Internationales Chorkonzert Musikalische Sternstunde

Der Gemischte Chor Petershausen singt in der voll besetzten Kirche Sankt Stefan in Schönbrunn mit dem Prager Chor "Hlahol" und dem Deutsch-Französischen Chor München Dvořáks D-Dur-Messe

Von Adolf Karl Gottwald, Röhrmoos

Da hat der Gemischte Chor Petershausen einen guten Griff getan, als er im Sommer 2010 Roman Novak als Chorleiter bestellte; denn Novak ist nicht nur ein guter Chordirigent, er ist auch schon seit 2001 künstlerischer Leiter eines traditionsreichen Chors in Prag. Da musste sich doch eine musikalische Zusammenarbeit anbahnen! Irgendwie kam es auch zu einer Verbindung mit dem Deutsch-Französischen Chor München, und der Grundstein für einen gemeinsamen Auftritt war gelegt. Aber in welcher Sprache soll gemeinsam gesungen werden, wie überwindet man die Sprachbarrieren? Ganz einfach: Man greift auf die Sprache zurück, die in Europa bis in die Neuzeit, in der katholischen Kirche sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein die verbindliche war, nämlich Latein. Und auf das Italienische kann man auch mehr oder minder zählen. Also sang man im gemeinsamen Konzert das Pater noster (Vater unser), das Dante ins Italienische übersetzt und Verdi in dieser Fassung vertont hat, sowie als Hauptwerk die (lateinische) Messe von Antonin Dvořák. Für ein internationales Chorkonzert dieser Art war die Petershausener Dorfkirche trotz der Verlängerung ihres Langhauses im Jahr 1890 viel zu klein. Also ging man nach Schönbrunn, das Petershausener Publikum ging offenbar gerne mit, und die große Kirche in Schönbrunn war voll besetzt.

Beim internationalen Chorkonzert darf auch die Dachauer Sopranistin Anna-Maria Bogner (ganz links im Bild) nicht fehlen

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dvořák hat seine Messe in D-Dur 1887 für Soli, gemischten Chor und Orgel geschrieben, 1892 aber die Orgelstimme als Partitur für Orchester bearbeitet. So klingt es besser, also freute sich der Chor aus Petershausen mit seinen Freunden auf eine Zusammenarbeit mit dem von Musikern aus Prag verstärkten Petershausener Kammerorchester unter der Leitung von Eugen Tluck.

Das Chorkonzert begann mit der Aufführung des "Pater noster" in italienischer Sprache von Giuseppe Verdi, in die Eugen Tluck und das Petershausener Kammerorchester mit dem "Ave Maria" aus Verdis Oper "Otello" in einem Arrangement für Streichorchester einstimmten. Das Orchester spielte dieses Stück möglichst kirchlich, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, dass es eigentlich in eine Oper gehört. In diesen Ton stimmte auch Roman Novak mit seiner Aufführung des Pater noster von Verdi ein: alles getragen und kirchlich fromm, auch bei eigentlich opernhaften Wendungen keine Dramatik. Verdi hat dieses Werk nicht für die Kirche geschrieben, die Uraufführung fand im Opernhaus, in der Mailänder Scala, statt. Novak hat Verdis Pater noster jetzt stilistisch in die Kirche übertragen.

Die Interpretation der Stücke fällt entsprechend dem Rahmen, der Kirche Sankt Josef in Schönbrunn, eher getragen als dramatisch aus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ganz in seinem Element aber war Novak bei der Aufführung der Messe von Antonin Dvořák. Jetzt durften Chor- und Orchesterklang aufblühen, und die Solisten konnten ihre meist sehr dankbaren Aufgaben mit Freude und Hingabe wahrnehmen. Eine Altistin sowie Tenor und Bass hatte Novak aus Prag mitgebracht, aber den Sopran sang Anna-Maria Bogner aus Dachau so souverän und schön wie man das von ihr gewohnt ist. In den Messen der Wiener Klassiker, vor allem bei Mozart, wird die Altstimme recht stiefmütterlich behandelt, Dvořák aber gab ihr besonders viel zu singen. Das Credo etwa ist zum größten Teil als Dialog zwischen Alt und Chor komponiert. Pavla Mlčáková nahm ihren großen Part präsent wahr und überraschte mit einem sehr schönen Ausflug in die für eine Altstimme ungewöhnliche Höhe. Martin Slavik erwies sich als brillanter hoher Tenor, neben dem der Bass (Jan Moravek) in Dvořáks D-Dur-Messe nicht besonders viel zu sagen hat.

Im Mittelpunkt der Aufführung aber stand der große international besetzte Chor von rund 40 Frauen- und 21 Männerstimmen, sehr gut einstudiert, überaus engagiert singend und hervorragend geführt von Roman Novak. Auch das Orchester mit Konzertmeister Eugen Tluck war absolut richtig und zuverlässig zur Stelle. Antonin Dvořák hat den ursprünglichen Orgelpart seiner Messe für großes Orchester mit Streichern, Holz- und Blechbläsern instrumentiert. Das Petershausener Kammerorchester übernahm diese üppige Instrumentierung nicht ganz, sondern präsentierte eine Art Zwischenlösung. Zu den obligaten Streichinstrumenten kamen nur zwei Oboen als Blasinstrumente dazu, der Rest wurde auf einer kleinen Orgel dargestellt. Das klang in der akustisch hervorragenden Schönbrunner Kirche sehr gut, hier wäre Dvořáks Originalinstrumentierung wahrscheinlich zu dick aufgetragen gewesen. Die erste musikalische Sternstunde des neuen Jahres 2019 feierten die Petershausener in Schönbrunn. Vielleicht erinnerte sich mancher Konzertbesucher der absoluten musikalischen Sternstunde in dieser Kirche. Es war eine unübertreffliche, äußerst anrührende Aufführung von Antonin Dvořáks Symphonie Nr. 9 mit dem Karlsfelder Symphonieorchester unter der Leitung des unvergessenen großen Dirigenten Jaroslav Opěla.