Kandidaten für Tassilo-Preis In der Volksmusik geerdet

Volksmusik ist nichts für junge Menschen? Stimmt nicht, sagt Dirigent Simon Schlatterer, denn bei den Pipinsrieder Musikanten spielen Alt und Jung zusammen. Und einen kleinen Tassilo hat Schlatterer auch schon daheim.

Von Sophie Burfeind

SZ-Leserin Annabell Klink aus Hilgertshausen schlägt Simon Schlatterer für den SZ-Tassilo-Preis 2012 vor. Sie schreibt: "Simon Schlatterer tut wirklich viel für Kultur im Münchener Umland und hätte diesen Preis sehr verdient!" Ihre Begründung lautet: Er engagiert sich als Volksmusiker für die Jugend, ist offen für andere Stilrichtungen und spielt auch einfach mal spontan im Hofbräuhaus.

Simon Schlatterer, Dirigent der Pipinsrieder Musikanten, und sein Sohn Tassilo.

(Foto: joergensen.com)

Zuhause bei ihm umklammert Tassilo mit seinen kleinen Händchen die Klarinette und blickt forsch in die Kamera. Einen richtigen Siegerblick hat er aufgesetzt. Der zehn Monate alte Bub scheint sicher zu sein, dass der Papa den gleichnamigen Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung gewinnen wird. Der saß einst vermutlich wie Tassilo auf dem Schoß seines Vaters, ein Instrument fest in den Händen. Damals noch im Haus nebenan.

Schließlich ist der 34-jährige Familienvater vierer Kinder aus Hilgertshausen "mit Blasinstrumenten groß geworden". Genauer gesagt, mit Holzblasinstrumenten und einer ganz bestimmten Blaskapelle: den Pipinsrieder Musikanten. Sie besteht seit 1987 im Umkreis von Altomünster. Im Alter von zehn Jahren begann Simon Schlatterer in dieser Blaskapelle Klarinette zu spielen. Seit acht Jahren ist er ihr Dirigent und Moderator.

So wie für den Diplom-Kaufmann Hilgertshausen der Heimatort ist, wo er aufgewachsen ist und noch immer lebt, so sind die Pipinsrieder Musikanten seine "musikalische Heimat". Dort ließ er sich in jungen Jahren zum Klarinettisten ausbilden und hatte dadurch die Möglichkeit, seinen Wehrdienst nach dem Abitur als Klarinettist beim Luftwaffenmusikcorps I in Neubiberg abzuleisten.

Besonders der Einzelunterricht bei Albert Osterhammer von den Münchner Philharmonikern hat ihn musikalisch weitergebracht. Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre in Augsburg gründete er eine Wohnheimsblaskapelle. "Wir haben Jazz und Swing gespielt, das ist die andere Musikrichtung, die ich sehr gern mag."

Fast wie beim Nockerberg

Jazz, Swing und Dixie, kombiniert mit bairischer Volksmusik, bringt er jetzt mit den Mondschei-Briada, seiner zweiten Band, auf die Bühne. Dennoch liegen ihm besonders die Pipinsrieder Musikanten am Herzen: "Was uns auszeichnet, ist, dass wir in unserer Blaskapelle Jung und Alt vereinen, dass Handwerker und Topmanager zusammenspielen und dass wir unsere Leute selbst ausbilden." Auch über das Kabarettstück, das die Blaskapelle seit 25 Jahren beim Starkbierfest in Altomünster aufführt, spricht er gerne: "In den Theaterstücken nehmen wir lokalpolitische Gegebenheiten auf die Schippe, ähnlich wie beim Starkbierfest in München am Nockherberg."

Seit drei Jahren gehört er zu der Autorengruppe, die das Drehbuch zum Stück verfasst, an dem sich häufig mehr als 20 Schauspieler beteiligen. "Mir ist es wichtig, dass man das musikalische Brauchtum pflegt und mit Bodenständigkeit und Originalität zum Ausdruck bringt. Die Leute sollen merken, dass man Musik macht, weil es Spaß macht." Für Simon Schlatterer ist es nicht immer einfach, Musik, Vollzeitjob und Familienleben unter einen Hut zu bringen. "Die Musik nimmt schon einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch", gibt er zu, "aber das ist sie wert."