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Karfreitagsbrauch in Dachau:Das Grab bleibt dunkel

Heiliges Grab

Ein schöner Brauch aus dem Barock ist das "Graberlschauen"

(Foto: Hutter-Museum)

Die Museen sind zu. Gerade in der Karwoche ist das schade

Die Museen im Landkreis sind wegen der aktuellen Coronakrise bis auf weiteres geschlossen. Das hat auch zur Folge, dass der beliebte Brauch des "Graberlschauens" am Karfreitag im Hutter-Museum in Großberghofen ausfallen muss. Für all jene, die nicht wissen, was es damit auf sich hat: Das Heilige Grab wurde mehr als hundert Jahre lang an den Kartagen im Altarraum der Dorfkirche Sankt Georg in Großberghofen aufgebaut. 1860 hatte es Schreinermeister Pfeil aus Walkertshofen gefertigt. Man dunkelte das Innere des Gotteshauses mit hölzernen Fensterläden ab. Der Kirchenraum wurde nur von den kleinen Lichtern am Grab erhellt, die durch wassergefüllte Glaskugeln leuchteten und dadurch eine besondere Wirkung erzielten. Die Gläubigen versammelten sich am Karfreitag und Karsamstag zu einer "ewigen Anbetung", bis zum Abend des Karsamstags in der dunklen Kirche. Während der Auferstehungsfeier wurde die Verdunkelung dann im richtigen liturgischen Moment entfernt. Das ermöglichte den Gläubigen, die Auferstehung Christi im hellen Tageslicht zu erleben. Es war damals für die Katholiken üblich, an den Kartagen die Kirchen der Umgebung zu besuchen, um die dort aufgebauten "Graberl" zu besuchen und anzuschauen. Erst durch die neue Liturgie des Vatikanischen Konzils wurde dieses Brauchtum beendet. Heute ist das "Heilige Grab" der Dorfkirche von Großberghofen ein wertvoller Bestandteil des Hutter-Museums.

Auch die anderen Museen und Galerien im Landkreis sind bis auf weiteres geschlossen, ebenso die in der Stadt Dachau: Alle Veranstaltungen und Führungen, inklusive des alljährlichen Kinderkunstraums sowie der Kindergeburtstage fallen aus. Bei Fragen kann man sich während der Bürozeiten bei den Dachauer Galerien und Museen telefonisch kundig machen, montags bis freitags (außer an Feiertagen) 9 bis 14 Uhr unter 08131/5675-13 oder per Mail an Info@dachauer-galerien-museen.de oder verwaltung@dachauer-galerien-museen.de.

Im Hintergrund werden bereits eifrig die nächsten Ausstellungen vorbereitet. So soll bald der dritter Teil der Ausstellungsreihe "Die Lebensalter" im Bezirksmuseum zu sehen sein - offiziell von 21. April an, doch der Termin dürfte wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen in Bayern kaum zu halten sein. Die geplante Ausstellung "Wie es war und ist, erwachsen zu sein" geht auf Spurensuche, blickt durch Zeitfenster in die Vergangenheit und zeigt an den Themen Heirat, Beruf und Geschlechterzugehörigkeit exemplarisch Kontinuität und Wandel in der Welt der Erwachsenen auf. Damit eröffnet sie ein Verständnis für die gewachsenen Verhältnisse der Gegenwart. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Auch im Heimatmuseum Karlsfeld ruht derzeit der Betrieb. Die ursprünglich für April geplante Mitgliederversammlung mit der Neuwahl des Vorstands wurde verschoben. Fraglich und möglicherweise auch von einer Absage oder Verschiebung betroffen sein wird die bereits vorbereitete Sonderausstellung "Bei Spiel und Sport - da ist was los, bei klein und groß", die am Internationalen Museumstag, 17. Mai, beginnen sollte.

Allerdings konnten zuvor einige bauliche Verbesserungen in den Räumen der Dauerausstellungen vorgenommen werden: Die Ausleuchtung wurde auf LED-Strahler umgestellt, zudem wurden Lichtschienen montiert, die flexible Lichtakzente zulassen. Angeschafft wurden auch drei große Glasvitrinen um verschiedene Exponate zu präsentieren. Jetzt fehlen nur noch die Besucher.

© SZ vom 09.04.2020 / gsl

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