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Innovation in Dachau:Grüner Wolkenkratzer

Haus Augsburger Straße 63 Dachau

Ein neues Wahrzeichen für Dachau? Das ist ein allererster Entwurf des siebenstöckigen Gebäudes. Simulation: vk Wohnbau

Ein Investor möchte in Dachau einen 23 Meter hohen Turm mit begrünter Fassade errichten. Der Stadtrat ist aufgeschlossen

Wer von Webling in die Stadt hereinkommt, wird künftig vielleicht auf ein sieben Etagen in die Höhe ragendes "Punkthaus" mit innovativ begrünter Fassade zufahren. So einen markanten, 23 Meter hohen Turm möchte ein Investor dort bauen, wo gegenüber der Polizeiinspektion lange Jahre eine Tankstelle mit Werkstatt in Betrieb war. Noch ist nichts entschieden, doch die Stadträte im Bauausschuss zeigten sich durchweg aufgeschlossen für die ungewöhnliche Idee.

Die sieht vor, neben dem Finanzamt, wo die Augsburger Straße in den Bürgermeister-Zauner-Ring mündet, einen siebenstöckigen Kopfbau zu errichten, der mit seiner besonderen Gestaltung den Ortseingang dort betonen soll. Vorgelagert würde an der Kreuzung ein öffentlicher Vorplatz entstehen. Entlang der Augsburger Straße könnten sich zwei vier- und dreigeschossige Häuser dann Richtung Norden anschließen. "Grundsätzlich kann man sich so etwas vorstellen", sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) und erinnerte, dass natürlich für dieses Vorhaben auch die Vorgaben der Dachauer Richtlinien zur Baulandentwicklung Anwendung finden. "Dort entstehen dann auch geförderte Wohnungen." An dieser Stelle sei eine "städtebauliche Landmark denkbar und eine innovative Fassadenbegrünung verträglich", stimmte SPD-Stadtrat Volker C. Koch zu.

Ein "markantes Exempel für eine ökologische Fassadengestaltung" kann sich auch Luise Krispenz (Grüne) vorstellen. Die CSU hat ebenfalls nichts dagegen, dass auf dieser Grundlage geplant wird, erklärte Gertrud Schmidt-Podolsky. Allerdings hätten die Christsozialen gerne auch "eine Vorstellung", was künftig auf dem gegenüberliegenden Grundstück passiert. Dort wird die Polizeiinspektion (PI) ausziehen, sobald der geplante Neubau am John-F.-Kennedy-Platz steht. Noch ist offen, was auf dem frei werdenden innerstädtischen PI-Areal entsteht, das dem Freistaat gehört. Die CSU wüsste gerne, was die Vorstellungen der Stadt zu dieser Fläche sind. Ein "Hochpunkt", wie jetzt vom Investor für das Grundstück an der Augsburger Straße 63 vorgeschlagen, sei nur in dieser besonderen Lage sinnvoll, erklärte Bauamtsleiter Moritz Reinhold. Einen zweiten Turm vis-à-vis auf dem PI-Areal soll es also nicht geben.

Rainer Rösch (ÜB) kann sich wenig mit der Idee eines derart in die Höhe ragenden Gebäudes anfreunden: "Die Flächen in der Stadt sind begrenzt, aber ob man so hoch bauen muss?" Bedenken hat Rösch auch, was die Zufahrt betriff zu dem Gebäude-Komplex an der Augsburger Straße mit Wohnungen, Büros und einer Bäckerei oder Café im Erdgeschoss. Schon bisher hätten Fahrzeuge, die zur Tankstelle von der Stadt kommend links abbiegen wollten, den Verkehr komplett lahmgelegt. Angedacht sei eine Tiefgarage an der nördlichsten Stelle, also möglichst weit weg von der Kreuzung, erklärte Reinhold. Dort sollen auch Stellplätze für die vorgesehenen Büros unterkommen. Weil Autofahrer aber gerne "nur mal schnell beim Bäcker etwas holen und dann auf dem Radstreifen oder Gehweg stehen", wie Krispenz anmerkte, werden wohl auch oberirdische Stellplätze vorgesehen werden.

Die Stadträte stimmten mehrheitlich zu, auf Basis des vorgestellten Konzepts zu planen. Eine Gegenstimme kam von Rainer Rösch (ÜB). Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan wird in Angriff genommen, sobald mit dem Investor eine Vereinbarung zu den Dachauer Grundsätzen der Baulandentwicklung geschlossen ist.

© SZ vom 21.02.2020
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