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Karlsfeld:Auf den letzten Tropfen

Hallenbad öffnet

Die Karlsfelder hatten in diesem Jahr bislang kaum Gelegenheit, ihr Hallenbad zu nutzen. Spätestens in zwei Jahren droht die nächste Schließung. Ob es danach wieder öffnet, hängt auch an den Kosten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In spätestens zwei Jahren muss das Karlsfelder Hallenbad saniert werden. Leisten kann sich die Gemeinde das - wenn überhaupt - nur auf Pump

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Etwa ein bis höchstens zwei Jahre wird die Gemeinde Karlsfeld ihr Hallenbad noch betreiben können - ohne größere Sanierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Dann wird sie zusperren müssen. Das prophezeit Gebäudemanager Marco Mühlenhoff. Bei den Gemeinderäten sorgte diese Nachricht am Donnerstag für Ernüchterung, denn die Liste der Mängel ist lang, die Kosten für ihre Behebung sind hoch. Netto soll eine Sanierung 9,2 Millionen Euro kosten, so die Einschätzung von Architektin Anne Hugues, die das Bad mit verschiedenen Experten begutachtet hat. Brutto lägen die Kosten dann voraussichtlich bei etwa elf Millionen Euro.

Wie die Gemeinde mit diesen Zahlen umgeht, ob es eine Sanierung geben wird und in welchem Umfang oder ob man sich gleich für eine Schließung des Hallenbads entscheidet, wird im nächsten Jahr diskutiert werden. Angesichts der prekären Finanzsituation der Gemeinde könne man nicht "mit Vollgas beginnen", sagte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). Vieles werde wohl auch davon abhängen, ob die Gemeinde eine staatliche Förderung erhalte. Einen Antrag dazu hat Kämmerer Alfred Giesinger bereits gestellt. Doch der Bescheid wird voraussichtlich erst im April 2021 eintrudeln.

Bis dahin wird weiterhin Regen durch das Dach tropfen. Es ist offenbar an mehreren Stellen undicht. Die Oberlichter hat man bereits abgedeckt. Doch beängstigend ist, dass "das Wasser teilweise in die Technik läuft", so Hugues. In die abgehängte Decke dringt die Feuchtigkeit. Auch der Boden ist undicht, hat die Architektin festgestellt. "Der Unterbau hat das Zeitliche gesegnet und trägt nicht mehr." Die Anschlüsse seien ebenfalls undicht. An den Edelstahlbecken sind deshalb bereits Roststellen sichtbar geworden. Damit sich der Rost nicht weiter hineinfrisst, müsste dringend gehandelt werden, so Hugues. "Wir müssen den Boden neu aufbauen." Auch Wände und Fassade sollten renoviert werden. Das Sprungbecken wurde bei der Generalsanierung vor etwa 20 Jahren nicht erneuert. Es ist also wie das ganze Bad noch aus den 1970er Jahren; entsprechenden Handlungsbedarf sieht Hugues. Die Lüftungstechnik entspricht seit mindestens sieben Jahren nicht mehr der Norm. Zudem gibt es laut Ingenieur Debus keine funktionierende Wärmerückgewinnung. Das bedeutet einen enormen Energieverlust, gerade in diesen Zeiten, in denen permanent gut gelüftet werden muss. Problematisch ist jedoch, dass das Dach neue Geräte und Rohre nicht tragen würde, deshalb müsse eigens dafür im Garten ein Baukörper errichtet werden. Auch eine neue Warmwasseraufbereitung wäre nötig. "Der Wasserverbrauch ist derzeit 50 bis 60 Prozent zu hoch", erklärte Debus. Bei der Wärme könne man 30 bis 50 Prozent einsparen mit neuer Technik. Im übrigen könne man bei einer Sanierung Schadstoffe abtragen, die heute niemand mehr verbauen würde, so die Architektin.

Wenn man saniert, empfiehlt Hugues den Eingang anders zu gestalten. Für Senioren und Familien sei die steile Treppe mit ihren enorm hohen Stufen schwer zu bewältigen. Sie schlägt einen Aufzug vor und eine offener gestaltete Westseite. Die alte Sauna könne man für 1,57 Millionen Euro umstrukturieren und den Garten wieder nutzbar machen. Die Gaststätte sollte einen Bereich bekommen, in dem die Badegäste sich vom Inneren des Hallenbads einen Snack holen können. Derzeit ist sie nur von außen zu erreichen. Und auch für den Umkleidebereich schlägt die Architektin eine neue Struktur vor.

Baubeginn könnte - sofern zuvor alles fertig geplant sei - 2023 sein, sagt Hugues. Dann wäre das Bad Anfang 2025 fertig. Allerdings müsse man es während der Bauphase schließen.

Angesichts der hohen Kosten wollte Michael Fritsch (Grüne) wissen, ob sich eine Sanierung überhaupt lohne oder ob man nicht gleich über einen Neubau nachdenken solle, wie es Dachau getan hat. "Ein Neubau kostet deutlich mehr als 15 Millionen Euro, wenn man alles das haben will, was das Bad jetzt hat", wies Hugues den Gedanken zurück. Im übrigen würde man sehr viel "graue Energie" haben. Auch Debus sagte: "Es wäre schade, alles wegzuwerfen. Bausubstanz und Technik sind vernünftig. Da kann man aufbauen."

Stefan Theil (CSU) irritierte die von den Planern vorgeschlagene Erneuerung der Sauna für 1,5 Millionen Euro. Doch Bürgermeister Kolbe stellte klar: "Ich denke nicht, dass wir die Sauna noch mal in Betrieb nehmen, dafür gibt es zu viele außenrum in Erding oder in den Fitnessstudios."

Allein der Betrieb des Hallenbads kostet die Gemeinde pro Jahr etwa 700 000 Euro, Tendenz steigend. Beate Full (SPD) hatte um diese Zahl gebeten. Denn es gehe um die Frage: "Wollen wir uns das leisten? Baden wir in Karlsfeld auf Pump?" Die Rechnung müssten die Urenkel zahlen.

© SZ vom 12.12.2020
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