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Internationales Kulturfestival:Mikrokosmos Karlsfeld

Beim ersten Internationalen Kulturfestival feiert die 23 000-Einwohner-Gemeinde ihr kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt. Die Veranstaltung soll auch ein Zeichen setzen für ein friedliches Miteinander der verschiedenen Bevölkerungsgruppen

Karlsfeld ist bunt. Und diese Vielfalt will die Gemeinde am kommenden Wochenende feiern. "Wir sind ein Ort, an dem Menschen aus vielen verschiedenen Herkunftsländern friedlich und harmonisch zusammenleben", sagt Vizebürgermeister Stefan Handl. Niemand müsse hier seine Wurzeln verleugnen. Gerade in Zeiten, in denen rechtes Gedankengut wieder salonfähig geworden ist, sei es gut, die Toleranz zu feiern. "Integration wird ja oft als schwierige Aufgabe bezeichnet, aber das Positive daran fällt meist unter den Tisch", erklärt Handl. Mit diesem Fest will die Gemeinde Karlsfeld und mit ihr alle Kulturschaffenden im Ort das Positive am bunten Miteinander in Karlsfeld in den Fokus rücken.

Höhepunkt der Veranstaltung wird ein interreligiöses Gespräch sein, das Imam Ahmad Schekeb, Rabbi Baruch ben Mordechai und der orthodoxe Pfarrer Alexis Vichos führen, die Position der evangelischen Kirche wird Pfarrer Roman Breitwieser vertreten, die der katholischen Diakon Josef Enthofer. Thema ist "Die Freiheit der Andersdenkenden in den verschiedenen Religionen". Handl wird die Diskussion am Sonntag, 21. Juli, um 17 Uhr auf dem Bruno-Danzer-Platz in der Neuen Mitte moderieren. "So etwas hatten wir in Karlsfeld noch nie", sagt er. In der Diskussion will Vizebürgermeister Handl auch auf die Rolle der Kommune eingehen: Was kann sie tun, damit das Miteinander funktioniert?

Ein Schwerpunkt auf dem Fest ist die Städtepartnerschaft mit Muro Lucano. Ein Spitzenkoch aus der Basilikata wird extra anreisen und frische Zutaten aus seiner Heimat mitbringen. Pasta mit verschiedenen Soßen, gegrillter Käse und Antipasti stehen am Samstag, 20. Juli, von 14.30 Uhr an auf der Speisekarte. Außerdem bringt er italienischen Wein mit. Gekocht wird im Bürgertreff am Marktplatz. Zur Einstimmung auf den Süden hat das Bürgerkomitee Fotos früherer Fahrten in die Partnerstadt aufgehängt. Eine Tanzgruppe aus Muro Lucano wird die Gäste mit Tarantella in traditionellen Kostümen unterhalten, später kann man mittanzen.

Doch in Karlsfeld leben nicht nur Deutsche und Italiener (683 an der Zahl). 813 Bürger stammen aus Griechenland, es ist die größte Gruppe. Neben kulinarischen Köstlichkeiten zeigen die Griechen aus Pontos am Samstag um 14 Uhr auch Tänze aus ihrer Heimat. Die Kroaten, mit 693 Köpfen zweitstärkste Gruppe gründen gerade einen Verein. "Es sind in letzter Zeit viele Landsleute zugezogen", sagt Ivan Marinic, der das Restaurant Zadar an der Münchner Straße betreibt. Der Verein wird voraussichtlich "Kroatische Kulturgemeinschaft Dachau" heißen. Noch sind juristische Dinge zu klären, doch Ende des Jahres, so hofft Marinic, wird der Verein sich seinen neuen Aufgaben widmen können. "Alle sind willkommen, nicht nur Kroaten", betont der Wirt mehrfach.

Marinic lebt bereits seit elf Jahren in Karlsfeld. Bei diesem Kulturfest wird er die Kroaten mit Spezialitäten aus seiner Küche vertreten. Außerdem hat er eine Tanzgruppe organisiert, die die Tradition seiner Heimat zeigt, die Gruppe Mladost. Sie tritt am Sonntag, 21. Juli, um 14 Uhr auf der Bühne in der Neuen Mitte auf. Auf dem Kulturfest nicht vertreten sind die Polen - immerhin 684 leben in Karlsfeld - sowie Türken (559). Vizebürgermeister Stefan Handl, der das Fest federführend organisiert hat, bedauert das sehr. "Wir haben am Runden Tisch länger darüber diskutiert. Aber es gibt leider keinen Verein oder Ansprechpartner, der etwas organisieren würde", erklärt er. Trotzdem versucht Karlsfeld, sich an diesem Wochenende so international wie möglich zu präsentieren. So bieten die Essensstände sogar chinesische, indische und mexikanische Spezialitäten.

Der Cowboy-Club "Colorado Boys" bringt am Samstag um 17 Uhr mit seinen mexikanischen Tänzen sogar ein bisschen lateinamerikanisches Lebensgefühl auf die Bühne. Kurz darauf geben die Boys sogar noch eine Squaredance-Kostprobe nach US-amerikanischem Vorbild und schwingen auf dem Marktplatz ihre Lassos nach alter Cowboy-Tradition. Ohne Tanz, dafür aber mit Geschichten präsentiert sich der jüdische Verein Jadbjad am Sonntag von 12.30 Uhr an. Auch die Flüchtlinge dürfen bei dem bunten Kulturfest in der Ortsmitte nicht fehlen. Einige von ihnen lesen am Sonntag gegen 16.30 Uhr Gedichte zum Weltfriedenspfad am Karlsfelder See.

Natürlich kommt auch die bayerische Kultur nicht zu kurz: Die Pichlstoana Blasmusik eröffnet das Fest, die Blaskapelle Karlsfeld bestreitet den Samstagabend mit ihrem Jubiläumskonzert zum 60-jährigen Bestehen. Die Bläser haben aus diesem Anlass alle ihre Lieder unter das Motto "Rund um die Welt" gestellt. Die Bigband Karlsfeld spielt zum Frühschoppen, am Nachmittag unterhält die Original Effner Band. Auch d'Knödldrahra werden mit Trachten und bayerischen Tänzen aufwarten. Eine schöne Show dürfte vom Karlsfelder Jugendtanzsportclub (JTSC) dargeboten werden. Verschiedene Gruppen zeigen ihr Können, darunter die Rasselbande, Minis, Freaky Kids und einige mehr.

"Das Programm wird sich gut ergänzen. Es gibt einen Einblick über die unterschiedlichen Facetten heimischer Kultur", sagt Handl. Für Kinder ist ein Zelt aufgebaut, in dem sie nach Herzenslust malen und gestalten dürfen. Außerdem können sie am Samstag Geschichten hören und Märchenreisen durch andere Kulturen und fremde Kontinente unternehmen. Einige Kinder werden auch mit Flöte oder Chor auf der Bühne stehen.

Auch wenn beim ersten Karlsfelder Kulturfest nicht so sehr die Kunst im Vordergrund steht wie bei "Seh am See", wird es mit einer Ausstellung des Kunstkreises am Freitag, 19. Juli, eröffnet. Die Mitglieder präsentieren einen bunten Mix an Stilen, Techniken und Materialien zum Thema "Farbklänge" in der Galerie-Kunstwerkstatt (Bericht folgt), die Eröffnung ist um 19 Uhr. Wer sich für Ebru-Malerei interessiert, eine klassische islamisch-türkische Kunstform des Malens mit Wasser, kann dem Künstler Abdurrahman Vakkas Imamoglu am Samstag von 15 Uhr an in der Galerie über die Schulter schauen. Währenddessen wird ein traditioneller Oud-Spieler (die Oud ist ein persisches Saiteninstrument) die Gäste einstimmen. Die Ausstellung ist auch am Sonntag geöffnet. Zum krönenenden Abschluss des Kulturfests gibt das Karlsfelder Sinfonieorchester ein Konzert im Bürgerhaus.