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Indersdorf bekommt einen neuen Festwirt:Ende einer Ära

49 Jahre lang hat die Familie Lanzl das große Zelt auf dem Indersdorfer Volksfest geführt. Veranstalter Josef Schuster präsentiert für 2019 einen neuen Wirt - er soll frischen Wind in das Traditionsfest bringen.

Bei vielen Volksfesten ist es nicht ungewöhnlich, dass sich die Veranstalter immer mal wieder für einen neuen Festwirt entscheiden. In Markt Indersdorf dagegen war das Volksfest untrennbar mit der Festwirtsfamilie Lanzl verbunden. 49 Jahre lang bewirteten die Lanzls das Zelt. Doch das 50. Jubiläum werden die Gastronomen aus Ingolstadt nächstes Jahr in Markt Indersdorf nicht mehr feiern können. Volksfestveranstalter Josef Schuster hat der Lanzl Gastronomie GmbH mitgeteilt, dass es 2019 keine Zusammenarbeit mehr geben wird. Schuster hat schon einen neuen Festwirt an Land gezogen: Franz Widmann junior, Spross einer Landshuter Festwirtsfamilie.

Volksfest

Die Mädels und Burschen feiern auf dem Indersdorfer Volksfest.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Josef Schuster teilte der Lanzl Gastronomie GmbH die Nachricht am Freitag per Telefon mit. "Das war nicht nur sehr überraschend, das hat mich schockiert", schildert Geschäftsführerin Michaela Kemper ihre Reaktion. Noch im Juli habe es ein Gespräch mit Schuster zu den Vorbereitungen des Volksfests 2019 gegeben. Die Bands waren bereits gebucht, die Arbeiter für den Zeltaufbau organisiert. "Der Anruf von Herrn Schuster hat uns jetzt eiskalt erwischt." Die Entscheidung trifft die Lanzl Gastronomie GmbH wirtschaftlich hart. Geschäftsführerin Kemper stellt aber auch fest, dass der Zeitpunkt für das Unternehmen sehr ungünstig sei. "Wir haben jetzt nur noch einen kurzen Vorlauf, uns anderweitig zu orientieren." Gleichzeitig rätselt Michaela Kemper über die Gründe der Trennung. Veranstalter und Gäste seien mit der Arbeit der Festwirtsfamilie immer zufrieden gewesen. "Das persönliche Miteinander mit der Familie Schuster war immer gut". Das habe auch Josef Schuster bestätigt. Als Grund für die Trennung habe er lediglich angeführt, dass er etwas Neues ausprobieren will.

Es ist Party angesagt.

(Foto: Toni Heigl)

Schuster verteidigt seine Entscheidung, auch wenn er sie schweren Herzens getroffen hat. Persönlich tue es ihm leid. Aber in erster Linie geht's ums Geschäft. Schuster will frischen Wind aufs Volksfest bringen. Das hat sich seiner Ansicht nach sehr verändert. Es werde immer mehr von jungen Leuten besucht. Danach müsse sich auch das Angebot richten. "Wir müssen uns bemühen, auf sie einzugehen. Es gibt viel Konkurrenz durch andere Veranstaltungen." Das Volksfest brauche einen zukunftsfähigen Weg. "Wir müssen das Beste herausholen", so Schuster. In seinen Augen lief es zuletzt nicht optimal, weil verschiedene Dinge nicht mehr funktionierten. Die Dienstleistung müsse verbessert werden. "Und ich brauche jemanden, der meine Ideen umsetzt."

"Wir bedauern das Ende sehr"

In Franz Widmann junior aus Landshut sieht er dafür den richtigen Mann. Widmann ist 30 Jahre alt und stammt aus einer gut eingeführten Festwirtsfamilie. Sie bewirtschaftet das Festzelt auf der Landshuter Dult und auf dem Volksfest Plärrer in Augsburg. "Die machen das toll, sehr professionell", schwärmt Schuster. Er habe das Gefühl, den Richtigen gefunden zu haben. Die Suche nach dem perfekten Festwirt sei viel Arbeit gewesen. Schuster war deshalb oft unterwegs. Wie Michaela Kemper stellt auch der Veranstalter fest, dass es für die Entscheidung keine wirtschaftlichen Gründe gegeben hat. Schuster wollte schlicht Veränderungen, die dem jungen Publikum geschuldet sind.

Veranstalter Josef Schuster (Vierter von links) will dem jungen Publikum stärker Rechnung tragen. Michaela Kemper, Geschäftsführerin der Lanzl Gastronomie GmbH (rechts daneben), bedauert das Ende der Zusammenarbeit.

(Foto: Toni Heigl)

Aus dem 50. Jubiläum der Festwirtsfamilie Lanzl auf dem Indersdorfer Volksfest wird nun nichts. Eigentlich sollte es gebührend gefeiert werden. "Wir haben überlegt, zum Jubiläum einen Bierpreis wie vor 50 Jahren anzubieten", sagt Michaela Kemper. Das Ende auf dem Volksfest trifft sie hart. Für die Lanzls war es etwas Besonderes. Die Familie ist in dem Ort sehr bekannt. Mit der Familie Fuchsbüchler, die früher das Bier für das Volksfest braute und auch Veranstalter des Festes war, waren die Lanzls eng befreundet. "Die Gäste waren immer zufrieden", sagt Kemper. Deshalb seien sie über die Entscheidung Schusters verwundert. "Wir bedauern das Ende sehr, bedanken uns aber bei den Indersdorfern für das gute Miteinander." Auch Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser lobt die gute Kooperation mit der Festwirtsfamilie, die 14 Jahre lang mit Josef Schuster zusammengearbeitet hat. "Für die Gemeinde ist es aber das Wichtigste, dass das Traditionsfest weitergeht."