Kandidaten für Tassilo-PreisExperimente ausdrücklich erwünscht

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Dieter Faustmann und Bruno Schachtner geben in der KVD-Druckwerkstatt die hohe Kunst alter Druckverfahren weiter. Für ihr Engagement sind sie für den Tassilo-Preis nominiert.

Anna Schultes

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Auf den Tischen liegen lila und grün eingefärbte Holzplatten, in die Umrisse eines Fischs oder verschiedener Blüten eingeritzt sind. Daneben stapeln sich Bleibuchstaben und farbig bedrucktes Papier. Auf einem überdimensional großen Foto arbeiten strahlende Kinder an einer Druckpresse. Acht historische Maschinen stehen in den Räumen der Druckwerkstatt der KVD (Künstlervereinigung Dachau) in der Brunngartenstraße, die meisten werden noch mit der Hand betrieben.

Bruno Schachtner und Dieter Faustmann in der Druckwerkstatt.
Bruno Schachtner und Dieter Faustmann in der Druckwerkstatt.
Toni Heigl

Ein kleines Museum habt ihr hier", sagt ein Besucher. Dieter Faustmann, der das Projekt gemeinsam mit den KVD-Künstlern Bruno Schachtner, Alfred Ullrich und Günther Urban betreut, stutzt kurz. Dann erwidert er: "Es ist eine Werkstatt, kein Museum." Faustmann sagt diesen Satz sehr freundlich, aber mit Nachdruck. Denn den vier Männern geht es in erster Linie um eines: Sie möchten die hohe Kunst alter Druckverfahren von der Radierung über die Lithografie bis hin zum Buchdruck weitergeben - und so für die nächsten Generationen erhalten. Ausstellen allein reicht ihnen nicht. Für ihr Engagement sind die Betreiber der Druckwerkstatt für den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung nominiert.

Jeden zweiten Dienstag im Monat steht die Werkstatt allen offen: Experten und Künstlern ebenso wie Laien. Auch Kinder und Jugendliche kommen seit Jahren. Regelmäßig arbeiten ganze Schulklassen im Werkraum. Zwanglos können sich die Kinder den Materialien nähern. Experimente sind erlaubt, ja sogar erwünscht. "Bei uns kann man nichts falsch machen", sagt Werkstattleiter Schachtner. Die Betreiber erläutern die wichtigsten Regeln, ansonsten halten sie sich im Hintergrund. Dass Besucher in der Druckwerkstatt das Material mit der Hand frei bearbeiten können, gibt ihnen ein Gefühl für die Techniken, das so nur in der Selbsterfahrung entstehen kann.

In den Räumen in der Brunngartenstraße war ehemals das Lager der KVD untergebracht. Als Schachtner im Jahr 2005 vorschlug, dort eine Druckwerkstatt einzurichten, waren alle auf Anhieb begeistert. Nicht zuletzt deshalb, weil die Druckkunst, insbesondere der Holzschnitt, in der Stadt eine lange Tradition hat. Etwa der Künstler Carl Thiemann, der 1908 in die Künstlerkolonie Dachau kam, ist in erster Linie für seine Holzschnitte bekannt. 145 Jahre lang - bis zur Schließung im Jahr 2007 - war Dachau Standort der MD-Papierfabrik. "Das alles schreit danach, die alten Techniken nicht zu verlieren", findet Schachtner.

Die vier Männer sind allesamt Experten in Sachen Druck: Schachtner kümmert sich um Schrift und Satz, Faustmann ist Buchdruckmeister. Urban befasst sich speziell mit Hochdruckverfahren wie Holzschnitten. Und Ullrich widmet sich grafischen Tiefdruckverfahren, wie der Kaltnadelradierung. Der 63-Jährige ist gleich doppelt für den Tassilopreis nominiert, er könnte ihn auch für sein Lebenswerk erhalten.

Vor wenigen Tagen haben Bauhofmitarbeiter die achte Maschine in die Druckwerkstatt gebracht. Die Andruckpresse lieferte in der ehemaligen Druckerei Zauner in der Dachauer Altstadt früher Probedrucke. Sie stammt aus den 1950er Jahren - und ist damit eine der jüngeren Maschinen. Im Keller in der Brunngartenstraße steht auch ein Tellertiegel zum Postkartendruck aus dem Jahr 1800. Eine von der Akademie der Bildenden Künste in München ausrangierte Steindruckpresse ist rund 300 Jahre alt.

Schachtner und seine Mitstreiter hoffen, dass die Druckwerkstatt mit ihren historischen Maschinen nach dem Umbau des ehemaligen MD-Geländes dort unterkommen kann; vielleicht sogar gemeinsam mit dem Museumsverein. Denn sie streben eine enge Vernetzung mit dem Verein, aber auch mit der KVD, der städtischen Jugendarbeit sowie Papier- und Drucktechnikern an. Neben den Verbindungen in Dachau sind auch internationale Kontakte entstanden. Im Jahr 2007 waren zwei Druckgrafiker aus Areguá zu Gast. Mit dem Künstlerort in Paraguay pflegen Dachauer Künstler seit Jahren einen regen Austausch. 2013 kommt erneut ein Duo nach Dachau.

Das nächste Projekt ist allerdings schon im August geplant. Bei der Sommer-Kunstakademie der KVD und des Dachauer Forums sollen kunstinteressierte Menschen mit und ohne Behinderung bei Workshops, Ausstellungen und Konzerten zusammenkommen. Dieter Faustmann, Bruno Schachtner, Alfred Ullrich und Günther Urban bieten einen Workshop mit dem Titel "Von Gutenberg zu Macintosh" an. Denn es geht den Männern nicht allein um Historisches. Sie wollen auch zeigen, welche Möglichkeiten der moderne Digitaldruck bietet. Oder wie Schachtner es sagt: "Wir möchten eine Brücke vom Anfang der Druckkunst bis in die Gegenwart bauen."

© SZ vom 02.06.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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