Judenhass nimmt in Bayern wieder zu. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) veröffentlichte kürzlich ihren Jahresbericht für 2025. Demnach dokumentierte die Stelle im vergangenen Jahr 1551 antisemitische Vorfälle im Freistaat – so viele wie noch nie. Um ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Abwertung von Jüdinnen und Juden zu setzen, veranstaltet das Dachauer Forum in Petershausen einen Vortragsabend am kommenden Montag, 11. Mai, unter dem Motto: „Schulter an Schulter miteinander – Wo stehen wir im christlich-jüdischen Dialog?“. Initiator ist der Petershausener Gemeinderat Bernhard Lachmann (Freie Wähler). Im Interview erklärt er die Hintergründe.
SZ: Herr Lachmann, wie kamen Sie auf die Idee, eine Veranstaltung zum christlich-jüdischen Dialog zu organisieren?
Bernhard Lachmann: Ich war vor einigen Jahren mehrfach in Israel, beruflich und privat, und habe das Land kulturell, geschichtlich und religiös kennengelernt. In Gesprächen hier in Deutschland bin ich immer wieder auf Vorurteile und Unwissen gestoßen. Viele haben nur ein sehr einseitiges oder unvollständiges Bild vom Judentum, von Israel und von religiösen Zusammenhängen. Gleichzeitig erleben wir, wie Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in ganz Europa zunehmen. Auch eine Gemeinde wie Petershausen muss hier ein positives Zeichen setzen – so kam die Idee, einen bewusst religiösen, christlich-jüdischen Abend des Dialogs zu veranstalten.

Jahrhundertelang haben die christlichen Kirchen antisemitische Erzählungen verbreitet, etwa dass die Juden Jesus Christus gekreuzigt hätten. Tragen die Kirchen am heutigen Antisemitismus eine Mitschuld?
Genau dies wird ein Thema des Abends sein, ich möchte da nicht vorgreifen. Ich denke, dass neben der christlichen Ausgrenzung der Juden über viele Jahrhunderte auch die Zeit des Nationalsozialismus bis heute nachwirkt. In bestimmten diskreditierenden Redewendungen, Bildern und Vorurteilen sind solche Prägungen immer noch erkennbar. Das liegt auch an mangelndem Wissen über das Judentum und über Gemeinsamkeiten von Judentum und Christentum. Man muss hier mit Aufklärung, Begegnung und Dialog dagegenhalten.
Wissen Christen, Juden oder Muslime zu wenig von der jeweils anderen Religion?
Ja, das ist wahrscheinlich ein Teil des Problems. Der Dialog auf Augenhöhe zwischen den Religionen ist entscheidend. Wer mehr über das Judentum weiß, ist weniger anfällig für Vorurteile. Mit diesem Abend wollen wir dazu beitragen – und zeigen, in welche Richtung eine Gemeinde wie Petershausen den Weg gehen kann: mehr Wissen statt Vorurteile, Dialog statt Abgrenzung, Freundschaft statt Misstrauen.
Sie sitzen jetzt auch im Gemeinderat von Petershausen. Wie bekämpft man Antisemitismus und Rassismus vom Gemeinderat aus?
Als Gemeinderat möchte ich dafür sorgen, dass Petershausen weltoffen und dialogfähig bleibt. Ich will Themen wie Demokratie, Vielfalt und interkommunale Partnerschaften stärker ins Bewusstsein rücken und Ausgrenzung verhindern. Diese Werte sollten sich auch in der Geschäftsordnung des Gemeinderats widerspiegeln – als Grundlage der politischen Arbeit der nächsten sechs Jahre.
Der Abend steht unter dem Motto „Schulter an Schulter miteinander – Wo stehen wir im christlich‑jüdischen Dialog?“ und findet am Montag, 11. Mai, von 19 bis 21 Uhr im Pfarrheim St. Laurentius, Pfarrangerweg 1, in Petershausen statt. Organisator ist das Dachauer Forum in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich‑Jüdische Zusammenarbeit München. Die Teilnahme ist gebührenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Referentinnen und Referenten sind Dr. Andreas Renz, Leiter des Fachbereichs Dialog der Religionen im Erzbischöflichen Ordinariat München, Michaela Rychla von der Israelitischen Kultusgemeinde München, Susanne Deininger, Pastoralreferentin, sowie Bernhard Lachmann vom Kulturforum für Dialog und Freundschaft e. V.

