Italienische Widerstandskämpfer Mahnmal und Ort der Hoffnung

Die Gedächtniskapelle neben dem KZ-Friedhof auf dem Leitenberg erinnert an die italienischen Naziopfer.

(Foto: Toni Heigl)

Die Gedächtniskapelle Regina Pacis auf dem Leitenberg wurde vor 55 Jahren geweiht. Eine Eucharistiefeier erinnert daran

Von Marie Groppenbächer, Dachau

Regina Pacis - Königin des Friedens, so heißt die italienische Gedächtniskapelle auf dem Leitenberg in Dachau, am westlichen Rand des KZ-Friedhofs. Ihren Namen trägt sie, wegen der an der Rückwand der Kapelle angebrachten, 2,50 Meter hohen, bronzenen Marienstatue. Vor 55 Jahren wurde sie geweiht. Aus diesem Anlass veranstaltet die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte am Sonntag, 29. Juli, um 18 Uhr eine Eucharistiefeier an der Kapelle.

Italienische Widerstands- und Freiheitskämpfer errichteten die Gebetsstätte für alle im Zweiten Weltkrieg verschleppten Italiener. Insgesamt deportierten die Nazis rund 38 000 Menschen aus Italien. Mehr als 9000 davon inhaftierten sie in das Dachauer KZ. Am 31. Juli 1963 segnete der damalige Erzbischof von Bologna, Giacomo Kardinal Lercaro, die Kapelle unter den Augen des italienische Staatspräsidenten Antonio Segni und des damaligen deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke.

Der Weg zur Kapelle wurde zur gleichen Zeit errichtet und als Kreuzgang gestaltet. An 14 Stationen können Besucher den Leidensweg Jesu Christi nachvollziehen, aber auch der vielen Opfer gedenken, die im Konzentrationslager starben. Der KZ-Friedhof liegt ganz in der Nähe. "Der Ort ist zugleich ein Denkmal, ein Erinnerungsmal, ein Mahnmal und ein Hoffnungsort", sagte Pastoralreferent Ludwig Schmidinger in seiner Predigt zum 54. Jahrestag. Für ihn ist die Gebetsstätte "auch ein Ausdruck dafür, dass die menschenverachtenden Ziele und die weltzerstörerischen Taten der nationalsozialistischen Terrorherrschaft nicht das letzte Wort behalten dürfen". Auch heuer will man wieder allen Naziopfern gedenken. "Dabei schauen wir aber nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft und vor allem in die Gegenwart", sagt Schmidinger. Angesichts der zahlreichen Kriege und Konflikte in der Welt, möchten die Veranstalter, dass Menschen an diesem Ort des Friedens zusammenkommen, um gemeinsam zu beten. Pfarrer Jakob Paula hält den Gottesdienst, Pastoralreferent Schmidinger die Predigt. Um die Geschichte des Ortes greifbarer zu machen, will er auf "spezielle Biografien" eingehen, sagt er.

Das italienische Konsulat kann sich auch in diesem Jahr aus terminlichen Gründen nicht an den Feierlichkeiten beteiligen, wie der katholische Seelsorger an der KZ-Gedenkstätte bedauert. Nichts desto trotz erwartet er, dass am kommenden Sonntag rund 40 Gläubige an der Eucharistiefeier teilnehmen werden. Marie Groppenbächer