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Integration:Bildung ist der Schlüssel

Integrationsbeirat Landkreis Dachau

Die Integrationsbeauftragte Aferdita Pfeifer (r.), Bildungskoordinatorin Jasmin Lipp und Landrat Stefan Löwl präsentieren den neuen Bericht.

(Foto: Landratsamt Dachau)

Erstmals haben Fachstellen einen Bericht zur Situation von Migranten im Landkreis vorgelegt. Der Integrationsbeirat sieht Handlungsbedarf. Unter anderem die Kommunikation mit Eltern von Schulkindern soll sich verbessern

Es ist unumstritten: Für Menschen, die aus dem Ausland neu in den Landkreis kommen, sind Bildung und Arbeit wichtige Schlüssel zur Integration. Doch wie viele Bürger mit ausländischem Pass leben im Landkreis? Wie viele Kinder mit Migrationshintergrund besuchen hier Kitas und Schulen, welche Sprachförderung gibt es? Wie gelingt Geflüchteten der Übergang ins Berufsleben? Antworten liefert jetzt der erste Bildungsbericht für den Landkreis Dachau, den Bildungskoordinatorin Jasmin Lipp gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten Aferdita Pfeifer in der Sitzung des Asyl- und Integrationsbeirates präsentiert hat.

Die Beiratsmitglieder - das sind Migranten, Kommunalpolitiker und Fachleute der Behörden - lobten das Schreiben als wichtige Arbeitsgrundlage und erkannten erste Handlungsfelder: Die ausbildungsbegleitenden Hilfen "sind nicht ausreichend, werden aber stark benötigt", erklärte Georg Weigl, ÖDP-Kreisrat aus Markt Indersdorf. In Kitas und Schulen sollte die Kommunikation mit den Eltern verbessert werden, die ausgebildeten Kulturdolmetscher im Landkreis könnten stärker zum Einsatz kommen, findet Beiratsmitglied Lida Ansari.

Auf Vorschlag von Landrat Stefan Löwl (CSU) entschied das relativ neue Gremium nach engagierter Debatte, der wichtigen Elternbildung eine eigene Sitzung zu widmen. Immer wieder sei zu beobachten, dass Kinder ihre Väter oder Mütter begleiten zum Elternabend, "um zu übersetzen", sagt Lida Ansari, selbst Erzieherin. Keine gute Lösung, denn die Kleinen gehörten abends ins Bett, statt ins Klassenzimmer. Besser wäre es, wenn die vom Dachauer Forum geschulten Kulturdolmetscher hier zum Einsatz kämen. Das sind Männer und Frauen mit Migrationshintergrund, die sprachliche und kulturelle Brücken schlagen sollen zu Landkreisbürgern aus ihren Herkunftsländern. Sprachliche Hürden bei der Kommunikation mit Eltern sind nicht neu in Schulen und Kitas, doch das Thema gewinnt an Bedeutung. Denn laut Bildungsbericht werden heute doppelt so viele Mädchen und Buben mit Migrationshintergrund in Kitas betreut als noch vor sieben Jahren.

Auch in den Schulklassen sitzen mehr Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache. Deren Anteil hat sich von elf Prozent im Jahr 2008 auf 26 Prozent im vergangene Schuljahr erhöht. Hintergrund dieser Entwicklung ist auch die starke Zuwanderung aus der Europäischen Union. Doch wie viel Unterstützung durch Dolmetscher ist sinnvoll, ohne die Motivation, Deutsch zu lernen, zu untergraben, fragte der Landrat. Wenn alle Info-Blätter übersetzt und Dolmetscher bei jedem Elternabend übersetzen würden, verringere sich die Notwendigkeit zum Spracherwerb.

Doch gerade Elternabende seien ein sinnvolles Einsatzgebiet für Kulturdolmetscher, betonte auch Caroline Palminha von der Migrationsberatung des Vereins von Mensch zu Mensch. "Damit könnten wir einen Anreiz für Väter und Mütter schaffen, überhaupt zu kommen." Je intensiver die Probleme, je grundlegender die Themen, desto wichtiger eine sprachliche Unterstützung, sagte Kreisrätin Sylvia Neumeier (SPD). Schon jetzt würden die in Helferkreisen engagierten Bürger Flüchtlinge oft zu Gesprächen in Schulen oder Kitas begleiten.

Aber auch Einwanderer aus dem EU-Ausland, die in jüngster Zeit vor allem aus Osteuropa in den Landkreis kommen, benötigen Hilfe, so Palminha. Tatsächlich sei dieser Personenkreis im Gegensatz zu den meist zentral untergebrachten Asylbewerbern "schwer greifbar", bestätigte Bildungskoordinatorin Lipp.

Aus dem Bildungsbericht lasse sich Handlungsbedarf ableiten, so der Tenor der Debatte. Das Schreiben zeigt auch auf, dass 59 Prozent der deutschen Schüler nach der vierten Klasse auf weiterführende Schulen wechseln, aber nur 27 Prozent der ausländischen Kinder diesen Sprung schaffen. Die Ursachen für diese Diskrepanz müssten genauer untersucht werden, so Lipp.

Aber eine bessere Vermittlung des deutschen Schulsystems an die ausländischen Eltern könnte ein Ansatz sein, finden die Mitglieder des Asyl- und Migrationsbeirats. Und ein Einsatzgebiet für Kulturdolmetscher, die bisher noch wenig angefragt werden, wie Beiratssprecher Ahmad Navid, selbst ausgebildeter Kulturdolmetscher, aus eigener Erfahrung berichtete. Auf Vorschlag von Landrat Löwl einigten sich die Beiräte, dem Thema "Elternbildung" eine eigene Sitzung zu widmen, zu der auch Vertreter von Schulamt und Kitas geladen werden.