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Auf der Karlsfelder Familienmesse:"Noch gibt es zu wenig Druck auf die Politik"

Lächeln für den Klimaschutz - auch wenn sich Stefan Löwl, Fée van Cronenburg und Michael Staniszewski (v. l.) nicht immer einig waren, kann eine nachhaltige Lösung nur gemeinsam gefunden werden.

(Foto: Toni Heigl)

Die 17-jährige Fée van Cronenburg und der 19-jährige Michael Staniszewski fragen Landrat Stefan Löwl, was er selbst zum Umweltschutz beiträgt.

Fée van Cronenburg ist sich sicher: Hinsichtlich des Klimaschutzes ist der Landkreis Dachau nicht der schlimmste in Deutschland, doch auch hier sollte das Thema im Fokus der Politik stehen. Auf der Familienmesse in Karlsfeld diskutierten die 17-jährige Schülerin und Student Michael Staniszewski mit Landrat Stefan Löwl (CSU) sehr engagiert über das wichtige Thema. Die beiden sind Vertreter der Klimabewegung "Fridays for Future" in Dachau. Im Rahmen der Debatte konfrontierten sie den Landrat mit seiner Klimapolitik.

Michael Staniszewski studiert Biologie. Seit Greta Thunbergs erstem Klimastreik verfolgte er die Demonstrationen. "Als es dann endlich Demos in Deutschland gab, habe ich mich sofort beteiligt", sagte der 19-Jährige. In der Schule bekomme man einiges über den Klimawandel mit, doch Folgen oder gar Lösungen würden nicht präsentiert, bemängelte er. "Klimaschutz muss auf zwei Ebenen stattfinden: der politischen und der persönlichen". Daraufhin wollte Lisa Artmaier, die im Landratsamt für den Klimaschutz zuständig ist und die öffentliche Diskussion moderierte, wissen, was die beiden Aktivisten gegen den Klimawandel machen.

"Klimaschutz in seiner Vita sehr markant"

Fée van Cronenburg erzählte, sie habe sich privat verändert, nachdem sie sich mit dem Klimawandel auseinandergesetzt habe. Jetzt esse sie kaum Fleisch und "nerve die Familie". Michael geht noch weiter, indem er fast jede Strecke mit dem Fahrrad zurücklegt und sich ausschließlich vegan ernährt. Er fügte hinzu: "Aber man muss sich engagieren, noch gibt es zu wenig Druck auf die Politik". Als ehemaliger Abteilungsleiter Umweltschutz im Landratsamt sagte Landrat Stefan Löwl, sei "Klimaschutz in seiner Vita sehr markant". Er will seinen Lebensstil jedoch nur in kleinem Umfang ändern. So esse er Fleisch, nur eben kein billiges mehr. Er denke darüber nach, bevor er Sachen wegschmeiße. Aber als Vater von drei Kindern sei es eben notwendig, öfters Auto zu fahren. Trotzdem ist er sich sicher: "Wir haben bei uns den Klimaschutz mit dabei".

Und wie steht es um den Klimaschutz in der Kreispolitik? Bezüglich der bis 2020 angestrebten Klimaziele des Landratsamts habe man sich in die richtige Richtung entwickelt, so Löwl. Bisher sei aber noch keines erreicht worden. "Ich bin durch die Wahl nicht allwissend geworden", gab der Landrat zu. Er befinde sich in einem Dilemma, da er den Bürgern ihre demokratischen Mitspracherechte gewähren wolle, aber eine Demokratie "keine Lösung von heute auf morgen bringen" könne. Fée van Cronenburg ist dagegen der Meinung, dass der Staat bei solchen drängenden Herausforderungen wie der Klimakrise radikaler vorgehen müsse. Schließlich gehe es darum, die Zukunft des Planeten und der Menschen zu sichern. Die zwei Aktivisten fordern, durch Bildung ein größeres Bewusstsein für die Klimakrise zu erreichen.

Interessiert und kritisch hörte das Publikum bei der Diskussion zu. Entgegen der Erwartungen waren jedoch kaum junge Leute gekommen.

(Foto: Toni Heigl)

"Wir sind nicht alle engagiert in unserem Alter", sagte die Schülerin. Löwls Einwand, es gebe genügend Angebote, sich zu informieren, entgegnete sie: "Die müssen auch an die Schüler ran". Sie reagierte enttäuscht, als der Landrat vorschlug, anstatt freitags zu streiken jeden Samstag zusätzlichen Unterricht in den Naturwissenschaften zu nehmen. So könne man die für den Klimaschutz notwendigen technischen Innovationen vorantreiben, meinte Löwl. Michael Staniszewski erklärte: "Sie wollen von uns Vorschläge haben, aber wir sind keine Experten. Wir verweisen nur auf die Wissenschaft."

"Ich habe Albträume"

Ob der Landrat das Pariser Klimaziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, auch erreichen wolle, fragten die beiden Jugendlichen. Löwl bejahte, aber es gestalte sich als sehr schwierig. Auch auf konkrete Bürgerfragen reagierte er ausweichend und erklärte lieber die Probleme, die sich beispielsweise beim Ausbau des Schnellradwegenetzes ergäben. Den Aktivisten reichte das nicht. "Sie haben doch schon erzählt, was der Landkreis alles macht. Trotzdem verfehlen wir unsere Klimaziele", monierten sie.

Auch bei einigen Zuhörern schien die Dringlichkeit des Klimawandels noch nicht angekommen zu sein: Einige Fragen aus dem Publikum bezogen sich darauf, dass es keinen anthropogenen Klimawandel gäbe. Dabei wolle "Fridays for Future" "niemandem seinen Lebensstil vorwerfen oder den Klimaschutz in den Kopf prügeln", erklärte Fée van Cronenburg. Dennoch macht ihr die Ignoranz gegenüber dem Klimawandel Angst. "Ich habe Albträume", so die Schülerin. Sie wolle aber den nachkommenden Generationen erzählen können, es wenigstens versucht zu haben. Deshalb engagiere sie sich so sehr.

Die Jugendlichen sollen dem Landrat nun konkrete Pläne für den Landkreis liefern. Er werde dann erläutern, ob die Vorschläge umsetzbar sind.

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