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Lokaler Hotspot:Eine Tote nach Corona-Ausbruch in Pflegeheim

86-jährige Bewohnerin eines Karlsfelder Pflegeheims stirbt. Eine weitere Mitarbeiterin wird positiv getestet.

Von Thomas Balbierer, Dachau

Pflegeheim

Trotz Sicherheitskonzept haben sich in einem Karlsfelder Pflegeheim zahlreiche Personen infiziert.

(Foto: dpa)

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in einem Karlsfelder Pflegeheim vergangene Woche ist am Wochenende eine infizierte Bewohnerin im Krankenhaus verstorben. Das teilte Landrat Stefan Löwl am Sonntag auf SZ-Anfrage mit. Die 86-Jährige habe sich schon vor ihrer Ansteckung mit Covid-19 "in schlechtem Allgemeinzustand" befunden, so Löwl. Insgesamt sind nach dem Corona-Ausbruch nun vier Heimbewohner in stationärer Behandlung. Unter den Pflegekräften der betroffenen Station habe es zudem einen weiteren positiven Corona-Test gegeben, so Löwl. Damit steigt die Zahl der infizierten Mitarbeiter auf sechs, 14 Bewohner sind bislang positiv auf das Virus getestet worden.

Ob das Virus auch andere Stationen erreicht hat, wird geprüft. Am Montag sollen laut Landrat Löwl Reihentests unter den Bewohnern anderer Stationen durchgeführt werden. Tests von Mitarbeitern aus anderen Bereichen seien bislang negativ gewesen. Derzeit sehe es danach aus, "dass das Hygienekonzept funktioniert hat und das Virus nicht auf die anderen Stationen übergesprungen ist", sagte Löwl am Sonntag.

Am Freitag war bekannt geworden, dass sich ein Karlsfelder Pflegeheim zu einem lokalen Corona-Hotstpot entwickelt hatte. Wie das Landratsamt mitteilte, soll eine mit Covid-19 infizierte Mitarbeiterin das Virus in die Pflegeeinrichtung gebracht haben. Laut SZ-Informationen handelt es sich um das Haus Anna-Elisabeth in der Rothschwaige. Es hat laut Homepage 163 Pflegeplätze. Weder die Heimleitung in Karlsfeld noch die Nürnberger Betreibergesellschaft ArcheNoris waren für eine Stellungnahme zu erreichen. Anrufe der SZ wurden mehrmals abgeblockt und abrupt beendet.

Angehörige von Bewohnern sind verunsichert

Auch Angehörige von Bewohnern des Pflegeheims, mit denen die SZ am Sonntag sprach, haben bislang keine näheren Informationen aus dem Heim erhalten. Ein Dachauer, dessen demenzkranke Mutter im Haus Anna-Elisabeth gepflegt wird, sagte, er sei verunsichert angesichts der mangelnden Auskunft. "Man fragt sich schon, welches Stockwerk betroffen ist und wie es der eigenen Mutter geht", sagte der Mann, der anonym bleiben will, um seine kranke Mutter aus der Öffentlichkeit zu halten. Über das Heim könne er nichts Negatives sagen, "die kümmern sich super". Doch nun wünscht er sich Aufklärung - "ein bisschen Beruhigung wäre schon gut". Eine weitere Angehörige aus dem Landkreis, deren Schwiegermutter in dem Heim lebt, sagte, ihre Anrufe seien bislang abgeblockt worden.

Mit dem Ausbruch in Karlsfeld erreichten die Corona-Fälle im Landkreis am Freitag einen neuralgischen Wert. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche - lag am Freitag bei 38,6. Bei einem Wert von 35 müsste das Gesundheitsamt das bayerische Gesundheitsministerium eigentlich über lokale Gegenmaßnahmen informieren. Weil es sich im Pflegeheim jedoch um einen eingrenzbaren Ausbruch handelt, sind über die Einrichtung hinaus keine Handlungen nötig.

Inzidenz sinkt wieder unter Frühwarnwert

Am Sonntag sank die Inzidenz laut Landratsamt wieder unter den Frühwarnwert auf 30,3. Die Zahl der bekannten Gesamtinfektionen im Landkreis lag am Sonntag bei 1116, aktiv infiziert sind laut offizieller Statistik 66 Menschen. 32 sind nach einer Infektion gestorben.

© SZ vom 31.08.2020

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