Von dem E-Rezept-Bestellterminal hat Robert Götz zum ersten Mal Anfang vergangenen Jahres in der Fachpresse gelesen. Ein Start-up aus Ludwigshafen namens Better-Apo hatte kurz davor ein solches auf den Markt gebracht. Kein Jahr danach, noch im Dezember 2025, nahm der 62-jährige Apotheker in zweiter Generation sein erstes Terminal in Betrieb, zusätzlich zu drei Filialen. Es steht in einem Wohn- und Geschäftshaus in Hohenkammer im Landkreis Freising. Knapp 2700 Einwohner hat die Gemeinde, „keine Chance auf eine Apotheke“, so Götz.
Eigentlich läuft die Bedienung des Terminals intuitiv. Es gibt eine Krankenkassen- und eine EC-Kartenlesefunktion, die Anweisungen erteilt der berührungsempfindliche Bildschirm. Tatsächlich aber hat Götz inzwischen ein paar zusätzliche Erklär-Zettel an das Terminal geklebt. Insgesamt komme die Kundschaft jedoch gut damit zurecht, berichtet er.
Zu Demonstrationszwecken schiebt er die Krankenkassenkarte des SZ-Fotografen in den dafür vorgesehenen Schlitz, auf dem Bildschirm erscheint die Frage, ob man ein E-Rezept einlösen möchte. Nach Berühren des Ja-Feldes auf dem Monitor wird eine cloudbasierte Verbindung zur Apotheke hergestellt.

Robert Götz hat sich für die zusätzliche Audio-Video-Einheit im Terminal entschieden, deshalb können seine Kunden und Kundinnen auf Wunsch eine Sichtverbindung herstellen, direkt ins Hinterzimmer der Petershausener Filiale. „So haben die Kunden weiter ihren persönlichen Ansprechpartner aus einer richtigen Apotheke und können Fragen stellen“, erklärt er. Das, fügt er mit leicht bitterem Grinsen an, „ist der große Unterschied zum Versandhandel. Die suchen keinen Kontakt zum Kunden“.
Auf dem Bildschirm schaut Götz nun seinem Mitarbeiter Georg Schenk ins Gesicht und kann mit ihm sprechen. „Der Ton kommt nur über den Telefonhörer, so können andere nicht mithören.“ Gedacht ist das Terminal vor allem für ältere Menschen, die nicht einfach ins nächste Dorf fahren oder ihre E-Rezepte per Smartphone in die Apotheke schicken können. Weil weniger gängige rezeptpflichtige Medikamente, etwa gegen Krebs oder Alzheimer, in der Regel erst bestellt werden müssen, sparen sie sich mit dem Terminal wenigstens einen Weg zur Apotheke. Wer auch den Lieferservice in Anspruch nimmt, muss gar nicht hin.
Die Medikamente sucht eine automatische Kommissionieranlage in der Petershausener Filiale raus
Robert Götz ist technikaffin, das zeigt sich schon an der Komissionieranlage in seiner Hauptapotheke in Petershausen im Landkreis Dachau. Fast zu schnell für das menschliche Auge bewegt sich der Roboterarm, während er gesuchte Medikamente aus den deckenhohen Regalen im Kühllager holt. Er zieht das Richtige heraus und legt es auf ein Förderband zum Nebenzimmer, wo es die Angestellten übernehmen.
„Das war nicht dazu gedacht, Personal einzusparen, sondern um die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, erklärt Robert Götz zur Automatisierung. Sein Team ist glücklich damit, denn die nervige Suche nach Medikamenten entfällt seither.
Die alles in allem 15 000 Euro für das E-Rezept-Terminal hat der Apotheker nach eigenen Angaben vor allem „aus sozialen Gründen“ investiert, auch aus ökologischen, weil Wege gespart werden – und natürlich, um den eigenen Service auszubauen. „Rechnen“, da ist er ganz offen, „tut sich das noch nicht.“

Ob er trotzdem irgendwann den nächsten Schritt, die Packstation für Pillen, macht? Auf diese Frage lacht er erst. „Könnte passieren“, lautet dann die Antwort. „Aber sie sind recht teuer, das muss sich schon rentieren.“ Dazu sei der Betrieb durchaus personalintensiv, schließlich müssten seine Angestellten die Packstationen bestücken, mindestens täglich.
Bevor sich Götz das Terminal angeschafft hat, informierte er sich genau über die rechtliche Lage. Tatsächlich gibt es keine Genehmigungspflicht, sie sind durch die regionale Versandhandelserlaubnis abgedeckt. Das Allheilmittel gegen das Apothekensterben sind die E-Rezept-Terminals für Götz aber erst einmal nicht. Dass viele Apotheken schließen, habe schließlich strukturelle Gründe, sagt er. „Aber sie sind wirklich eine Stärkung.“
Der Apotheker will zwei weitere Terminals aufstellen
Zwei weitere Automaten will der Apotheker noch aufstellen, einen in Kranzberg im Landkreis Freising, einen in Schweitenkirchen im Landkreis Pfaffenhofen. „Alles Orte, die noch einen Arzt oder Ärztin haben, aber keine Apotheke mehr“, sagt Götz.
Was die ersten Erfahrungen anbelangt, so sei Hohenkammer als Standort nicht repräsentativ, betont er. Hier hat sich erst vor kurzem eine Ärztin angesiedelt, sie müsse sich erst einen Kundenstamm aufbauen. Gleiches gilt damit für das E-Rezept-Terminal. „Momentan kommen fünf bis zehn Kunden am Tag, das ist ein langsamer Prozess“, sagt der Apotheker.
1993 hatte Robert Götz die erste Apotheke von seinem Vater übernommen. Mittlerweile sind es drei, neben Petershausen noch Fahrenzhausen im Landkreis Freising und Reichertshausen im Landkreis Pfaffenhofen. Die vierte, in Eching im Landkreis Freising, hat er 2023 geschlossen. „Ganz klar aus wirtschaftlichen Gründen.“

