger fungieren und das Bad gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern betreiben. Bei einer Einwohnerzahl von rund 21 000 Menschen halten Bassner und seine Mitstreiter es „für absolut realistisch, genügend Unterstützung zu finden“. Aus seiner Sicht „würde es bereits ausreichen, wenn sich einige Dutzend Engagierte finden, die bereit sind, die wichtigsten Arbeiten ehrenamtlich zu übernehmen“. Der wichtigste Schritt sei die Instandsetzung, um einen „Minimalbetrieb“ zu ermöglichen.
„Wer übernimmt die Verantwortung?“, fragt der Bürgermeister
Das sieht der Bürgermeister anders, ihn drücken vor allem die laufenden Kosten. Er habe mit Bassner und Vogl ein „sehr vernünftiges Gespräch geführt“, sagt Kolbe. Seine Aufgabe sei es jedoch, den beschlossenen Abriss in die Wege zu leiten, eine Ausschreibung vorzubereiten und finanziellen Schaden von der Gemeinde abzuwenden. „Es ist leicht gesagt, dass Freiwillige eine Wand weißeln oder als Schwimmaufsicht aushelfen“, sagt Kolbe und fragt: „Aber wo sind die Freiwilligen, die die Verantwortung übernehmen?“ Die Hallenbad-Initiative müsse ein Konzept vorlegen, wie das funktionieren solle, fordert Kolbe. Schließlich habe sich die Gemeinde drei Jahre lang mit dem Thema „herumgeplagt“ und letztlich keine Finanzierungsmöglichkeit für den Weiterbetrieb und die Sanierung des Bades gefunden.
Noch 2023 hatte der Rathauschef den Sanierungsbedarf mit rund 10 Millionen Euro beziffert, vor allem der Zustand des Daches und Statikmängel führten zur Schließung des Schwimmbades. Daraufhin hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi in Berlin rund fünf Millionen Euro Förderzusage für eine Hallenbadsanierung organisiert. Weitere Fördermaßnahmen waren nicht möglich. Kurz vor Ende seiner letzten Amtszeit als Bürgermeister winkt Kolbe jedoch ab: „Für ein Schwimmbad braucht man Bargeld.“ Die Kommune hätte Kredite aufnehmen müssen, um den restlichen Teil der Sanierung zu finanzieren, deren Tilgung die Stadtkasse zusätzlich belastet hätte.

Doch Bassner will sich nicht damit zufriedengeben, dass 1,5 Millionen Euro für den Abriss eines Schwimmbades ausgegeben werden, das sich so viele Karlsfelder zurückwünschen. Aktuell sei seine größte Hürde die Informationslage: „Wir haben von der Gemeinde noch keine Unterlagen über die konkreten Mängel erhalten und auch noch keinen Zutritt zum Gebäude bekommen, weshalb die genauen Kosten unklar sind.“ Sobald die Initiative wisse, was genau gemacht werden müsse, wolle sie die Instandsetzung durch Eigenleistung, Spenden, Investoren und Fördermittel angehen.
Kolbe stellt in Aussicht, diese Informationen bald zu übermitteln. Der Bürgermeister sagt betroffen: „Es war schrecklich, dieses Bad schließen zu müssen. Ich habe selbst dort schwimmen gelernt, ich bin dort aufgewachsen, denn meine Großmutter war die erste Cafépächterin im Bad. In den letzten Jahren haben mich viele Kinder auf das geschlossene Bad angesprochen.“ Auch die bundesweit erfolgreichen Synchron-Schwimmerinnen von Eintracht Karlsfeld litten unter der Schließung: Sie hatten zuletzt nur noch auf dem Trocknen geübt und mussten in andere Schwimmbäder ausweichen.
Dabei ist die Idee eines Bürgerbads nicht neu. Die Betriebskosten einer Schwimmstätte durch den Einsatz Ehrenamtlicher möglichst gering zu halten – das gelingt immerhin schon anderswo im Landkreis Dachau: Das Vierkirchner Naturbad betreibt die Gemeinde in den Sommermonaten kostendeckend, weil so viele Bürger mit anpacken. Als die Schließung des Karlsfelder Hallenbades beschlossen wurde, kamen auch Stimmen auf, wenigstens ein Strandbad am beliebten Karlsfelder See zu installieren, um weiterhin Schwimmunterricht zu ermöglichen. Doch schon 2023 unterzeichneten 600 Menschen eine Petition für den Weiterbetrieb das Bades – bislang erfolglos.

