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Husten, niesen, schnäuzen:Grippewelle erfasst das Dachauer Land

Grippe in Bayern

Die Grippewelle hat den Landkreis Dachau erfasst.

(Foto: dpa)

Seit Ende Januar grassiert die Influenza im Landkreis Dachau, teils mit schweren Verläufen. Eine neuer Schnelltest soll nun den Patienten helfen.

Bis zu 20 Grippe-Patienten in einer Woche mussten die Helios Amper-Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf zuletzt behandeln. Derzeit gibt es mindestens sechs Verdachtsfälle pro Tag. Laut Helios begann die Grippewelle Ende Januar. Auch Hans-Ulrich Braun, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Dachau, bemerkt in seiner Praxis etliche Fälle von echter Grippe, teilweise mit so schweren Verläufen, dass die Patienten beatmet werden müssen. "Fieber, ein plötzlicher Eintritt der Erkrankung, Muskel- und Gelenkschmerzen, auch Durchfall gehören zu den Symptomen", sagt Braun. Typisch sei, dass dabei nicht unbedingt ein Schnupfen auftrete. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wirke allerdings in diesem Winter die Impfung gut. Es handle sich um eine Vierfach-Impfung. Patienten, die trotz Impfung an Grippe erkranken, hätten einen erheblich milderen Verlauf, sagt Braun.

Anders als für Hausärzte ist es an der Klinik wichtig festzustellen, ob ein aufgenommener Patient das Grippevirus hat. Der Fall muss an das Gesundheitsamt gemeldet und der Patient isoliert werden. In dieser Woche hat das Klinikum Dachau nun einen Schnelltest eingeführt. Innerhalb von 15 Minuten kann mittels eines Nasenabstrichs festgestellt werden, ob ein Patient mit dem Grippevirus Typ A oder B infiziert ist. Häufiger ist laut Hausarzt Braun Typ A. Bisher dauerte es zwischen sechs Stunden und bis zu drei Tagen, bis ein Laborergebnis vorlag. Im Klinikum Markt Indersdorf soll es den Schnelltest von nächster Woche an geben.

Für die Pfleger und Ärzte ist die Grippewelle zusätzlich belastend

Das hilft sowohl den Patienten als auch den Kliniken. "Bislang musste jeder Patient mit Verdacht auf Influenza allein auf dem Zimmer liegen, bis das Ergebnis vorlag, um eine Ansteckung anderer zu vermeiden", teilt Helios-Sprecherin Pia Ott mit. Nun warten die Patienten in der Notaufnahme das Testergebnis ab und werden dann entweder auf ein normales Zimmer verlegt oder aber mit anderen ansteckenden Influenza-Patienten in einem isolierten Zimmer untergebracht. "Das bedeutet sowohl räumlich als auch personell eine große Einsparung an Ressourcen", sagt Oberarzt Alexander von Freyburg, Leiter der Nothilfe am Amper-Klinikum. Das bedeute, dass mehr Grippe-Patienten aufgenommen werden können. Im vergangenen Jahr wurden im Klinikum Dachau etwa 400 Influenza-Tests vorgenommen. Unter den nachgewiesenen Fällen gebe es auch dieses Jahr schwere Verläufe mit beatmungspflichtigen Lungen- und Herzmuskelentzündungen.

Für die Pfleger und Ärzte ist die Grippewelle zusätzlich belastend. Ob Ärztin oder Krankenschwester - alle, die ein Zimmer betreten, in denen Grippe-Patienten liegen, müssen jedes Mal vorher Kittel, Mundschutz und Handschuhe anlegen. Das sei zeitaufwendig, erklärt Ott, und auf Dauer auch körperlich anstrengend. Dazu kommen neben den Grippefällen in diesem Winter "eine deutlich erhöhte Anzahl an RSV-Fällen", sagt Ott. RSV steht für Respiratorische Synzytial-Virus, es führt zu Erkrankungen der Atemwege und kann besonders für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden. Grundsätzlich kann man sich in jedem Alter anstecken. Auch diese Patienten werden im Krankenhaus isoliert untergebracht. Erkrankungen sind ebenfalls meldepflichtig.

Wichtig ist, oft und gründlich Hände zu waschen

Vom neuen Grippe-Schnelltest am Amperklinikum profitiert auch das Medizinische Versorgungszentrum MVZ in Dachau. Es lässt Patienten in der Klinik testen und kann sie dann gezielter behandeln. Hausarzt Braun greift teilweise auf Bluttests zurück. "Manchmal ist es wichtig, festzustellen, ob ein Virus oder Bakterien Auslöser der Infektion sind." Im Falle von Bakterien können Antibiotika helfen.

Laut Hausarzt Hans-Ulrich Braun dürfte die Grippewelle bald abklingen, trotzdem könne sich, wer bisher gesund blieb und sich schützen wolle, noch impfen lassen, sagt Braun. Wichtig bleibt wie immer: oft und gründlich Hände zu waschen, und, im Falle einer Infektion - sehr viel Ruhe.