Süddeutsche Zeitung

Immobilienpreise im Landkreis Dachau:Angebot und Nachfrage

Die Bevölkerung in Dachau wächst rasant. Die Folge: Wohnraum wird immer teurer. Allerdings gibt es im Landkreis auch Gemeinden mit besonders günstigen Immobilienpreisen. Zu diesem Ergebnis kommt der Immobilienverband

Von Julia Putzger, Dachau

Wer im Landkreis im eigenen Einfamilienhaus wohnen möchte, muss dafür mindestens eine Million Euro hinlegen. Dieser Fakt ist längst keine Neuigkeit mehr. Seit Jahren schon steigen die Immobilienpreise, egal ob für Eigentums- oder Mietwohnungen - und auch die Coronapandemie hat dieser Entwicklung keinen Einhalt geboten. In Teilbereichen des Marktberichts des IVD (Immobilienverband Deutschland) für das Münchner Umland, der am Montag bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, ist Dachau sogar trauriger Spitzenreiter. Gleichwohl sind vor allem im Dachauer Hinterland noch vergleichsweise günstige Wohnungen zu finden.

Der IVD hat für seinen Bericht die Entwicklungen in Stadt und Landkreis München sowie den sechs umliegenden Landkreisen - Dachau, Freising, Erding, Ebersberg, Starnberg, Fürstenfeldbruck - zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021 analysiert. Eine von vielen Parallelen, die dabei allerorts festgehalten wurde: Entgegen des bundesweiten Trends der schrumpfenden Bevölkerungszahl in Kleinstädten und Gemeinden, wachsen die Kommunen im Münchner Speckgürtel stetig. Besonders zu spüren bekommt dieses Wachstum der Landkreis Dachau: Um fast elf Prozent soll die Einwohnerzahl laut Prognosen des Bayerischen Landesamts für Statistik zwischen 2019 und 2039 wachsen. In ganz Bayern weise außer Ebersberg kein anderer Landkreis eine so hohe Wachstumsrate auf, heißt es im IVD-Bericht. Die Folge: Trotz zahlreicher Neubauprojekte im ganzen Landkreis kann die hohe Nachfrage nicht bedient werden. Das wiederum führt zu spürbaren Preissteigerungen.

So stieg beispielsweise der durchschnittliche Kaufpreis für ein Einfamilienhaus zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021 in der Stadt Dachau um 6,3 Prozent - ein Spitzenwert im ganzen Umland. Bei einem aktuellen Durchschnittspreis von 1 085 000 Euro für solch eine Immobilie in Dachau macht die Teuerung schnell die Summe eines schicken Neuwagens aus. Im Vergleich zu München ist das Einfamilienhaus in Dachau dennoch beinahe ein Schnäppchen, in der Landeshauptstadt muss man fast das Doppelte dafür bezahlen.

Neben dem generellen Mangel an Wohnraum ist somit vor allem die Leistbarkeit desselben ein Punkt, der auch in Dachau eine zentrale Rolle spielt. "Neuentstehende Wohnungen bewegen sich durchgängig im hochpreisigen Segment", wird im IVD-Bericht für die Stadt Dachau festgestellt. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Nur 3,2 Prozent aller im ersten Halbjahr 2021 neu vermieteten Wohnungen in der Stadt werden für weniger als neun Euro pro Quadratmeter angeboten. Dafür kosten fast 44 Prozent der Mietwohnungen mehr als 15 Euro pro Quadratmeter und weitere rund 37 Prozent kommen auf einen Quadratmeterpreis von immerhin 13 bis 15 Euro. Mit diesen Werten lässt Dachau sogar die Stadt Starnberg hinter sich.

Im IVD-Bericht punktet der Landkreis Dachau aber auch mit besonders günstigen Immobilienpreisen, vor allem im Hinterland: So sind die beiden Gemeinden, in denen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen im Bestand am niedrigsten sind, beide im Landkreis zu finden, nämlich Markt Inderdorf mit 3600 Euro pro Quadratmeter und Petershausen mit nur 150 Euro mehr. Letztere Gemeinde taucht auch im Ranking der günstigsten Mietwohnungen erneut auf: Die durchschnittlich zehn Euro pro Quadratmeter kann im Bericht nur Taufkirchen (Vils) knapp unterbieten. Allerdings bekommen auch die ländlichen Gemeinden den stetigen Preisanstieg bei allen Arten von Immobilien immer mehr zu spüren, nicht zuletzt auch durch die Pandemie: "Die Sehnsucht nach mehr Raum und Natur ist gewachsen", während längere Arbeitswege dank Home-Office-Regelungen in Kauf genommen würden, schreiben die IVD-Experten. Vor allem Gemeinden mit gut ausgebauter Infrastruktur - etwa eine Anbindung ans S-Bahn-Netz - rückten deshalb in den Fokus der Interessenten.

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SZ vom 13.07.2021
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