Karlsfelder See Auf der Halbinsel wird geholzt

Das Landratsamt muss am Karlsfelder See knapp 100 kranke Bäume fällen. Landrat Löwl beruhigt, es gebe keinen "Kahlschlag".

Von Gregor Schiegl, Karlsfeld

In den kommenden Wochen werden am Karlsfelder See knapp 100 alte oder kranke Bäume gefällt. Das hat Landrat Stefan Löwl (CSU) am Montag auf einer Bürgerinformationsveranstaltung in Karlsfeld mitgeteilt. Zu dem Termin in der Gaststätte "Poseidon" waren etwa 40 Besucher erschienen. Angesichts der Zahl von 8000 bis 10 000 Bäumen auf dem Gelände könne man die geplanten Maßnahme keinen "Kahlschlag" nennen, sagte der Landrat. Allerdings räumte er ein, dass es in den kommenden Jahren gewiss weitere Maßnahmen zur Verjüngung des Baumbewuchses am See geben werde, wenn auch nicht im gleichen Umfang wie in diesem Jahr. "Das ist ein Prozess, der nie aufhört."

Bereits im Dezember 2015 waren zahlreiche Stämme mit roter Farbe markiert worden. Viele Bürger waren besorgt, dass all diese Bäume - mehr als 200 an der Zahl - der Kettensäge zum Opfer fallen könnten. Das Bündnis für Karlsfeld fürchtete gar einen Imageverlust für die Gemeinde, wenn ihr Aushängeschild, der Karlsfelder See, durchall zu drastische Eingriffe des Landratsamts Schaden nähme. Einem Gutachten des eigens beauftragten Baumexperten Georges Lesnino aus Petershausen folgend will das Landratsamt nun zunächst nur 86 Bäume absägen, sieben kappen und etwa 100 pflegerisch behandeln, damit sie dauerhaft erhalten werden können. Die Fällungen sollen noch vor Beginn der Brutzeit im März abgeschlossen sein.

Die Fällungen sollen noch vor Beginn der Brutzeit im März abgeschlossen sein.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Bäume im Stress

Besonders stark betroffen ist die Halbinsel am Ostufer des Sees. Dort sollen etwa 30 Bäume umgesägt werden, davon eine Gruppe von 21 Weiden direkt am Ufer. Auch auf dem Parkplätze werden einige Fällungen notwendig werden. "Wir haben auch Riesenprobleme mit dem Baumbestand an den Parkplätzen", sagte Löwl. Die Beschaffenheit des Bodens sei dort nicht optimal für die Bäume, sie seien erhöhtem Stress ausgesetzt, was sich - wie beim Menschen - auch in einer deutlich geringeren Lebenserwartung niederschlage. Auf dem Gelände stehen viele Pappeln und Weiden, die meisten wurden vor etwa 40 Jahren angepflanzt. Unter idealen Bedingungen können sie deutlich älter werden, doch viele Bäume zeigen schon starke Schäden.

Dazu gehören Totholz in den Baumkronen, wie der Baumsachverständige Lesnino ausführte, Risse in den Stämmen und Fäule. Problematisch sei auch, wenn sich Stämme schon früh am Ansatz des Stamms gabelten; diese Bäume brächen leicht auseinander. Auch weit ausladende Äste bergen Gefahren für die Badegäste am See. Nicht nur bei Sturm, sondern auch im Sommer, wenn der Wasserdruck im Holz absinke, könnte es zu spontanen Brüchen kommen. Der Landrat sagte, dass er es weder sich noch seinen Mitarbeitern zumuten wolle, den Kopf hinzuhalten, wenn ein Besucher durch einen morschen Baum verletzt oder gar getötet werden. 2012 hatte eine Kastanie in Trier eine Frau erschlagen. Der Fall hatte für einen Stadtgärtner auch strafrechtliche Konsequenzen.

Zahlreiche Stämme sind bereits mit roter Farbe markiert.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Veränderte Klimabedingungen

In diesem Jahr werden am Karlsfelder See 39 neue Bäume gepflanzt. Sie sollen Bäume ersetzen, die bereits vor zwei Jahren gefällt wurden. Ziel sei es, mit einem umfassenden Pflege- und Umbaukonzept, die gewachsenen Strukturen zu erhalten, sie aber auch den veränderten Klimabedingungen anzupassen sagte Stefan Löwl. Die vormalige Kritikerin der Maßnahmen, Umweltreferentin und Bündnis-Fraktionssprecherin Mechthild Hofner, zeigte sich mit den vorgestellten Plänen "im Großen und Ganzen zufrieden." Kritik kam dafür von Siedlerfestreferentin Christa Berger-Stögbauer. Wegen der vielen Bäume sei es fraglich, ob man das traditionelle Feuerwerk am Karlsfelder See 2016 noch abbrennen könne.