Vereinzelt sieht man sie durch Karlsfeld flitzen – doch per App ausleihen und abstellen kann man die E-Scooter dort bislang nicht. Das soll sich bald ändern. Die US-amerikanische Firma Lime will in Karlsfeld 75 bis 125 Elektroroller und Pedelecs anbieten. Ein Kooperationsvertrag mit der Gemeinde für einen Pilotversuch liegt bereits vor. Der Gemeinderat muss den Plänen nur noch zustimmen. Im Verkehrsausschuss war das Votum für die E-Scooter einstimmig. „Darauf warte ich schon ewig!“, freute sich Thomas Maier von den Freien Wählern.
In umliegenden Kommunen wie München und Dachau verleiht Lime bereits seit einigen Jahren die kleinen Elektroroller, Karlsfeld war bisher eine Lücke im Geschäftsgebiet. Der im Rathaus für Verkehrsfragen zuständige Mitarbeiter, Günther Rustler, sieht in dem Kooperationsvertrag eine sinnvolle Ergänzung der Mobilität „auf den letzten Metern“, etwa von der Bushaltestelle an den Arbeitsplatz. Dass Lime neuerdings auch Pedelecs im Programm hat, kommt der Gemeinde Karlsfeld ebenfalls entgegen: Im vergangenen Jahr hatte sie sich gegen eine Beteiligung am Leihradsystem des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) ausgesprochen – unter anderem aus Kostengründen.
„Die Abstellerei ist die Achillesferse für die Akzeptanz“
Radreferent Franz Trinkl, SPD, sieht in den E-Scootern vor allem für die Gemeindebereiche in Karlsfeld, die nicht vom Bus angefahren werden, „eine gute Lösung“. Einige Aspekte sieht er aber kritisch: „Die Abstellerei ist die Achillesferse für die Akzeptanz“, sagt er. „Auch bei mir.“ Manchmal werden die Roller quer auf dem Weg abgestellt – oder umgeworfen. Sebastian Krais, Standortleiter von München und Umgebung, versicherte, dass sein Team solchen Beschwerden nachgehe und auch schnell Abhilfe schaffe.
Um das Konfliktpotenzial möglichst gering zu halten, gibt es auch Parkverbotszonen. Nutzer können dort ihre Fahrt nicht abschließen. Die Gebührenuhr läuft dann regulär weiter, 27 Cent die Minute, bis sie eine zulässige Parkfläche erreicht haben. Rund um das Karlsfelder Gymnasium soll man die E-Scooter beispielsweise nicht abstellen dürfen. Verkehrsreferent Bernd Wanka, CSU, pocht darauf, dass auch der „hochfrequentierte Radweg“ an der Westseite der Münchner Straße frei bleibt. Die Fahrspur sei nicht sehr breit. Wenn dann dort auch noch abgestellte Elektroroller die Fahrbahn blockierten, werde es gefährlich.
Michael Fritsch von den Grünen und Adrian Heim vom Bündnis für Karlsfeld äußerten in der Sitzung Sicherheitsbedenken, wenn künftig vermehrt E-Roller auf den Spazierwegen rund um den Karlsfelder See oder den Waldschwaigsee unterwegs seien. Die kleinen Roller erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Gerade im Sommer tummeln sich rund um die beiden Badegewässer im Gemeindegebiet oft viele Besucher, darunter auch Familien mit kleinen Kindern.
Mancher hätte es daher gerne gesehen, wenn es Sperrzonen in Karlsfeld gäbe, in denen der Roller nicht weiterfährt – oder definierte Bereiche, in denen die Geschwindigkeit automatisch gedrosselt wird. Die Rechtslage erlaube dies leider nicht, sagte Krais. „Wir dürfen während der Fahrt nicht eingreifen.“ In anderen Ländern sei das erlaubt – nur nicht in Deutschland.
Die Einführung der E-Scooter startet zunächst als zwölfmonatiger Pilotversuch. „Wenn es furchtbar schiefläuft, können wir immer noch die Notbremse ziehen“, sagt Franz Trinkl. Eine Klausel erlaubt es der Gemeinde, vom Kooperationsvertrag binnen eines Monats wieder zurückzutreten.

