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Jugendmigrationsdienst Dachau:Eine Institution

Jugendmigratiosndienst Dachau

Diana Schneider und die Familie Igeler: die Kinder Annie (14), Hans (16) sowie Mutter Linda und Vater Hans aus Honduras.

(Foto: oh)

Der Jugendmigrationsdienst startete vor fünf Jahren auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise. Jetzt ist das Angebot nicht mehr wegzudenken

Im Oktober 2015, auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise, startete der Jugendmigrationsdienst (JMD) in Dachau. Er ist Teil der Initiative "Jugend stärken", mit der sich das Bundesfamilienministerium deutschlandweit für eine bessere Integration junger Menschen einsetzt. In der Friedensstraße 51 bezog man geeignete Räumlichkeiten: Im vorderen Teil ein transparenter Schulungsraum, dahinter schließen sich Büros und Besprechungszimmer sowie eine gemütliche Küche an. Die Sozialberaterin Diana Marcela Schneider (37) kommt ursprünglich aus Kolumbien, hat Germanistik studiert und arbeitet seit April 2019 für den Jugendmigrationsdienst Dachau. Sie berät und begleitet die jungen Zuwanderer im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren in allen Fragen der Alltagsbewältigung. Ihre Kollegin Lisa Groeger (28) ist Sozialpädagogin und bietet als "Respekt Coach" an Schulen Workshops zur Extremismus-Prävention und Demokratieförderung an.

Der JMD ist Teil des Internationalen Bunds (IB), einem bundesweit tätigen freien Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit. Der Jugendmigrationsdienst arbeitet eng mit etablierten Sozial-, Bildungs- und Fördereinrichtungen zusammen, zum Beispiel mit der Caritas bei der Jugend- und Elternberatung, mit der Berufsschule Dachau bei der Berufsintegration oder mit der Agentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). So werden im Schulungsraum vormittags und abends Deutschkurse angeboten, die übers BAMF gefördert werden.

Im JMD Dachau sind die Mitarbeiterinnen für alle jungen Zuwanderer im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren da. Und für deren Eltern, wenn sie Fragen haben. Wie im Fall der deutschstämmigen Familie Igeler aus Honduras. Der Vater arbeitet seit einem Jahr als Telekom-Ingenieur in München. Eine Wohnung für sich und seine Familie zu finden, war schwierig genug. Mit den Fragen zur Schulausbildung seiner beiden Kinder Hans (16) und Annie (14) waren er und seine Frau Linda überfordert. Die Kinder sprachen bis vor einem Jahr noch kein Deutsch. Nun gehen sie in die Mittelschule in Markt Indersdorf, besuchen den M-Zweig und wollen später auf die Fachoberschule. Geholfen hat ihnen der Kontakt zum JMD und insbesondere die Unterstützung durch Diana Schneider.

"Es ging erst einmal darum, dass die Kinder in einem schulischen Umfeld so schnell wie möglich Deutsch lernen, aber auch darum, welcher Bildungsweg sich für sie im Hinblick ihrer Fähigkeiten und Wünsche am besten eignet", so Diana Schneider. Die Familie war regelmäßig in ihrer Beratung, sowohl persönlich im Büro als auch telefonisch und per E-Mail. Am wichtigsten sei die Unterstützung bei der schulischen Integration gewesen, dann sei es um die Kompetenzfeststellung zur Berufsorientierung gegangen, heißt es in einer Pressemitteilung des JMD. "Wir unterstützen die Kinder auch bei ihren Hobbys, Hans zum Beispiel durch die Vermittlung an den MINT-Campus in Dachau."

Das Aufgabengebiet des JMD reicht von der Beratung in allen Fragen der sozialen sowie der Arbeitsintegration über Schuldenberatung, gesunde Ernährung, Mediennutzung, sinnvolle Freizeitaktivitäten bis zur Kompetenzfeststellung. Diana Schneider begleitet die jungen Migranten zum Beispiel zur Ausländerbehörde oder zur Schule. Seit Oktober bietet sie jeden zweiten Dienstag eine Sprechstunde in der Berufsschule an. Unterstützt werden die Mitarbeiterinnen in Dachau von ihrer Teamleitung, Isabel Junges, und der Bereichsleitung, Katrin Rauscher, "ohne die die erfolgreiche Aufbauarbeit der letzten fünf Jahre nicht möglich gewesen wäre", heißt es in der Pressemitteilung. Der JMD habe sich in dieser Zeit in Dachau nicht nur etabliert, er ist nicht mehr wegzudenken.

© SZ vom 27.10.2020 / sz
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