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Innovatives Energiekonzept:Eco-City in Petershausen

Wenn es nach dem Gemeinderat geht, soll die Rosensiedlung ein Kohlendioxid-neutrales Energiekonzept erhalten. Mit einem zentralen Blockheizkraftwerk und Photovoltaik-Anlagen wäre das möglich. Bürgermeister Fath will nun mit Eigentümern und Netzbetreiber sprechen

Von Horst Kramer, Petershausen

Wird Petershausen die erste "Eco-City" in der Region? Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung trafen die Ratsmitglieder einen weit reichenden Beschluss, der einen Weg in eine Kohlendioxid-neutrale Zukunft eröffnet. Das Gremium entschied, dass die neue Rosensiedlung Wärme und Strom nutzen soll, die größtenteils vor Ort erzeugt wird. Das soll durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und einen Spitzenlastheizkessel, der Holzpellets oder alternativ Erdgas verfeuert, möglich werden. Außerdem soll es eine sogenannte zentrale "Kundenanlage", die den vor Ort durch PV-Anlagen und das BHKW erzeugten Strom an die einzelnen Quartiere verteilt, geben. Das Stromnetz der Rosensiedlung ist aber weiterhin mit dem allgemeinen Stromnetz verbunden. So kann man zum einen eventuelle Versorgungslücken ausgleichen, aber auch überschüssigen Strom ins Netz leiten und so über die Einspeisevergütung Einnahmen zu erzielen. Doch das ist noch nicht alles: Mittelfristig könnte das - umgerüstete - BHKW auch "grünen" Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, als Brennstoff nutzen.

Die Ratsmitglieder von dem Projekt überzeugen konnte Markus Brautsch. Der Chef des Amberger Instituts für Energietechnik (IfE) erklärte das zukunftsweisenden Projekt in einer einstündigen Präsentation via Telekonferenz. Zum einen stellte er dabei Referenzprojekte wie das Wasserstoff-BHKW im unterfränkischen Haßfurt vor, für das Brautsch und sein IfE im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurden. Zum anderen legte er eine Vielzahl an Beispielrechnungen dar, bei denen der Energieexperte Kosten und Kohlendioxidemissionen von konventionellen und verschiedenen nachhaltigen Lösungen gegenüberstellte. Nach den Berechnungen des IfE-Teams könnte der Strompreis mit einer Kundenanlage bei 21,5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Ohne Kundenanlage schätzt der Professor den Strompreis auf 25,2 Cent. Als Rahmenbedingungen für diese Preise nahm er in etwa 250 "Letztverbraucher" an, der energierechtliche Begriff für "Endkunde". Denn in der Siedlung entstehen 240 Wohnungen. Legt man den Berechnungsfaktor des Landkreises zugrunde, werden dort dereinst rund 520 Menschen leben. Brautsch errechnete daraus einen jährlichen Strombedarf von knapp 560 000 Kilowattstunden. Er wies allerdings mehrfach darauf hin, dass der Einsatz einer Kundenanlage vorab mit dem Netzbetreiber, die Bayernwerk Netz GmbH, abgeklärt werden muss.

Baugebiet an der Rosenstraße

240 Wohnungen sollen in der Rosensiedlung entstehen. Damit bräuchten die Anlieger jedes Jahr knapp 560 000 Kilowattstunden Strom.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Thema E-Mobilität sprach der Professor zwar an, in seinen Kalkulationen spielte es jedoch noch keine Rolle. Ebenso wenig wie die Dachbegrünung als Baustein beim Umgang mit Regenwasser. Denn die Gemeinde versucht einerseits ein modernes "Schwammstadt"-Prinzip (englisch "Sponge City") zu realisieren, bei dem Oberflächenwasser nicht einfach kanalisiert und abgeleitet wird, sondern versickern kann oder auch gespeichert wird. Andererseits sollen Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern wichtigen Strom produzieren. Ebenfalls noch offen ist, welchen Energieträger der Heizkessel nutzen soll: billiges Erdgas oder "grüne" Pellets. Der Gemeinderat muss außerdem entscheiden, ob er den Gebäude- und Wohnungsbesitzern vorschreiben will, dass sie sich an die zentralen Strom- und Wärmenetze anschließen müssen. Bei den knapp 40 Prozent der "Rosensiedlung", die der Gemeinde gehören, sollte das rechtlich unproblematisch sein, die restlichen 60 Prozent sind im Besitz einer Handvoll Eigentümern. Brautsch machte klar, dass eine hohe Anschlussquote entscheidend für den Erfolg des Projekts sein wird.

Gerhard Weber (CSU) wirkte optimistisch: "Das zentrale Konzept ist ein schlagendes Argument." Bürgermeister Marcel Fath (FW) sieht das genauso. Er versprach, mit den Eigentümern "einvernehmliche Wege" gehen zu wollen. Er hätte sich gewünscht, "heute schon über einen Einstieg in die Wasserstofftechnologie reden zu können", so Fath. "Allerdings fehlen dazu bei uns noch die Voraussetzungen". Brautsch hatte zuvor von einem Zeitraum von "fünf bis zehn Jahren" gesprochen, nach dem ein Wasserstoff-Bezug über ein Leitungsnetz möglich sein könnte. Die Perspektive für eine CO2-neutrale Rosensiedlung ist mithin durchaus in Reichweite.

„Grüne“ Energie

Wasserstoff ist generell ein farbloses Gas. Es wird aus Wasser mittels Elektrolyse gewonnen. Wenn der elektrische Strom, der dazu benötigt wird, ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde (Windkraft, PVA, Biomasse), spricht man von "grünem" Wasserstoff. kram

Das Gremium beauftragte Bürgermeister Fath, die Machbarkeit des Konzepts mit dem Netzbetreiber abzustimmen sowie mögliche Betreiber einer Kundenanlage anzusprechen. Brautsch wird der Gemeinde jedoch weiterhin zur Verfügung stehen. Siebzig Prozent der Kosten trägt der Freistaat. Das IfE berät übrigens auch ein interkommunales Ressourcen-Netzwerk im Nachbarlandkreis Pfaffenhofen/Ilm.

© SZ vom 09.03.2021
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