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Karlsfeld:Fragliche Zukunft für Hallenbad

Gemeinderäte drängen auf Alternative für Sportvereine

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Die Sorge des TSV Eintracht Karlsfeld ist groß: Was, wenn das Hallenbad geschlossen wird? Wo können die Schwimmer dann trainieren? Und vor allem: Gelingt es, die Sportler im Verein zu halten, wenn man ihnen lange kein Angebot machen kann? Schon im vergangenen Jahr hatten sie geklagt, als sie coronabedingt auf dem Trockenen saßen. Präsident Rüdiger Meyer hat diese Fragen bereits im Januar umgetrieben. Auch das Bündnis für Karlsfeld machte sich Gedanken darüber und stellte einen Antrag. Sollte der Gemeinderat für eine Sanierung stimmen, ist das Bad von Mitte 2023 an etwa zwei Jahre lang geschlossen, so Sportreferentin und Vizepräsidentin Birgit Piroué (Bündnis).

Die Folge: Es gäbe kein Schulschwimmen mehr, keinen Triathlon, keine Trainings- oder Wettkämpfe. "Um den Schwimmbetrieb auch in dieser Schließzeit zu gewährleisten, wäre es sehr wichtig, beiden Grundschulen, dem Sportverein sowie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eine alternative Lösung anzubieten", fordert Piroué. Auch wenn man noch nicht wisse, ob das alte Bad wieder hergerichtet wird, so müsse man sich doch frühzeitig um Verträge bemühen, in Oberschleißheim oder Dachau anfragen, drängte sie in der jüngsten Hauptausschusssitzung.

"Das ist sinnvoll", bemerkte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). Doch könne er sich erst darum kümmern, wenn ein Zeitplan feststehe. Nach einer Schätzung von Experten soll die Sanierung des Hallenbads elf Millionen Euro kosten. Für die klamme Gemeinde ist dies eine sehr hohe Summe, die kaum zu stemmen ist. Einen Zuschuss vom Bund hat Karlsfeld bisher nicht bekommen. Man hofft, im Sommer vielleicht doch noch eine Unterstützung zu erhalten. Da das Förderprogramm für Sport, Jugend und Kultur laut Kämmerer Giesinger "vierfach überzeichnet war", soll noch einmal Geld dafür in die Hand genommen werden. Für die Gemeinde Karlsfeld ein neuer Hoffnungsschimmer.

Sonst sieht es wohl eher düster aus für das Hallenbad, zumal die Gemeinde ja noch nicht einmal den laufenden Haushalt mit den Einnahmen decken kann und die Sanierung nach Auskunft der Experten drängt. Trotzdem wollen die Kommunalpolitiker wenn irgendwie möglich an dem Bad festhalten. Im April werde der Gemeinderat noch einmal ausführlich darüber reden, kündigte Bürgermeister Stefan Kolbe an. Bis dahin werde die Verwaltung noch einmal alle Optionen genauestens prüfen. "Ob das erfolgreich ist, weiß ich nicht", sagte der Bürgermeister. Doch in einer Gemeinde mit zwei Badeseen, sei ein Hallenbad besonders wichtig.

Vielleicht könne die Stadt Dachau ja "das alte Bad für uns zur Verfügung stellen", wenn das neue eröffne, schlug Gemeinderätin Birgit Piroué als Option vor. Bürgermeister Stefan Kolbe hatte Zweifel, da "Dachau dieselben technischen Probleme hatte wie wir". Doch er versprach, mit Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) über dieses Thema zu sprechen - "zu gegebener Zeit".

© SZ vom 01.04.2021
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