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Karlsfeld:Erfolg

Benefiz Konzert

Die Jungen Symphoniker aus München mit Bernhard Koch begeistern im Karlsfelder Bürgerhaus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Alexandra Dreiers Benefizkonzert

Nach dem Besuch im Bürgerhaus führte der erste Weg daheim ans Bücherregal, doch selbst im Musik-Brockhaus findet sich kein Eintrag über Bernhard Molique. Dabei war dessen "Konzert für Flöte und Orchester" (op. 69) vor allem dank des hinreißenden Solisten Mikhail Khvostikov der Höhepunkt eines wunderbaren Benefizkonzerts im Karlsfelder Bürgerhaus, das wesentlich mehr Zuhörer verdient gehabt hätte. Erst im Internet war zu finden, dass Molique 1802 in Nürnberg geboren und 1869 in Stuttgart gestorben ist. Musikalisch hätte man ihn früher vermutet, klang doch das Flötenkonzert, das die Zuhörer zu einem regelrechten Beifallssturm hinriss, nach Wiener Klassik.

Daneben verblasste selbst Mozarts "Linzer Sinfonie" in C-Dur (KV 325), die die Jungen Münchner Symphoniker unter Leitung des in Karlsfeld bestens bekannten Dirigenten Bernhard Koch nach der Pause schwungvoll darboten. Zum Auftakt hatte Koch mit seinen Musikern das Vorspiel zu Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" präsentiert, gefolgt von einem der seltenen Stücke für die Bratsche als Soloinstrument. Miriam Peter zeigte in Max Bruchs "Romanze für Viola und Orchester" (op.85), dass man auch auf der größeren Schwester der Geige glänzen kann.

Die Ausgrabung des nahezu unbekannten Komponisten Molique war nur eine Überraschung des Abends. Die andere, wohl noch größere, war die Tatsache, dass es einer jungen Frau quasi im Alleingang gelungen ist, ein solches Benefizkonzert auf die Beine zu stellen und die Musiker dafür zu gewinnen.

Alexandra Dreier, in Karlsfeld aufgewachsene Apothekertochter, die in London studiert, erläuterte anfangs kurz, wie sie auf die Idee gekommen ist, die Hilfsprojekte "Hope for Children" und vor allem "Jambo Bukoba" in Tansania zu unterstützen. Bildung und Chancengleichheit für Mädchen mit Hilfe von Sportprogrammen, eine Verbesserung der Schulstrukturen und Aufklärung über das Tabuthema Aids sind das Ziel der Hilfsorganisation Jambo Bukoba, wie deren Gründer Clemens Mulokozi dem Publikum im Bürgerhaus erläuterte. Beeindruckend war vor allem sein kurzer Videofilm, in dem ein 14-jähriges Mädchen erzählte, wie sehr ihr das Projekt auf ihrem Bildungsweg geholfen habe.

Karlsfelds zweiter Bürgermeister Stefan Handl (CSU) machte in einem kurzen Grußwort deutlich, dass Tansania allenfalls geografisch weit von uns entfernt sei. In einer Zeit großer Umbrüche in der Welt, komme auch die Not der Menschen immer näher, die vor Krieg, Verfolgung und Elend geflüchtet seien, sagte Handl. Sie bräuchten auch in Karlsfeld Hilfe und Unterstützung, mahnte er die Konzertbesucher. Er überreichte der Organisatorin einen Scheck der Gemeinde und erhielt quasi im Gegenzug einen Fußball aus Bukoba - gefertigt aus Bananenblättern. Den Erlös des Benefizkonzerts teilte Alexandra Dreier der Süddeutschen Zeitung stolz mit: 1800 Euro.