KommunalpolitikPolitischer Neuanfang in Karlsfeld

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Nach der Vereidigung im Amt hängt CSU-Gemeinderätin Birgit Piroué Karlsfelds neuem Rathauschef  Christian Bieberle die Bürgermeister-Amtskette um.
Nach der Vereidigung im Amt hängt CSU-Gemeinderätin Birgit Piroué Karlsfelds neuem Rathauschef  Christian Bieberle die Bürgermeister-Amtskette um. Jana Islinger
  • Christian Bieberle wird als neuer Bürgermeister von Karlsfeld vereidigt und löst Stefan Kolbe nach 16 Jahren Amtszeit ab.
  • Der neue Gemeinderat ist jünger und weiblicher geworden, 13 der 30 Sitze halten nun Frauen.
  • Stefan Handl wird einstimmig mit allen 28 Stimmen zum Zweiten Bürgermeister gewählt, was als Signal für konstruktives Miteinander gilt.
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Nach dem Lagerwahlkampf sucht der Gemeinderat zu einem konstruktiven Miteinander. Bei der konstituierenden Sitzung demonstrieren alle Seiten guten Willen – und sorgen für eine Sensation.

Von Gregor Schiegl, Karlsfeld

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Mit einer Handglocke läutet Christian Bieberle die neue Wahlperiode im Karlsfelder Rathaus ein. CSU-Gemeinderat Michael Gold, der immer für einen lockeren Spruch gut ist, frohlockt: „Es gibt Geschenke!“ Weihnachten ist noch lange nicht, aber etwas Festliches liegt durchaus über dieser ersten konstituierenden Sitzung des Karlsfelder Gemeinderats. Alle wissen: Hier wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Elf der 30 Gemeinderatsmitglieder sind zum ersten Mal dabei. Jünger ist das Gremium geworden und weiblicher. 13 der 30 Sitze halten nun Frauen, acht von ihnen in der CSU-Fraktion.

Birgit Piroué, zuvor beim Bündnis für Karlsfeld, ist zur CSU gewechselt. Das Bündnis sei ihr „zu grün“ gewesen, sagt sie am Rande der Sitzung. Bei der CSU fühlt sie sich besser aufgehoben. An diesem Abend kommt ihre eine besondere Rolle zu: Christian Bieberle den Amtseid als neuem Bürgermeister der Gemeinde abzunehmen. Nach dem Ende der Amtszeit von Stefan Kolbe, der hier 16 Jahre lang das Sagen hatte – so lange wie Angela Merkel als Kanzlerin – ist das eine Zäsur.

Bieberle hat von Anfang an keinen Zweifel gelassen, dass er den politischen Kurs Kolbes fortführen will. Doch die Erwartungen sind groß, dass er – anders als sein Vorgänger – nicht nur seine mächtige CSU-Fraktion, sondern alle politischen Kräfte stärker einbindet. Seine Antrittsrede unterstreicht diesen Ansatz: „Wir werden verschiedene Meinungen haben, und das ist gut so“, sagt er. Seine Aufgabe sei es nun, „gemeinsam mit Ihnen Lösungen zu entwickeln, die unsere Gemeinde voranbringen“. Nicht parteipolitische Interessen sollten im Vordergrund stehen, sondern „das Wohl der Gemeinde“.

Die zentralen politischen Handlungsfelder sind bekannt, der 51-Jährige reißt sie trotzdem noch einmal an. Es sind ja auch viele Bürger gekommen, um zu sehen, wer die Gemeinde die kommenden sechs Jahre lang lenken will und wohin: Die Kinderbetreuung muss weiter ausgebaut werden, die prekären Finanzen der Gemeinde saniert werden und auch beim großen Thema Ortsentwicklung warten noch einige Baustellen.

Bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters entfallen alle Stimmen auf Stefan Handl

Danach steht die Wahl des Zweiten Bürgermeisters an. Die CSU schlägt Stefan Handl vor. Das ist keine Überraschung. Er macht den Job schon seit zwölf Jahren, man kennt ihn und schätzt ihn über die Parteigrenzen hinweg. Aber so eine geheime Wahl, wie sie hier vorgenommen werden muss, kann eine Versuchung sein, dem politischen Mitbewerber nachträglich noch eine mitzugeben. Der Wahlkampf war auf der Zielgeraden etwas ruppiger geworden, vor allem zwischen CSU und Grünen.

30 Mitglieder umfasst der neue Karlsfelder Gemeinderat, 13 davon sind Frauen. Die meisten sitzen auf Seite der CSU.
30 Mitglieder umfasst der neue Karlsfelder Gemeinderat, 13 davon sind Frauen. Die meisten sitzen auf Seite der CSU. Jana Islinger

Als verkündet wird, dass alle 28 abgegebenen Stimmen auf Handl entfallen sind, brandet Applaus auf. Es herrscht Freude und auch ein bisschen Erleichterung. Stefan Handl bedankt sich für die „große Ehre“. 100 Prozent Zustimmung, und keiner hat quergeschossen. „Ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist“, sagt Handl. Das Votum ist ein Signal: Der Wahlkampf ist vorbei, Karlsfelds Gemeinderat sucht das konstruktive Miteinander.

In der Sitzung werden auch zahlreiche Posten und Funktionen besetzt. Dazu gehört ein Dutzend Referentinnen und Referenten im Gemeinderat. Der Grüne Michael Fritsch, dem es gelungen war, Bieberle in die Stichwahl zu zwingen, bleibt für den Klimaschutz zuständig. Ex-Bürgermeisterkandidat Klaus Schwingeler vom Bündnis für Karlsfeld übernimmt das neu geschaffene Amt des Vereinsreferenten.

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