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Jubiläum:Erfolg ist kein Zufall

Folk Rock aus Südtirol

Simone Kastl-Frisch führt die VHS Bergkirchen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Bis zur Vereinsgründung vor 20 Jahren müssen die Initiatoren der Volkshochschule viel Überzeugungsarbeit leisten

Wie viele erfolgreiche Projekte, so hat auch die Volkshochschule Bergkirchen klein angefangen. "Für das erste Programmheft haben wir die Seiten mit der Schere zugeschnitten und per Hand zusammengetackert", erinnert sich Simone Kastl-Frisch, Gründungsmitglied und heute Vorsitzende der als Verein organisierten Erwachsenenbildung an die Anfänge vor 20 Jahren. Ideen ausarbeiten, Referenten finden, Angebote koordinieren, "im ersten Jahr lief alles ehrenamtlich vom Wohnzimmer aus". Allein das war schon ein Erfolg. Denn das Verständnis im Gemeinderat für die Gründung einer VHS Bergkirchen fehlte völlig. "Es gab erst einmal ein klares Nein", räumt Bürgermeister Simon Landmann (CSU) ein. Die intensive Überzeugungsarbeit des Gründungsteams war aber erfolgreich und mit dem schnell wachsenden Interesse der Bürger wandelte sich bald die Haltung der Kommunalpolitik. Und so präsentiert die VHS Bergkirchen jetzt im Jubiläumsjahr ein attraktives Angebot der kurzen Wege, das die Gemeinde längst intensiv unterstützt. Gefeiert wird das Jubiläum mit einem kleinen Festakt am Sonntag, 23. September, 16 Uhr, im Bruggerhaus.

"Es gab schlicht keine Angebote, Sport nur über die Vereine aber praktisch nichts für Mädchen, keine Weiterbildung, gesundheitliche Prävention oder Sprachkurse. Für alles musste man quer durch den Landkreis fahren", erzählt Simone Kastl-Frisch. "Also haben wir es in die Hand genommen", sagt Anita Zacherl. Der konkrete Anstoß kam von der damaligen Leiterin der VHS Erdweg, Eva Rehm. Denn Erwachsenenbildung ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Die Initiatorinnen mussten nicht überzeugt werden. Das erste Team mit Kastl-Frisch, ihrem Mann Erich Frisch, dazu Anita Zacherl und Anita Hetzel führte Gespräche, überzeugte den Gemeinderat, gründete die Volkshochschule als Verein und legte los. Was mit 50 Kursen, 22 Musikschülern und einer ehrenamtlichen Koordination begann, präsentiert sich heute als leistungsfähige Erwachsenenbildung mit 120 Kursen im Semester, dazu 175 Musikschülern plus 50 Musik-Workshop-Teilnehmer. Das alles professionell geführt von den drei Gründungsfrauen vom VHS-Büro aus, das seit 2015 im Bruggerhaus gemeinsam mit dem Sozialbüro der Gemeinde untergebracht ist. "Dort gibt es ganz andere Möglichkeiten und viele Synergien", schwärmt der Bürgermeister. Besonders schätzt Landmann, dass die VHS ihr Angebot dezentral ausrichtet. Das erspare in der Flächengemeinde den Teilnehmern - und im Fall der Musikschüler ihren Eltern - "viel Fahrerei und Zeit". Zusätzlich zum eigenen Programm setzt die VHS Bergkirchen auf Kooperationsprojekte mit weiteren Akteuren im Bildungs- und Kulturbereich. Gemeinsam mit dem Sozialbüro entstand das Erzählcafé, gibt es Ausstellungen oder Filmvorführungen. Neueste Entwicklung ist der Aufbau einer beruflichen Weiterbildung innerhalb des Gemeindezusammenschlusses der Westallianz.

Ein wichtiger Markenkern sind aber gerade die vielen Kulturangebote, die in den Bürgerhäusern der Ortsteile stattfinden. Keine Selbstverständlichkeit ist auch die integrierte Musikschule, wo Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein Instrument lernen, "von Flöte bis Tube", wie Rathauschef Landmann ausdrücklich lobt. Ganz besonders intensiv engagiert sich die VHS Bergkirchen auch für das in der Öffentlichkeit noch wenig bekannte kulturhistorische Projekt der "Hörpfade". Laien erstellen unterstützt von Radioreportern des Bayerischen Rundfunks spannende Audio-Clips, die interessante Anekdoten zur Dorfgeschichte erzählen, Wissenswertes über Persönlichkeiten aus dem Ort berichten oder Informationen bieten zu in Vergessenheit geratenen Bau- oder Naturdenkmälern. 24 dieser Geschichten über Bergkirchen gibt es schon, Rekord innerhalb des bayernweiten Projekts. Wenn bald einmal die längst geplante Wanderkarte plus Handy-App fertig ist, so Anita Zacherl, werden noch mehr Leute als bisher die interessanten Kurzhörspiele abrufen. Das Projekt Hörpfade ist nur ein Beispiel, wie die VHS nach wie vor Menschen für Ideen und Themen begeistert. "Wir bringen die Leute zusammen", sagt Anita Zacherl.

So bunt wie das Programm präsentiert sich auch die Jubiläumsfeier am Sonntag, 23. September im Bruggerhaus (Römerstraße 3, Bergkirchen). Mit einer Vernissage (16 Uhr) eröffnet die Malgruppe "Mittagsatelier" ihre Ausstellung, die bis 1. Februar 2019 zu sehen ist. Nach einem Grußwort des Bürgermeisters und einem Rückblick auf 20 Jahre VHS Bergkirchen startet ab 17.30 Uhr der unterhaltsame Teil mit dem Improtheater Geh5 und Musik. Bei frisch gebrauten Jubiläumsbier und Häppchen können sich Festgäste auch über die Hörpfade informieren. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 22.09.2018
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