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Wirtschaft im Landkreis:Der Traum von einem Gründerzentrum

Wirtschaftsförderer Peter Freis in seinem Büro im Karlsfelder Rathaus. Er würde sofort selbst in das Gründerzentrum umziehen, wenn es denn einmal steht. Das Haus könnte in der Nußbaumstraße stehen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Karsfelder Wirtschaftsförderer Peter Freis will Firmengründern ein Haus zur Verfügung stellen. Jetzt scheint er fast am Ziel zu sein.

Von Christiane Bracht

Ein Gründerzentrum für den gesamten Landkreis Dachau - das wäre der entscheidende Schritt zur Förderung der heimischen Wirtschaft, glaubt man in der Gemeinde Karlsfeld. Selbständige, Firmengründer oder auch Unternehmen, die ihren Beschäftigten einen besonderen Komfort bieten wollen, indem sie ihnen am Wohnort einen Schreibtisch zur Verfügung stellen, könnten sich in so einem Zentrum einmieten. Das Gründerzentrum soll aber nicht nur Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, sondern eine Plattform bieten, um sich auszutauschen oder zu netzwerken. "Wir haben das schon länger im Fokus", sagt der Karlsfelder Wirtschaftsförderer Peter Freis. Seit zwei Jahren geht ihm die Idee bereits im Kopf herum. Vorbild ist wie so oft: München. Dort gibt es bereits mehrere Gründerzentren. "Aber sie sind teuer, und wir wollen die Leute hier behalten", sagt Freis. Schließlich ist die Gemeinde daran interessiert, neue Firmen zu bekommen.

Allein könne Karlsfeld das Projekt jedoch nicht stemmen, dazu fehlten die finanziellen Möglichkeiten - besonders nach der Corona-Krise, so Freis. Ende 2019 hatte die Gemeinde schon einen Schuldenberg von 28 Millionen Euro und der ist im vergangenen halben Jahr sicher nicht kleiner geworden. Dennoch ist das Projekt schon sehr konkret: Es hat sich womöglich ein Betreiber gefunden, der sich vorstellen kann, das Gründerzentrum zu leiten. Noch hat er nicht definitiv zugesagt. Er rechnet derzeit, ob das Projekt rentabel ist, Freis gibt sich zuversichtlich.

Interessenten haben sich bereits gefunden

Ein Objekt ist bereits gefunden, in dem ein Gründerzentrum vorstellbar wäre: in der Nußbaumstraße 8, also in zentraler Lage. "Es ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Bushaltestelle liegt praktisch direkt vor der Haustür", wirbt Freis. "Zu Fuß ist man in 15 Minuten am Bahnhof, und der Weg am Würmkanal entlang ist toll." Etwa eine Handvoll Interessenten haben sich bereits gefunden und das Objekt besichtigt. Eine Fläche von 2000 Quadratmetern steht zur Verfügung.

"Im ersten Stock könnte man neun Büros à 20 Quadratmeter einrichten mit je zwei Schreibtischen und ein größeres mit fünf Arbeitsplätzen", erklärt Freis. Im Dachgeschoss gibt es weitere 270 Quadratmeter Fläche. Mindestens drei Veranstaltungsräume hätten dort Platz, einen könnte man auch teilen, um weitere Büros unterzubringen. Auf jeden Fall soll die Fläche flexibel genutzt werden, so die Vorstellung des Wirtschaftsförderers. Er selbst träumt bereits von seinem neuen Büro in der Nußbaumstraße. Denn Freis will das Gründerzentrum mit seinen Ideen und Möglichkeiten unterstützen. "Der Start könnte bereits im nächsten Jahr sein." Zumindest dann wenn sich der mögliche Betreiber für das Projekt entscheidet.

Freis stellt sich einen Mix aus jungen Firmengründern und "alten Hasen" vor. Alle möglichen Sparten sollten vertreten sein. Je breiter der Branchenmix ist, um so mehr Synergieeffekte gebe es und um so besser könne man sich gegenseitig unterstützen. Auf keinen Fall soll eine einzige Firma gleich fünf Büros für sich allein buchen.

Die Corona-Pandemie spiele dieser Idee in die Hand, so der Wirtschaftsförderer. Denn seit der Krise sind viele Leute in Homeoffice und die Akzeptanz dafür ist bei den Firmen deutlich gestiegen. Das ändere die Denkweise vieler Chefs. Statt die Mitarbeiter immer in die eigene Firma am anderen Ende der Stadt kommen zu lassen, gäbe es die Möglichkeit, im Gründerzentrum tageweise einen Schreibtisch zu buchen, wenn die Arbeitnehmer aus familiären Gründen beispielsweise Schwierigkeiten hätten, sich zu Hause zu konzentrieren. Einen Vorteil hätte nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch die Allgemeinheit, denn der morgendliche Verkehrsstau würde abnehmen.

Eine Win-win-Situation für alle

Firmen könnten im Gründerzentrum auch ihre Treffen abhalten oder Seminare veranstalten. Interessant wäre das Projekt jedoch besonders für Unternehmensgründer. Sie könnten stundenweise einen Arbeitsplatz mieten, ihren Briefkasten am Zentrum anbringen, das Telefon wäre immer besetzt und vor allem könnten sie die geforderten Parkplätze nachweisen, die viele in ihrer Wohnung nicht zur Verfügung haben. Wer ein Gewerbe anmeldet, muss nämlich pro 20 Quadratmeter Fläche zwei Stellplätze nachweisen.

Ein Interessent kennt die Tücken bereits: "Wenn man Wohnraum für gewerbliche Tätigkeiten nutzt, findet die Gemeinde das meist nicht so lustig. Das ist eine Zweckentfremdung", sagt er. "Und wenn man als Startup erst mal viel Geld in eine teure Büromiete stecken muss, ohne entsprechenden Umsatz machen zu können, weil sich der Kundenstamm erst noch aufbauen muss, macht das nicht so viel Sinn." Noch will der Mann unerkannt bleiben. Er ist sich sicher: Ein Gründerzentrum schaffe eine "Win-win-Situation".

Peter Freis stellt sich das künftige Zentrum aber nicht als Ansammlung unendlich vieler Briefkästen vor. Er hofft, dass die Mieter sich auch gegenseitig helfen, etwa gemeinsam ein Brainstorming machen, wenn einer ein Problem hat. Dieser lädt dafür alle anderen zum Frühstück ein. Oder man beauftragt sich gegenseitig. "Ich glaube, jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür. Das ist der Trend momentan." Da ist sich der Karlsfelder Wirtschaftsförderer Freis sicher.

© SZ vom 10.08.2020
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