In drei Jahren seit der Gründung Eine Erfolgsgeschichte

Projektleiterin Christine Unzeitig. Die Stadträtin freut sich über Erfolge im Tourismus im Landkreis.

(Foto: Niels Jörgensen)

Der Verein Dachau Agil hat mit seinem Projekt Naherholung und Tourismus unter der Leitung der Stadträtin Christine Unzeitig den bislang eher mauen Fremdenverkehr im Landkreis kräftig angekurbelt

Von Helmut Zeller, Dachau

Das Tourismusprojekt von Dachau Agil ist jetzt dreieinhalb Jahre alt und hat in dieser Zeit den Fremdenverkehr im Landkreis Dachau stark angekurbelt. Das belegen auch die neuesten Zahlen des bayerischen Landesamts für Statistik: Im ersten Halbjahr wurden doppelt so viele Gäste wie im Vorjahr registriert. Vor allem wird das Dachauer Land auch für Radfahrer zunehmend attraktiv. Gerade für den Ausbau des Radtourismus hat Projektleiterin Christine Unzeitig, CSU-Stadträtin in Dachau, jetzt einen starken Partner gewonnen: den MVV. In den Radroutenplaner des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds werden künftig auch Ausflugstouren im Landkreis eingebunden. Das wird weitere Ausflügler bringen: Die MVV-Internetseite zählt an Gut-Wetter-Tagen 3800 bis 5600 Routenberechnungen.

An schönen und abwechslungsreichen Rad- und Wanderwegen fehlt es nicht im Dachauer Land mit seinen Seen, Naturdenkmälern, Biergärten, Brauereien, Schlössern, Kirchen, Klöstern und der Amper oder Maisach. Nur müssen Münchner und Bewohner der Region sie auch kennen. Christine Unzeitig und ihre Mitarbeiterinnen Annika Baumbach und Annika Recht, die beide im November 2015 dazugekommen sind, betreiben eine intensive Werbung mit Flyern, Anzeigen, auf Messen - natürlich auch überregional. Von dem MVV-Routenplaner, der seit April 2015 angeboten wird, erhofft Unzeitig sich die Aufmerksamkeit von noch viel mehr Tagestouristen. Im Durchschnitt besuchen die Internetseite 3000 bis 5000 Nutzer, wie vom MVV zu erfahren war. Sogar bei schlechtem Wetter ist die Nachfrage noch groß: Bei immerhin 1900 Usern liegt die niedrigste Zahl. Auch die Rückmeldungen auf das Angebot sind durchwegs positiv.

In den Routenplaner war bisher nur der Landkreis Starnberg, der gleich bei der Erstellung mitwirkte, eingebunden. Über den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bietet die Seite jedoch Touren in allen Landkreisen der Münchner Region an. Die Dachauer aber wollen künftig richtig mitmachen: Zunächst vier oder fünf Radwegerouten aus Dachau werden in den nächsten zwei Wochen eingestellt werden. Noch mehr Münchner werden dann erfahren, wie Unzeitig sagt, was es hier für interessante Touren gibt. Auf die Idee kam Christine Unzeitig durch die SZ und ihre Serie mit Leser-Touren, die in Zusammenarbeit mit dem MVV entstand. Im Radroutenplaner des MVV wurden die Leser-Touren fest hinterlegt, so dass sie auch direkt von der Smartphone-App aus aufgerufen werden können. Bei SZ.de, dem Online-Portal der Süddeutschen Zeitung, finden Radler schon jetzt unter sz.de/lesertouren alle Routen. Zwei Routen im Landkreis Dachau sind auch in einer entsprechenden MVV-Karte eingezeichnet: "Durch das Dachauer Hinterland" und "Zur Quelle der Maisach - und zurück".

Lange Jahre lief es mit dem Fremdenverkehr nicht so gut - trotz der Vielzahl an Sehenswürdigkeiten in Stadt und Landkreis Dachau. Zwar kommen jährlich nach Dachau mehr als 800 000 Besucher aus dem In- und Ausland. Sie aber hatten und haben vor allem ein Ziel im Auge: die KZ-Gedenkstätte. Der neuen Statistik des Landesamts zufolge zeichnet sich jedoch ein neuer Trend ab. Die Zahl der Touristen, die den Landkreis Dachau besuchen, ist rasant angestiegen. Vor allem die Große Kreisstadt erlebt einen Boom: Im ersten Halbjahr kamen 57 Prozent mehr Gäste als im Vorjahreszeitraum, 40 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr blieben über Nacht. Aber auch insgesamt liegt der Landkreis deutlich über dem bayerischen Durchschnitt: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 16,5 Prozent mehr Übernachtungsgäste in den Landkreis gekommen. Zählt man die Tagestouristen dazu, kamen sogar knapp 21 Prozent mehr Besucher als im vergangenen Jahr. Damit liegt der Landkreis im bayernweiten Trend. Im Vergleich zum Vorjahr sind im ersten Halbjahr knapp fünf Prozent mehr Gäste in Bayern angekommen.

Diese Entwicklung hat Experten zufolge mehrere Ursachen. So suche eine zunehmende Zahl an Touristen einen Ferienaufenthalt in einem vergleichsweise sicheren Land wie Bayern. Für den Landkreis hat sich daneben ein Faktor als entscheidend erwiesen: "Naherholung und Tourismus im Dachauer Land" - das Projekt des Regionalentwicklungsvereins Dachau Agil, das im März 2013 gestartet worden ist. Das Erfolgsrezept von Christine Unzeitig und ihren Mitstreiterinnen: "Das Projekt Naherholung und Tourismus ist ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsförderung. Wir vernetzen und bündeln die touristischen Angebote und vermarkten diese regional und überregional", sagt die Leiterin. Genau das hatte über viele Jahre gefehlt. 16 Gemeinden sind Mitglied, auch der Landkreis, der das Projekt finanziell fördert. Die Stadt Dachau hat ein eigenes Tourismuskonzept - das mit dem Marketingkonzept von Dachau Agil zusammengeführt wird.

Anfängliche Berührungsängste haben sich unter der Regie von Christine Unzeitig aufgelöst. Stadt und Landkreis können im Tourismus nur voneinander profitieren - und es kommt, davon ist die Projektleiterin überzeugt, auf die Qualität und den Service der touristischen Angebote an. Das gewährleistet Dachau Agil unter anderem durch ein eigenes Informationsbüro in der Dachauer Altstadt.