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Indersdorfer Bussystem:Total verfahren

Kompliziert, schlecht und völlig aus dem Takt: Die Um(welt)denker haben einen praktischen Faltplan konzipiert, der zugleich eklatante Schwächen des Indersdorfer Bussystems aufdeckt.

Wenn Georg Weigl, Peter Doll und Michael Hartmann (Wählergruppe Um(welt)denken) danach gefragt werden, wie lange sie an dem Busfahrplan gearbeitet haben, beginnen sie, laut zu stöhnen. Niemals hätten sie gedacht, dass es so schwer sein würde, die Verbindungen aus dem dicken Handbuch des MVV herauszufiltern. Aber jetzt, nach zwei Monaten des "Herumfieselns", liegt das kleine, praktische Faltwerk druckfrisch vor ihnen und damit auch eine erschreckende Erkenntnis: "Das Busnetz um Markt Indersdorf ist nicht nur kompliziert, sondern auch sehr schlecht", fasst Georg Weigl zusammen.

Bereits vor vier Jahren hatte er im Kreistag den Antrag gestellt, im Zuge der Elektrifizierung der S2 auch das Bussystem zu überarbeiten. Allein die Anregung, einige Strecken mit einem Anrufsammeltaxi (AST) als Ergänzung zu bedienen, wurde in Angriff genommen. "Die Busfahrpläne selbst wurden nicht angefasst", bedauert Weigl, und zwar in zweifacher Hinsicht. Denn erstens fehlt es an allen Ecken und Enden im Gebiet der Marktgemeinde an Buslinien, die es überhaupt zu ergänzen gäbe und zweitens wurde bis auf einen kleinen Artikel im Anzeigenblatt bislang keinerlei Werbung für das Angebot gemacht. Entsprechend wenig wird es genutzt.

Statt zu lamentieren, hatte die Wählergruppe deshalb beschlossen, selbst einen Fahrplan herauszugeben, in dem wenigstens die AST- und Busverbindungen von sieben Hauptorten (Cyclostraße, Hirtlbach, Glonn, Ainhofen, Langenpettenbach, Wagenried und Arnzell) zum und ab dem Bahnhof von Markt Indersdorf festgehalten sind. Die Suche in dem dicken MVV-Streckenfahrplan erwies sich jedoch als sehr schwierig. Peter Doll: "Man kann es einem Bürger kaum zumuten, sich da durchzukämpfen". Und Michael Hartmann sagt: "Wir hätten nie gedacht, dass es so viele schlechte Verbindungen gibt." Georg Weigl: "Und die, die da sind, sind auch noch unglaublich kompliziert." Denn manche Linien, so stellte er fest, fahren zwar zehn bis zwölf Mal am Tag, allerdings fünf bis sechs verschiedene Strecken. Mal wird an einer Haltestelle gehalten, dann wieder nicht, dann würden drei verschiedene Linien die gleiche Strecke fahren. Ein Konzept sei an keiner Stelle zu erkennen und beim Stichwort "Takt" lachen die drei Um(welt)denker nur laut: "Unsere Busse sind absolut taktlos."

Ihre Hauptarbeit war es deshalb, Ordnung in den Dschungel aus Linien und Zeiten und Haltestellen zu bringen. Inklusive Haltestellen- und Zeiten für das Anrufsammeltaxi. Dabei haben sie lediglich Buslinien weggelassen, bei denen man mehr als 30 Minuten Wartezeit vom und zum nächsten S-Bahnanschluss hat. Trotzdem ist der Faltplan so lang wie ein großes Plakat geworden, "kann aber thematisch nach Ort einzeln aufgeklappt werden", sagt Weigl.

Die Arbeit ist getan, die Pläne werden zum Teil an die Haushalte verteilt oder liegen unter anderem im Rathaus und der Sparkasse aus. Die Frustration bleibt. "Wir haben wirklich ein sehr dünnes Angebot an Bussen, die im Prinzip meist nur von Schulbuslinien angefahren werden. Das animiert keinen Autofahrer, auf den ÖPNV umzusteigen", sagt Georg Weigl. Deshalb hat er erneut einen Antrag im Kreistag gestellt, dass das System überarbeitet wird. Vermutlich wird das Thema aber nicht vor dem nächsten Fahrplanwechsel behandelt. Weshalb Weigl zumindest fordert, den Probebetrieb des Sammeltaxis zu verlängern. Ob der neue Fahrplan dabei hilft, dass mehr Pendler den Schritt in den Bus und die Bahn wagen, kann Weigl nicht sagen. "Aber wenigstens wird er ihnen jetzt etwas erleichtert."

© SZ vom 23.03.2015
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