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Im Gegensatz zu Erdweg:Naturfriedhof

Friedwald

Waldbesitzer Clemens von Trebra-Lindenau will einen Waldfriedhof aufbauen. Der Blick vom ausgewählten Gelände auf Dachau.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Hebertshausen und Röhrmoos stimmen Vorhaben zu

Von Petra Schafflik, Hebertshausen / Röhrmoos

Die letzte Ruhe finden mitten im Wald, unter der schützenden Krone eines uralten Baums: Eine Vorstellung, die immer mehr Menschen überzeugt. Weil das Interesse an Bestattungen in freier Natur auch im Landkreis zunimmt, will Waldbesitzer Clemens von Trebra-Lindenau jetzt auf dem Höhenrücken des Unterweilbacher Berges einen besonderen Friedhof mitten im lichten Mischwald anlegen. Ein Novum in der Region, denn in Bayern gibt es bisher nur wenige Naturfriedhöfe. Viel häufiger werden Baumbestattungen innerhalb gemeindlicher Friedhöfe angeboten. Auch im Landkreis gibt es Vorbehalte: Noch im Januar scheiterte ein ähnliches Vorhaben der Gräflich von Hundtschen Forstverwaltung KG mit Sitz in Unterweikertshofen am Veto des Erdweger Gemeinderats. Die Kommunalpolitiker in Röhrmoos und Hebertshausen, auf deren Flur von Trebras Wald liegt, zeigten sich jetzt aufgeschlossener und billigten den Naturfriedhof zwischen Röhrmoos und Reipertshofen.

Von Spaziergängern werde er immer mal wieder nach einer Bestattung im Wald gefragt, sagte von Trebra, der sein Projekt jetzt im Hebertshausener Gemeinderat präsentierte, wo er selbst als CSU-Vertreter Mitglied ist. Seit sein Projekt im Gespräch sei, "werde ich förmlich mit Anfragen bombardiert." Anlegen möchte von Trebra einen Naturfriedhof nach einem Konzept, das bereits in der Ruhestätte Waldruh Sankt Katharinen am Bodensee umgesetzt ist. Dort finden sich im Abstand von zehn bis zwanzig Metern die ausgewählten, um 120 Jahre alten Ruhebäume, um die jeweils zwölf Urnen ins Erdreich eingelassen werden können. Das erläuterte Adina Lauer, die am Bodensee den Waldruh-Friedhof leitet. Die Asche der Verstorbenen ruhe dann direkt am Wurzelwerk des Baumes. Wer sich für eine Bestattung im Wald interessiert, kann sich schon zu Lebzeiten eine Grabstelle unter einem Baum seiner Wahl aussuchen, auch Familienbäume werden vergeben. Anonyme Bestattungen gibt es nicht, vielmehr zeigen dezente Plaketten an, wer unter dem jeweiligen Ruhebaum bestattet wurde. Kerzen, Blumenschmuck oder Grabsteine finden sich im Naturfriedhof nicht. Wer die Grabstelle markieren möchte, kann einen Naturstein platzieren, Moos auslegen oder einen Farn pflanzen. Die Grabpflege übernimmt dann die Natur, was für viele Angehörige, die vielleicht weit entfernt von ihren Verstorbenen leben, ein wichtiger Aspekt sein dürfte. Ein ganzer Ruhebaum kostet in Sankt Katharinen zwischen 3200 und 6500 Euro, eine einzelne Ruhestätte zwischen 500 und 1350 Euro.

Damit nun ein Naturfriedhof auf einer Fläche von 21 Hektar am Unterweilbacher Berg entstehen kann, wie von Trebra es plant, müssen Hebertshausen und Röhrmoos mitwirken. Denn das Bestattungswesen ist hoheitliche Aufgabe, Waldbesitzer von Trebra würde als sogenannter Verwaltungshelfer den Friedhof betreiben, die Kommunen an den Erlösen beteiligen. Die Frage, wie hier Aufwand zu Ertrag stehen, interessierte die Gemeinderäte. Mit 80 bis 100 Euro erhalte die Gemeinde je Begräbnis "mehr als der Aufwand ist", so Bürgermeister Reischl.

Aber braucht Hebertshausen einen weiteren Friedhof? Möglicherweise für Menschen, die gar nicht in der Gemeinde leben sondern von außerhalb kommen? "Es ist ein anderes Konzept, aber unsere Gemeindefriedhöfe habe noch freie Kapazitäten", sagte Caroline Heinz (SPD). Urnenwände ließen sich bei Bedarf aufstellen, alternative Bestattungsformen im kommunalen Friedhof anbieten, meinte Marianne Klaffki (SPD). "Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, dort ein paar Bäume zu haben."

Ein Einwand, den Bürgermeister Reischl als "gänzlich falsch" abkanzelte. Urnenwände kosteten die Gemeinde für Bau und Unterhalt "exorbitant viel Geld". Ein Naturfriedhof komme den Wünschen der Bevölkerung entgegen, ohne dass der Gemeinde Arbeit oder Kosten entstünden. Und Platz für Bestattungsbäume gebe es auf den Gemeindefriedhöfen nicht. Tatsächlich sei ein Ruhewald keine Konkurrenz, sondern ein zusätzliches Angebot, das "nur Einnahmen bringt, aber keine Fixkosten erzeugt", betonte Lauer.

Aber in Erdweg sei "exakt dasselbe Geschäftsmodell" abgelehnt worden, sagte Klaffki. Weil anders als in Hebertshausen die örtlichen Seelsorger dort das Modell ablehnten, so der Bürgermeister. "Bei uns wird der Naturfriedhof von den Pfarrern beider christlichen Kirchen befürwortet." Der Gemeinderat billigte das Projekt mit vier Gegenstimmen. Nachdem der Röhrmooser Rat bereits Ende Juni zugestimmt hat, wird die Verwaltung nun das Bauleitverfahren einleiten, Verträge und Vereinbarungen ausarbeiten. Im Sommer 2018 soll der Naturfriedhof Unterweilbach dann eröffnen.

© SZ vom 21.07.2017
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