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Jugendhilfeausschuss:"Wir wollen uns nicht noch mehr verzetteln"

Im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es bereits mehrere Familienstützpunkte, darunter in Grafrath.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kreisräte lehnen Familienstützpunkte, ein Hilfsangebot für junge Eltern, ab. Dafür gebe es in Dachau keinen Bedarf

Um ein Kind aufzuziehen, braucht es nach einem afrikanischen Sprichwort ein ganzes Dorf. Doch in der heute oft anonymen Gesellschaft können viele Familien nicht auf ein enges soziales Netz zurückgreifen. Umso wichtiger sind offizielle Anlaufstellen, wo Väter und Mütter Unterstützung bekommen, sich Rat holen und Erfahrungen austauschen können. Der Landkreis ist damit gut aufgestellt, betonte Jugendamtsleiterin Steffi Weinhold im jüngsten Jugendhilfeausschuss des Kreistags. Flächendeckend gebe es vielfältige Angebote, die von den Bürgern intensiv angenommen werden. Neuartige Familienstützpunkte als wohnortnahe Kontakt- und Anlaufstellen wie in anderen Landkreisen, die von der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände (AK) für den Landkreis Dachau angeregt wurden, seien deshalb nicht erforderlich, sagte Weinhold. Das sahen auch die Kreisräte und Experten im Ausschuss so, die den Antrag mehrheitlich ablehnten.

Familienstützpunkte sind gedacht als erste Kontakt- und Anlaufstellen für Familien an ihrem Wohnort. Dort können Eltern sich Rat holen, wenn sie auf der Suche nach Unterstützungsangeboten sind. Auch Projekte wie ein Eltern-Café können angeboten werden. Vor allem sollen Väter und Mütter rasch und ohne viel Aufwand Zugang finden zu passenden Projekten, Beratungsstellen oder Hilfen. Für den Landkreis mit seinem großen Zuzug wären Familienstützpunkte sinnvoll, erklärte Heidi Schaitl, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände und Geschäftsführerin der Dachauer Caritas, im Ausschuss.

Vielen der neu zugezogenen Familien fehle hier der familiäre Bezug. Ein Angebot, wo sich diese Väter und Mütter informieren und vernetzen könnten, auch ohne dass bereits eine ernste soziale Problemlage in der Familie vorherrsche, gibt es bisher nicht. Auch eine primäre Prävention in der Familienbildung sei derzeit im Jugendamt nicht verankert, sagt Schaitl. Der Wunsch der Wohlfahrtsverbände: Dezentral an mehreren Stellen im Landkreis, angedockt etwa an Kitas, sollten Familienstützpunkte eingerichtet werden. Doch Jugendamtsleiterin Weinhold erklärt, es gebe bereits zahlreiche Angebote und vernetzte Strukturen. Und familienpolitische Brennpunkte existierten im Landkreis nicht. Doch ein Familienstützpunkt solle ja keine Brennpunkte verhindern, sondern früher ansetzen und schlicht "Unterstützung bieten in einer anspruchsvollen Lebenssituation", erklärte Schaitl. Auch Landrat Stefan Löwl (CSU) jedoch erkennt in Sachen Familienstützpunkt "nicht den fachlichen Mehrwert im Vergleich zum Aufwand". Um so eine oder gar mehrere Anlaufstellen zu installieren, bestehe "keine zwingende Notwendigkeit". Löwl erinnerte an den Auftrag des Kreistags, die Verwaltung solle sich auf vorhandene Projekte konzentrieren, diese konsolidieren und Neues vorerst nicht mehr anfangen. Schließlich engagiere sich der Landkreis in vielerlei Form für freiwillige Aufgaben, vom Klimaschutz über Bildung bis Integration. "Wir wollen uns nicht noch mehr verzetteln."

Einen Überblick über die Angebote wie auch Beratungsstellen könnten sich Eltern bei KID verschaffen. Das ist ein privates Projekt, das online Informationen zum Thema "Kind in Dachau" bietet und einmal jährlich ein gedrucktes Heft veröffentlicht. Auch das Jugendamt und der sozialpädagogische Dienst seien Anlaufstellen, sagt Löwl. Gegen die Stimmen von Vertretern der Arbeitsgemeinschaft wurde die Einrichtung von Familienstützpunkten im Landkreis abgelehnt.

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