Edeltraut Klapproth (1909 bis 2005) war Karlsfelds berühmte Künstlerin. Ihre romantisierenden Darstellungen Karlsfelds und Allachs schmücken bis heute das Rathaus und das Heimatmuseum. 1998 erhielt sie die Bürgermedaille, 2008 wurde eine Straße nach ihr benannt. Doch nun geht die Gemeinde auf Distanz zur Malerin. Grund sind neue Erkenntnisse über ihre bislang verschwiegene Verstrickung im Nationalsozialismus. Der Gemeinderat hat daher beschlossen, ihr die Bürgermedaille posthum abzuerkennen und auch die nach ihr benannte Straße zum 1. Januar 2027 umzubenennen in „Am Prinzenpark“.
Ans Licht kam ihre Vergangenheit durch Recherchen im Vorfeld einer geplanten Ausstellung in der italienischen Partnerstadt Muro Lucano: Demnach trat die damals noch unverheiratete Edeltraud Gathmann am 1. Mai 1930 der NSDAP bei – drei Jahre, bevor die Nazis an die Macht kamen. „Es kann angenommen werden, dass eine Person, die bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Mitglied wurde, das möglicherweise nicht nur wegen des gesellschaftlichen Drucks der Zeit getan hat, sondern auch aus einer persönlichen politischen Überzeugung heraus“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Gemeinde.

Der Partei-Eintritt erfolgte auch schon ein Jahr vor ihrer Hochzeit mit Erich Klapproth, einem überzeugten Nationalsozialisten. In den 1920er-Jahren soll er als Mitglied der „Schwarzen Reichswehr“, einer paramilitärischen Geheimorganisation, an Fememorden beteiligt gewesen sein. Für diese Verbrechen wurde er zum Tod verurteilt. Nach seiner Begnadigung durch NSDAP-Reichstagsabgeordnete machte er Karriere in einer anderen Kampforganisation der Braunhemden: der SA.
1939 zog die Familie in die von der Wehrmacht besetzte polnische Stadt Sejny, in ein offenbar zuvor enteignetes Landgut. Bewirtschaftet wurde es vermutlich mit polnischen Zwangsarbeitern. Erich Klapproth wurde dort NSDAP-Kreisleiter, Edeltraut Klapproth trat 1944 der NS-Frauenorganisation bei. Erst Anfang 1945 floh die Familie vor der Roten Armee zurück nach Allach. Erich Klapproth, nun Volkssturmführer, wurde am 3. Mai 1945 vor seinem Haus erschossen.
Verschleierung statt Aufarbeitung
Nach dem Krieg verschleierte Edeltraut Klapproth ihre Vergangenheit. In ihren Büchern und öffentlichen Äußerungen präsentierte sie sich als „Soldatenwitwe“, die mit acht Kindern aus Ostpreußen geflohen sei – eine Erzählung, die so nicht den Tatsachen entspricht.
Auch wenn die Gemeinderäte Klapproths „künstlerische Lebensleistung“ auch im Licht der neuen Erkenntnisse nicht in Zweifel zieht: Den Ansprüchen, die man an die Trägerin hoher kommunaler Ehrungen stellen müsse, genüge sie nach dem heutigen Wissensstand nicht. „Eine glaubwürdige Erinnerungskultur, wie wir sie seit einigen Jahren in Karlsfeld aktiv betreiben“, habe ebenfalls keine andere Entscheidung zugelassen. Gleichzeitig betont die Gemeinde: „Edeltraut Klapproth und ihre Bilder werden Teil der Gemeindegeschichte bleiben!“
Jetzt sucht man in Karlsfeld einen Weg, wie künftig mit der bekanntesten Künstlerin des Orts und ihrem Werk umgegangen werden soll. Das Thema dürfte auch den Kunstkreis Karlsfeld beschäftigen. Edeltraut Klapproth war dort Gründungs- und Ehrenmitglied.

