Aufgeregt sitzen die Bewerberinnen und Bewerber um den Dachauer Jugendpreis im Keller des Jugendzentrums Dachau-Ost. Die Spannung ist groß, denn an diesem Mittwochabend erfahren sie, ob ihre ehrenamtliche Tätigkeit es auf eine der drei Platzierungen des Dachauer Jugendpreises geschafft hat. Das ist eine große Anerkennung, und außerdem erhalten die ersten drei Plätze ein Preisgeld von insgesamt 900 Euro.
Sechs Projektgruppen, Vereine und Organisationen haben sich um die Auszeichnung beworben. Leer geht an diesem Abend trotzdem niemand aus, denn alle ehrenamtlichen Tätigkeiten sollen gewürdigt werden. Auch die drei nicht platzierten erhalten ein kleines Geschenk und eine Urkunde. Denn sie alle „sind ein Gewinn für die Dachauer Jugend und haben Lob verdient“, wie Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in seiner Begrüßungsrede betont. Die Jury bildeten Mitglieder des Jugend- und Stadtrats. Ihnen sei die Entscheidung über die Platzierung heuer besonders schwergefallen, so Hartmann. Er wertet das als positives Zeichen, in Dachau gebe es demnach wohl viele Engagierte, die sich für die Jugend einsetzen.
„Diese Leistung wird wahrgenommen“
Zu oft werden ehrenamtliche Tätigkeiten als zu selbstverständlich genommen. Der Jugendpreis zeigt laut Hartmann aber: „Diese Leistung wird wahrgenommen.“ Für ihn sei die Preisverleihung ein Ort, sich öffentlich für ehrenamtliches Engagement in Dachau zu bedanken. Auch Katalin Karádi vom Dachauer Jugendrat betont: „Alle Projekte waren eine große Hilfe für die Jugendlichen in Dachau.“ Sie zieht nun einen Umschlag hervor, um den dritten Platz zu verlesen. „Die Spannung hier ist wie bei einer Oscar-Verleihung“, findet Hartmann.
Der dritte Platz geht an ein in der Dachauer Jugendarbeit altbewährten Verein: der Freiraum Dachau; hier finden Konzerte und Tanzveranstaltungen statt, außerdem bietet der Freiraum jungen Menschen eine Möglichkeit, sich politisch zu engagieren. Das selbst verwaltete Jugend-Kulturzentrum legt großen Wert auf Mitsprache. Zweimal die Woche treffen sie sich im Plenum, und jeder darf seine Meinung über zukünftig geplante Events oder eigene Ideen einbringen. „Bei uns läuft alles basisdemokratisch ab“, betont Sven Nilsson, und: „Wir sind offen für alle.“ Er ist Teil des Vereinsvorstands und nimmt mit zwei Kollegen stellvertretend für alle, die aktiv im Freiraum mitwirken, den Preis entgegen.
Auf den zweiten Platz schafft es ein Projekt, das in diesem Jahr zum ersten Mal stattfand: ein Benefiz-Flohmarkt am Josef-Effner-Gymnasium; 13 Schülerinnen und Schüler des AK Flohmarkt legten sich ins Zeug, um genügend Anmeldungen für Stände zusammenzubringen. Der Benefiz-Flohmarkt sollte bereits vorher schon einmal stattfinden, fiel aber aufgrund von zu wenigen Teilnehmenden ins Wasser. Nicht in diesem Jahr: Die Schülerinnen und Schüler erhielten ganze 40 Anmeldungen von Engagierten, die etwas verkaufen wollten. Somit konnten sie eine Summe von 1250 Euro an die Krebsstation des Kinder- und Jugendkrankenhauses München Klinik Schwabing spenden.
Dass sie nun mit dem zweiten Platz beim Dachauer Jugendpreis ausgezeichnet wurden, freut die Schülerinnen sehr: „Wir sind überflutet von Emotionen, das ist so ein krasses Gefühl. Wir sind unglaublich stolz, dass wir das für unsere Schule machen konnten“, schwärmt Inas El Amrani.
Historische Themen aus gegenwärtiger, internationaler Perspektive
Der Hauptgewinn geht an die Internationale Jugendbegegnung (IJB). Ursprünglich initiiert von Dachauer Jugendlichen, organisiert die IJB seit 1983 jährlich ein Treffen, bei dem sich Jugendliche aus verschiedenen Ländern kennenlernen können. Der Fokus der IJB liegt auf dem Erinnern an die Verbrechen des Holocausts und die Arbeit gegen das Vergessen, eine Aufgabe, die aktuell kaum wichtiger sein könnte. Aber nicht nur das: Bei den zweiwöchigen Begegnungen geht es auch um heutige Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung, erzählt die Hauptamtliche des Projekts, Anja Schuller-Müller: „Letztes Jahr war der Schwerpunkt Antisemitismus, dieses Jahr ist es Migration und Vertreibung.“ Sie wählen Themen, die eine historische Komponente haben, und betrachten diese aus der gegenwärtigen Perspektive, so Schuller-Müller. Die IJB solle junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenbringen, damit sie mehr miteinander und weniger übereinander sprechen.
Antonia Wurbs engagierte sich bei diesem Projekt und sagt: „Ich finde vor allem den internationalen Aspekt von der ISB sehr interessant.“ Ihr gefalle es sehr, sich mit gleichaltrigen aus anderen Ländern austauschen zu können. Außerdem sei es ihr wichtig, Jugendlichen die Geschichte Dachaus und der KZ-Gedenkstätte in Dachau nahezubringen, betont die Studentin. Sie ist eine der aktuell 17 ehrenamtlichen Teammitglieder, die die IJB organisieren und umsetzen.
Nach der Verleihung versammelten sich alle am Buffet im Jugendzentrum Dachau-Ost. Dem einen oder der anderen mag dabei noch der Wunsch von Jugendrätin Katalin Karádi im Ohr geklungen haben: „Bitte macht weiter mit euren Projekten.“

