Verein Amani:Wie zwei Karlsfelderinnen in Tansania einen Kindergarten gründeten

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Verein Amani: Der Kindergarten bei Karatu in Tansania wurde von Annette Fehrenbach und Theresa Wirthmüller aus Karlsfeld mitgegründet.

Der Kindergarten bei Karatu in Tansania wurde von Annette Fehrenbach und Theresa Wirthmüller aus Karlsfeld mitgegründet.

(Foto: Annette Fehrenbach)

Nach dem Abitur halfen Annette Fehrenbach und Theresa Wirthmüller bei der Gründung der Einrichtung. Heute, mehr als zehn Jahre später, wird sie von einem Karlsfelder Verein finanziert.

Von Walter Gierlich

Vor mehr als zehn Jahren hat sich Annette Fehrenbach einen Traum erfüllt: Nach ihrem Abitur 2011 reiste die Karlsfelderin mit ihrer Klassenkameradin Theresa Wirthmüller nach Afrika. Ein halbes Jahr lang absolvierten die beiden Abiturientinnen des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums einen sozialen Freiwilligendienst im ostafrikanischen Tansania. Damals waren sie entscheidend an der Gründung eines Kindergartens in der Stadt Karatu nahe dem Serengeti-Nationalpark beteiligt.

Ein Erfolgsprojekt. Bis heute wird die Einrichtung, die den Namen Amani trägt, was auf Swahili Frieden bedeutet, vom gleichnamigen Verein mit Sitz in Karlsfeld getragen und finanziert. Am kommenden Samstag, 8. Oktober, feiert der Verein sein zehnjähriges Bestehen.

"Wir wollten etwas Sinnvolleres machen"

Damals im Jahr 2011 arbeiteten Fehrenbach und Wirthmüller zunächst bei einem Umweltschutz-Projekt in Tansania mit: "Das war ganz schön, aber nicht nachhaltig. Wir wollten etwas Sinnvolleres machen", erklärt Fehrenbach. Auf Umwegen landeten sie bei einem Projekt für Straßenkinder: Im Mwema Street Children Center unterstützten sie Lehrer und Erzieher im Kindergarten, nachmittags versuchten sie, den Älteren spielerisch Englisch beizubringen.

Tansania gehört zu den ärmsten Ländern weltweit, auch die Bildungssituation ist dort prekär: Es gibt es zu wenige Bildungseinrichtungen, so dass die Klassen überfüllt sind. Obwohl der Unterricht an staatlichen Schulen kostenlos ist, können viele arme Familien ihre Söhne und Töchter nicht in die Schule schicken, weil Schuluniformen, Bücher und Unterrichtsmaterial für sie unbezahlbar sind. Laut UNICEF arbeiten etwa 36 Prozent der tansanischen Kinder - anstatt eine Schule zu besuchen. So wird in den Kindergärten versucht, schon den Jüngsten Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln.

Deshalb war es ein Schock für Annette Fehrenbach und Theresa Wirthmüller, als das Mwema Street Children Center damals plante, den Kindergarten zu schließen und sich auf die älteren Straßenkinder zu fokussieren. Doch der örtliche Pfarrer Elisante Mwenegoha wollte den Kindergarten erhalten und bat Fehrenbach und Wirthmüller ihm zu helfen, einen Raum in seinem Haus zu renovieren und mit den Buben und Mädchen dorthin umzuziehen. Die beiden waren sofort dazu bereit: "Die Kinder kannten wir und wussten, was sonst passieren würde" - und zwar, dass sie auf der Straße landen würden, so Fehrenbach.

Also packten die Frauen selbst mit an und organisierten bei Freunden und Familien in Deutschland Spenden, mit denen die Baumaßnahme schnell vorankam. Mit einem Handwerker besprachen sie, was zu tun sei. Er nannte eine Zahl für die Baukosten: "Wir wollten - wie in Deutschland gewohnt - ein schriftliches Angebot. Er bat um Zettel und Bleistift, schrieb die Zahl auf, fuhr weg, kam wenige Stunden später mit dem gesamten Material zurück und begann zu arbeiten", erzählt Fehrenbach.

Verein Amani: Der Vorstand des Vereins Amani in Tansania: (v .l.) Theresa Wirthmüller, Erzieherin Neema, Annette Fehrenbach, Elisante Mwenegoha und Thomas Bauhof. Heute hat der Verein 35 Mitglieder.

Der Vorstand des Vereins Amani in Tansania: (v .l.) Theresa Wirthmüller, Erzieherin Neema, Annette Fehrenbach, Elisante Mwenegoha und Thomas Bauhof. Heute hat der Verein 35 Mitglieder.

(Foto: Annette Fehrenbach)
Verein Amani: 40 Kinder lernen und spielen im Kindergarten, den der Verein finanziert.

40 Kinder lernen und spielen im Kindergarten, den der Verein finanziert.

(Foto: Annette Fehrenbach)

Doch die Kosten für die Renovierung waren höher als erwartet. Damit der Betrieb anlief, mussten zwei Erzieherinnen eingestellt und bezahlt werden. Die Abiturientinnen starteten daraufhin eine zweite Spendenaktion in Deutschland. Mit Erfolg. Als Fehrenbach und Wirthmüller nach sechs Monaten in die Heimat zurückkehrten, war der Betrieb der Betreuungseinrichtung finanziell für ein halbes Jahr gesichert.

Doch das Projekt benötigte eine stabile Grundlage. Die Lösung war die Vereinsgründung, damit man auch Spendenquittungen ausgeben konnte. Fehrenbach und Wirthmüller machten sich schlau, arbeiteten sich durch die nächsten Schritte: Von der Erstellung einer Satzung, der Wahl eines Vorstands bis zur Beschaffung von sieben Gründungsmitgliedern. Im Herbst 2012 würde der Amani e.V. mit Sitz in Karlsfeld gegründet. Annette Fehrenbach und Theresa Wirthmüller wurden die Vorsitzenden.

Zum Ziel setzte sich der Verein von Anfang an, Kinder aus armen Familien zu unterstützen, um ihnen den Zugang zu Schulen zu erleichtern. Besonders wichtig sind dem Verein außerdem die Achtung von Kinderrechten und eine gewaltfreie Erziehung - in Tansania keine Selbstverständlichkeit. Ein Jahr nach der Gründung stieß Thomas Bauhof dazu, der seither zu den aktivsten Mitgliedern zählt und aktuell Vizevorsitzender ist. Heute hat der Verein Amani 35 Mitglieder.

Als Gegenstück zum Verein in Karlsfeld gibt es in der Stadt Karatu eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die von Pfarrer Elisante Mwenegoha sowie einem Juristen und einem Lehrer ehrenamtlich geleitet wird. Der Kindergarten umfasst heute zwei Räume für die Kinder, eine Küche, ein Büro und WCs. Im umzäunten Garten gibt es zudem Spielgeräte für die 40 Buben und Mädchen, die aktuell im Kindergarten lernen und spielen. Seit der Gründung waren es insgesamt 120 Kinder.

"Es ist einfach ein Projekt, das mit uns mitgewachsen ist"

Fehrenbach betont: "Wir haben seit einigen Jahren immer mehr Verantwortung an Einheimische vor Ort übergeben. Wir führen mit der Amani NGO eine enge Partnerschaft auf Augenhöhe und diskutieren gemeinsam sinnvolle und nachhaltige Entwicklungen." Im Wesentlichen sei der deutsche Trägerverein für das Budget zuständig, das zum größten Teil aus Spenden stamme und den afrikanischen Partnern zu hundert Prozent zugute komme. Um Transparenz zu gewährleiten, werde die NGO jedes Jahr einem Audit unterzogen. "Zu fairen Arbeitsbedingungen" beschäftigt sind derzeit fünf Personen: zwei Erzieherinnen und ein Erzieher, dazu eine Köchin und eine Verwalterin.

Erzieherin Neema ist seit neun Jahren dabei und für Fehrenbach "ein bisschen die Seele des Projekts vor Ort". Fünfmal sind Vorstandsmitglieder des Karlsfelder Vereins in den vergangenen zehn Jahren in Tansania gewesen, was zuletzt wegen Corona nicht möglich war. Doch halte man via Internet stets engen Kontakt zu den Partnern in Karatu, erklärt die Vorsitzende. Mit Stolz blickt sie auf die vergangenen Jahre: "Es ist einfach ein Projekt, das mit uns mitgewachsen ist."

Die Jubiläumsfeier am Samstag, 8. Oktober, mit musikalischer Umrahmung beginnt um 16 Uhr in der Kleinen Altstadtgalerie in Dachau, Burgfriedenstraße 3. Interessierte sind willkommen.

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